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Urteil hebt Fahrverbot auf: Im Zick-Zack durchs Dorf

Gallische Dörfer in Mittelhessen: Nicht nur in Lahntal-Göttingen greifen Anwohner zur Selbsthilfe und sorgen für lange quälende Staus - um Pendlern den Weg durch den Ort zu verleiden. Von Pitt von Bebenburg, Gesa Coordes und Joachim F. Tornau

Nicht gerne bei Anwohnern der Bundesstraßen gesehen: Lastwagen.
Nicht gerne bei Anwohnern der Bundesstraßen gesehen: Lastwagen.
Foto: dpa

Die Landesregierung will den lärmgeplagten Anwohnern jener Bundesstraßen helfen, die zu Ausweichrouten von Lastwagen geworden sind. Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) sagte am Montag in Wiesbaden, er wolle "deutlich machen, dass wir diese Anliegen ernst nehmen".

In den Dörfern entlang der Bundesstraße 252 von Marburg nach Ernsthausen kämpfen die Menschen mit gut vorbereiteten Staus für mehr Ruhe und Sicherheit. Nicht nur im mittelhessischen Lahntal-Göttingen sorgen sie freitags mit kreativ geparkten Autos dafür, dass Durchreisende die Dörfer nur noch im Zickzackkurs passieren können. Die Folge sind lange Staus und empört hupende Fahrer. "Irgendwie müssen wir uns ja wehren", sagt Ortsvorsteher Otto Selbmann.

Seit der Hessische Verwaltungsgerichtshof das Fahrverbot für schwere Laster auf den Bundesstraßen von Marburg nach Diemelstadt und von Marburg nach Borken aufgehoben hat, kocht die Stimmung bei den Anliegern hoch. "Das ist eine Unverschämtheit, die man den Menschen hier zumutet", schimpft Kommunalpolitiker Selbmann.

Nach Einführung der Autobahn-Maut für Lastwagen hatte das Land Fahrverbote für Zwölf-Tonner auf jenen Bundesstraßen verhängt, die als Ausweichrouten genutzt wurden. Auf jeder zehnten Bundesstraße in Hessen sind seitdem Abschnitte für Laster gesperrt. Der Verwaltungsgerichtshof bestätigte in der vergangenen Woche, dass solche Verbote erlaubt sind. Auf zwei Strecken an der B 3 und der B 252 kassierte er das Fahrverbot jedoch, weil zweifelhaft sei, ob es sich wirklich um Ausweichverkehr handele. Minister Posch versicherte am Montag, dass die Sperrungen trotzdem mindestens bis zum Jahresende blieben, da juristisch noch entsprechende Fristen liefen. Danach werde er die Folgen des Urteils womöglich mit Tempolimits und Nachtfahrverboten abmildern, kündigte der Minister an.

Ausbauten sollen helfen

Politischen Streit gibt es vor allem darüber, ob der Ausbau von Alternativrouten für den Durchgangsverkehr Entlastung schafft. Bei der Bundesstraße 252 soll nach Poschs Willen eine Ortsumfahrung helfen, bei der B 3 ein zügiger Ausbau der Autobahn 49. Mit dem Autobahnbau wäre "den Anwohnern am meisten geholfen", urteilt der Minister.

Das sehen die Grünen und der alternative Verkehrsclub VCD völlig anders. "Wer auf zunehmende Lärm- und Luftbelastungen immer nur mit dem Bau neuer Straßen reagiert, hat die Prinzipien der Verkehrsentstehung noch nicht verstanden", befand die Grünen-Verkehrspolitikerin Karin Müller.

Auch der Landesgeschäftsführer des VCD, Martin Mützel, hält nichts von der Lösung mit neuen Straßen. "Damit dauert es fünf bis zehn Jahre, ehe die Anwohner entlastet werden", sagte er. Zudem tauge eine mautpflichtige Autobahn nicht zum Kampf gegen Mautflüchtlinge.

Nach Ansicht des VCD wäre ein Umsteuern in der Verkehrspolitik auf Bundesebene nötig. "Wir sind grundsätzlich dafür, Bundesstraßen in die Lkw-Maut einzubeziehen", sagte Mützel.

Autor:  Pitt von Bebenburg, Gesa Coordes und Joachim F. Tornau
Datum:  24 | 11 | 2009
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