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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

13. August 2013

Urteil gegen Schüler: Keine mittlere Reife für Felix W.

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Nach den Ferien gibt es an Gymnasien G8 und G9 parallel. Eine Folge vieler Proteste - wie hier von Schülern in Oberursel.  Foto: Monika Müller

Der G8-Gymnasiast erhält nach der Mittelstufe lediglich den Hauptschulabschluss. Seine Klage scheitert vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof.

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Das Land Hessen darf Schülern im verkürzten gymnasialen Bildungsgang G8 die mittlere Reife verweigern, wenn diese die Schule vor Ende der Jahrgangsstufe 10 (E-Phase) verlassen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hat in einem am Montag veröffentlichten Urteil die Praxis des Landes bestätigt. Die daraus resultierende Ungleichbehandlung von Schülern in G8 und G9 sei gerechtfertigt, stellten die Richter fest.

Die Richter hatten die Berufung des aus dem Main-Taunus-Kreis stammenden Schülers Felix Weimer (16) gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt zurückgewiesen. Demnach hat er keinen Anspruch auf die mittlere Reife, obwohl er die Mittelstufe am Gymnasium mit Ende der Klasse 9 erfolgreich beendet hatte. Schüler, die das Abitur in G9 anstreben, erhalten nach Abschluss der Mittelstufe den mittleren Bildungsabschluss. Allerdings erreichen diese das Ende der Mittelstufe nach zehn Schuljahren.

Die Richter stellten in ihrem Urteil fest, dass es tatsächlich eine Ungleichbehandlung von G8- und G9-Schülern gebe. Es stehe dem Gesetzgeber und dem Kultusministerium aber frei, die Vergabe des mittleren Bildungsabschlusses an den erfolgreichen Abschluss der Jahrgangsstufe 10 zu knüpfen. So könne die Vergabe des mittleren Abschlusses vom „Erwerb einer bestimmten Reife sowie von sozialen Kompetenzen abhängig“ gemacht werden.

Für G8-Gymnasiasten kann dies gravierende Folgen haben. Ihre Jahrgangsstufe 10 ist die E-Phase, also das erste Jahr der Oberstufe. Scheitern sie dort und verlassen das Gymnasium, gehen sie lediglich mit dem Hauptschulabschluss ab. Nach bis zu elf Schuljahren (inklusive einmaligem Sitzenbleiben), davon sieben Jahre auf dem Gymnasium, sind sie damit formal einem Hauptschulabsolventen gleichgestellt.

Das Urteil sei „konstruiert“

In ihrer Begründung verweisen die Verwaltungsrichter zudem darauf, dass eine Vergabe der mittleren Reife bereits nach Klasse 9 zur Folge haben könnte, dass Realschüler gezielt die G8-Gymnasien besuchen könnten. Sie können sich so ein Schuljahr sparen sowie die an der Realschule verpflichtende Abschlussprüfung umgehen.

Die Wiesbadener Rechtsanwältin Sibylle Schwarz, die Felix Weimer in dem Verfahren vertritt, nannte das Urteil in einer ersten Reaktion „konstruiert“. G8- und G9-Schüler hätten am Ende der Mittelstufe den gleichen Ausbildungsstand erreicht. So sei es im Schulgesetz definiert. Sie verfügten über die gleiche Berechtigung zum Eintritt in die Oberstufe.

Die Argumente der Verwaltungsrichter, es könne nach „Reife und sozialer Kompetenz“ unterschieden werden, wirkten herbeigezogen. Den Hinweis des VGH, der mittlere Abschluss für G8 könne nur bundeseinheitlich neu geregelt werden, wertete Schwarz als Aufforderung, sich an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu wenden. Allerdings sei fraglich, ob die Familie Weimer nach drei Jahren Rechtsstreit dazu noch bereit sei.

Felix sagte, er sei traurig, dass die Gerechtigkeit nicht gesiegt habe. Der 16-Jährige studiert inzwischen an der Fern-Universität Hagen Informatik und hat sich mit Erfolg eine berufliche Perspektive in der Informationstechnologie-Branche erarbeitet – auch ohne mittleren Bildungsabschluss.

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