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12. Mai 2014

Universität Gießen: Studentin muss Schleier lüften

 Von 
„Kommunikation unmöglich“: eine Frau mit Burka.  Foto: dpa

Eine muslimische Burka-Trägerin, die an der Universität Gießen studiert, hat sich mit der Hochschulleitung darauf geeinigt, in den Uni-Veranstaltungen ihr Gesicht zu zeigen.

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An der Universität Gießen studiert eine muslimische Frau, die sich normalerweise mit einer Burka voll verschleiert. Sie studiert auf Lehramt. Es sei vereinbart, dass die Studentin in Vorlesungen und Seminaren ihr Gesicht zeige, sagte Uni-Sprecherin Caroline Link der Frankfurter Rundschau am Montag auf Anfrage. Es ist der erste bekanntgewordene Fall, in dem eine Frau mit Burka eine deutsche Uni besucht.

Nach Links Angaben hat die Uni-Leitung der Studierenden im persönlichen Gespräch deutlich gemacht, dass ein wissenschaftlicher und interaktiver Diskurs in Lehrveranstaltungen nur möglich sei ohne Verschleierung des Gesichts. Mimik und Gestik seien für die Kommunikation unentbehrlich. „Die Studierende wird bei universitären Veranstaltungen ihr Gesicht nicht mehr verhüllen oder verschleiern“, sagte die Sprecherin.

Keine Kommunikation möglich

Die Burka ist ein Ganzkörperschleier, mit dem Frauen ihren Körper und ihr Gesicht verhüllen. In Afghanistan hatten die radikalislamischen Taliban in ihrer Herrschaftszeit Frauen zum Tragen der Burka verpflichtet.

Für das hessische Kultusministerium steht fest, dass Frauen mit Burka nicht an den Schulen lehren dürfen – und auch kein Praktikum absolvieren können, wie es Lehramts-Studenten tun müssen. „Ich halte das für ausgeschlossen“, sagte Christian Henkes, der Sprecher von Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU). Mit einer Burka sei „keine Kommunikation möglich“ und noch nicht einmal eine eindeutige Identifizierung der betreffenden Person, betonte Henkes.

Der hessische CDU-Abgeordnete Ismail Tipi zeigte sich zufrieden über die Reaktion der Behörden. Es sei richtig, dass die Gießener Uni-Leitung auf einer Teilnahme ohne Verschleierung bestehe und das Land keine Lehrer mit Burka zulasse, kommentierte der Abgeordnete.

„Klare Kante zeigen“

Hessen müsse „klare Kante zeigen“, betonte der CDU-Politiker. „Die Burka hat in unserer demokratischen Gesellschaft keinen Platz.“ Sie nehme Frauen ihr Gesicht weg. Man müsse dem gerade an Schulen und Universitäten „einen Riegel vorschieben“, forderte Tipi.

Der SPD-Integrationspolitiker Gerhard Merz lobte, die Universität habe angemessen reagiert. In Lehrveranstaltungen müsse Kommunikation möglich sein. Daher kann auch der Sozialdemokrat sich keine Lehrerin in Ganzkörperschleier vorstellen. „Es ist undenkbar, dass eine Lehrerin mit verhülltem Gesicht mit Schülern kommuniziert“, sagte Merz.

In Hessen gilt ein Verbot, die Burka im öffentlichen Dienst zu tragen. Den entsprechenden Erlass hatte der damalige Innenminister Boris Rhein (CDU) im Jahr 2011 herausgegeben. Damals war eine muslimische Frau der Anlass, die voll verhüllt im Frankfurter Bürgeramt arbeiten wollte. „Da Beschäftigte des öffentlichen Dienstes grundsätzlich die Verpflichtung zur religiösen und politischen Neutralität haben, ist das Tragen der Burka während des Dienstes nicht akzeptabel“, hatte Rhein seinerzeit erklärt. Der Minister ist heute für die Hochschulen zuständig – und damit auch für die Universität Gießen.

Debatte unter Koch

Bereits 2007 war in Hessen sehr emotional über ein generelles Burka-Verbot an Schulen diskutiert worden. Sechs Wochen vor der Landtagswahl 2008 hatte der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ein solches Verbot ins Gespräch gebracht.

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Er argumentierte mit muslimischen Mädchen, die „aus den eigenen Reihen unter Druck gesetzt“ würden. Man müsse ein solches Thema auch ansprechen, wenn es noch keinen bekannten Fall an den Schulen gebe, erklärte er damals. Kritiker warfen ihm vor, sein Vorschlag gehe an der hessischen Wirklichkeit vorbei.

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