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Unrechtschicksal: Landtag sucht nach Heimkindern

Der Hessische Landtag möchte das Unrechtsschicksal von Heimkindern in den 50er und 60er Jahren aufarbeiten. Die "Zöglinge" sollen bei einer öffentlichen Anhörung über ihr erlittenes Unrecht berichten. Von Michael Grabenströer

Der hessische Landtag will das Unrechtsschicksal von Heimkindern in den 50er und 60er Jahren aufarbeiten.
Der hessische Landtag will das "Unrechtsschicksal" von Heimkindern in den 50er und 60er Jahren aufarbeiten.
Foto: dpa

Zwangsarbeit und Misshandlungen von Kindern in den 50er und 60er Jahren in Heimen der katholischen und evangelischen Kirche. Diese Nachricht schockte vor einigen Jahren den deutschen Bundestag.

In Berlin wurde daraufhin ein runder Tisch eingerichtet, der Vorgänge, Schicksale und Verantwortlichkeiten rund um die Erziehung der Kinder und Heranwachsenden in 3000 Heimen, vor allem unter kirchlicher Trägerschaft, aufklären sollte. Prominente Leiterin des Runden Tisches: die frühere Bundestagsvizepräsidentin und ehemalige hessische Bundestagsabgeordnete der Grünen Antje Vollmer.

Nun will auch der hessische Landtag das "Unrechtsschicksal von Heimkindern in den 50er und 60er Jahren aufarbeiten", so eine Mitteilung. Die Kinder, oftmals als "Zöglinge" und "schwer erziehbar" abgestempelt, wurden teilweise schon wegen kleiner Vergehen geprügelt oder sogar sexuell misshandelt.

In Hessen soll am 29. Oktober eine öffentliche Anhörung des Landtages zum Thema stattfinden. Dafür sucht der Landtag ehemalige Heimkinder als Betroffene, aber auch Mitarbeiter von ehemaligen Heimträgern in Hessen. Die Landtagsabgeordneten wollen sich so ein besseres Bild von den Verhältnissen schaffen, die in den 50er und 60er Jahren in hessischen Heimen herrschten.

Der Landeswohlfahrtsverband hat sich bereits für die Verfehlungen in Heimen entschuldigt. Der grüne Landespolitiker Andreas Jürgens brachte die Problematik in den Landtag und fand dafür die Zustimmung aller Fraktionen. Das Thema gehöre auch auf Länderebene breit diskutiert, sagte Jürgens.

Wer über sein Schicksal als Heimkind in den 50er und 60er Jahren in hessischen Erziehungsheimen berichten möchte, kann sich unter Zusicherung strikter Vertraulichkeit beim Landtag in Wiesbaden melden. Kontakte sind unter Telefon 0611/350334 und 350335 möglich. Betroffene können sich auch per E-Mail an j.schlaf@ltg.hessen.de oder a.wiekhorst@ltg.hessen.de wenden. "Ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen wird nichts weitergegeben", garantiert Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) die Vertraulichkeit der Mitteilungen.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  31 | 7 | 2009
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