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Unsere Frau in Nairobi nimmt Abschied: Krismas njema na heri

Die "Nahaufnahme" ist vorbei, es heißt nun lassen von den Menschen, der Stadt und den tausend und mehr Eindrücken. Vom Beschriebenen und Unbeschreiblichen. Von Lia Venn

Rift Valley mit Mount Longonot im Hintergrund.
Rift Valley mit Mount Longonot im Hintergrund.
Foto: FR/Venn

Wenn im nairobischen November der Ibis in der Palme schreit, ist es nicht ganz so wie die im entlaubten deutschen Baume krächzende Winterkrähe. Ein Geräusch, an das ich mich hier gar nicht mehr recht erinnern kann. Denn hier zwitschern mit den einheimischen Vögeln fröhlich diejenigen, die von uns aus vor der Kälte gen Afrika geflohen sind. Krähe, Rabenvogel…ihre Rufe assoziiere ich immer mit Winter, dessen Höhepunkt für mich Weihnachten war und ist. Ja, ich bin eine Weihnachtsliebhaberin, mit Deko, Tannenduft, Posaunenengel. In Nairobi muss ich auf die Vorfreude gar nicht verzichten. Was irritierend ist. Die Massai fertigen wunderschöne Tannenbäume aus bunten Perlen, Engel, Weihnachtsbaumschmuck.

Am vergangenen Wochenende wurde der berühmte Bizarre Bazaar im Stadtteil Karen abgehalten. Ja, Karen, nach Karen Blixen, die dort eine Farm hatte, am Fuße der Ngong-Berge, naja, Sie wissen schon. Es leben immer noch die reichen Mzungus dort. Die Kikuyu und andere Stämme arbeiten für sie, tragen die Rucksäckchen der Kinder, tragen die Pakete mit Weihnachtsgeschenken der Eltern. "Der letzte Augenblick der Kolonisierung ist die Kolonisierung der Geschichte des Kolonialismus." Diesen Satz aus der französischen Tageszeitung Libération schrieb Reinhild Khan mal in der Frankfurter Rundschau, als sie Jean Zieglers Buch "Der Hass auf den Westen" besprach.

Das Nation Centre in Nairobi.
Das Nation Centre in Nairobi.
Foto: FR/Venn

Vor diesem bizarren Weihnachtsmarkt hatte ich überall Handzettel gesehen, die für ihn warben, mit einer Dame darauf, die Geschenkpäckchen trägt und darüber der Schriftzug Bizarre Bazaar. Was ist das denn? Wieso denn christmas market, ich bin doch in Afrika, Subsahara, Kenia. Ja eben: 70 Prozent der Kenianer sind Christen, da wird auch Weihnachten gefeiert, ebenso bei den Briten und Deutschen und Amerikanern, die hier leben.

Wie ein Perlhuhn

Das Depot, Haus der Frankfurter Rundschau.
Das Depot, Haus der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR/Kraus

Rund 70 Prozent der Kenianer sind Christen, trotzdem erscheinen Nikoläuse und Engel auf den sonnenbeschienenen Märkten irritierend. Am Empfangstresen der Daily Nation ist eine Säule quasi eingewickelt in goldene Kräuselgirlanden und üppig gespickt mit Christbaumkugeln, wie ein Perlhuhn mit weißen Tupfen.

Im Sarit Center zwischen der Lower Kabete und Parklands Road, wo es Kinos gibt, deren Lautstärke bis in die Ngong-Berge schallt, hängen Tannenkränze aus Plastik, bunte, glitzernde Kugeln und Lichtergirlanden fließen in den Innenhof. Es ist angenehme 24 Grad Celsius warm. Manche Schaufenster sind mit Eisblumen beklebt - während im Nachbarland Tansania der Schnee auf dem Kilimanjaro schmilzt.

Ade, Afrika

Ach Afrika. Die Zeit hier ist so schnell vergangen wie ein kenianischer Langstreckenläufer rennt. Ich werde die Fröhlichkeit der Menschen vermissen, die viel mehr lachen als die Deutschen, obwohl man meinen könnte, sie hätten viel weniger Grund dazu. Ich werde die freundlichen Taxifahrer vermissen, besonders Martin und Paul, denen der nairobische Verkehr gleichsam durch die Adern fließt, so vertraut sind sie mit ihm. Ich werde die morgendliche Wärme vermissen, den Schrei der Ibisse, die Schatten auf den Wegen von den gelassen übers unruhige Nairobi fliegenden Marabus. Ich werde das Licht vermissen und die rote Erde.

Aber ich gestehe, dass ich mich darauf freue, wieder Deutsch sprechen zu können - anstelle meines zwar bemühten, aber katastrophalen Kisuahenglisch. Die Kenianer übrigens sind Sprachgenies: Sie sprechen ihre Stammessprache, dann Kisuaheli und die meisten auch noch Englisch. Respekt. In vielerlei Hinsicht.

Suaheli des Tages: Krismas njema na heri heißt Frohe Weihnachten.

Datum:  30 | 11 | 2009
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