Ein Amoklauf ist kein Amoklauf, sondern ein "erweiterter Suizid". Spitzenmanager bekommen vor ihrem Ruhestand eine "Halteprämie". Und in einem großen Unternehmen ist von "betriebsratsverseuchten Mitarbeitern" die Rede. Seit Anfang des Jahres sind beim Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser wieder mehr als 500 Vorschläge für das Unwort des Jahres eingegangen. Und viele Sprachschöpfungen hätten das Zeug, tatsächlich in eine Reihe mit "notleidenden Banken" (2008), "Herdprämie" (2007) und freiwillige Ausreise (2006) aufgenommen und zum Unwort des Jahres bestimmt zu werden, sagt Schlosser.
1991 hatte der Professor erstmals zu der sprachkritischen Suche aufgerufen. Die Definition des Unwortes hat sich seitdem nicht verändert. Gesucht werden "sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die besonders negativ aufgefallen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen", wie Schlosser sagt. Vorschläge machen kann jeder, wobei manche Einsender den Begriff Unwort zu weit fassen. Eingeschickt wurden etwa "George W. Bush", "Irak-Krieg" oder auch "Schlafstörungen".
Vorschläge für das Unwort des Jahres nimmt Professor Horst Dieter Schlosser, Vorsitzender der Unwort-Jury, schriftlich entgegen: Horst Dieter Schlosser, Universität Frankfurt (Fach 161), 60629 Frankfurt am Main oder per Mail an die Adresse Unwort@em.uni-frankfurt.de.
Die Formulierungen müssen in diesem Jahr öffentlich verwendet worden sein. Einsender sollten eine Quellenangabe mitschicken. Einsendeschluss ist der 11. Januar 2010.
Die Zahl der Nennungen ist für die Wahl zum Unwort des Jahres nicht entscheidend. Schließlich beobachtet Schlosser jedes Jahr Kampagnen für einen Begriff, der dann gleich dutzendfach vorgeschlagen wird. Vielmehr kürt eine sechsköpfige Jury das Unwort. Ihr gehören neben vier Sprachwissenschaftlern mit ständigem Sitz in diesem Jahr Stephan Hebel, Mitglied der Chefredaktion der Frankfurter Rundschau, und der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach an. Das Unwort wird Mitte Januar bekanntgegeben.

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