Mit einem Rückgang des Flugverkehrsaufkommens um 7,1 Prozent verzeichnet die Deutsche Flugsicherung (DFS) Langen den größten Einbruch in ihrer Geschichte. Zugleich war der Anteil der Billigflieger am Flugverkehr in Deutschland noch nie so hoch wie im im Jahr 2009. Er überstieg erstmals die 25-Prozent-Marke. Das gab die DFS am Freitag in Langen bekannt.
Die DFS-Fluglotsen haben 2009 insgesamt rund 2,93 Millionen Flüge über Deutschland kontrolliert. Im Jahr davor hatte die DFS die Rekordzahl von 3,15 Millionen erreicht (1990 waren es 1,56 Millionen). In den vergangenen Jahren war die Zahl stetig gestiegen, mit Ausnahme der Monate nach den Terroranschlägen des 11. September 2001, als es einen Rückgang gab.
Größter Billigflug-Anbieter im deutschen Luftraum ist Air Berlin. Die Fluglinie stellt etwa ein Viertel des Low-Cost-Verkehrs. Der Zweitplatzierte Ryanair kommt auf ein knappes Fünftel. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Easyjet, Germanwings und Tuifly.
Unter den Airports mit Billigflugangebot liegen die Flughäfen Köln-Bonn und Düsseldorf auf den ersten beiden Plätzen mit mehr als 90 Billigflügen pro Tag. Auf Platz drei liegt Berlin-Tegel. (frs)
"Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Luftverkehr mit voller Wucht erwischt", sagte Dieter Kaden, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung. Den deutlichsten Rückgang habe es bei den Frachtflügen gegeben, nicht ganz so dramatisch sei die Entwicklung beim Passagieraufkommen gewesen. In der zweiten Jahreshälfte 2009 habe sich zwar eine leichte Erholung bemerkbar gemacht, doch der Negativtrend habe sich bis ins Jahr 2010 fortgesetzt. Erst im Februar sei die Zahl der Flüge erstmals wieder gestiegen, wenn auch nur leicht um 0,1 Prozent.
Billigfluglinien sind laut DFS-Mobilitätsbericht 2009 weniger von der Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen als die etablierten Airlines. Im Low-Cost-Segment gingen die Flugbewegungen im deutschen Luftraum nur um 1,7 Prozent zurück. Der Anteil der Billigflüge stieg dadurch erstmals auf mehr als ein Viertel. Das stelle die Flugsicherung vor besondere Herausforderungen, so Kaden. Das Geschäftsmodell der sogenannten Low-Cost-Carrier beruhe darauf, Passagiere möglichst schnell von A nach B zu befördern und möglichst wenig Zeit am Boden zu verbringen. Die DFS hatte 2005 mit der Gründung der Tochtergesellschaft Tower-Company reagiert, die für die besonders stark von Billigfliegern frequentierten Regionalflughäfen Flugsicherungsleistungen übernimmt. Die Lotsen in der Tochtergesellschaft werden schlechter bezahlt als ihre DFS-Kollegen.
Positives vermeldet die DFS zum Thema Sicherheit. 2009 habe es im deutschen Luftraum nur sieben sogenannte Luftfahrzeugannäherungen gegeben. Damit sind Situationen gemeint, die von Piloten oder Lotsen als sicherheitsrelevant eingestuft werden. "Sieben Vorfälle bei knapp drei Millionen Flugbewegungen - das ist ein Spitzenwert", sagte Kaden.
Beinahe-Crash in Frankfurt
Vier der Fälle stufte die Apeg (Aircraft Proximity Evaluation Group) in die Kategorie A ein ("unmittelbare Gefährdung"). Einer der Vorfälle ereignete sich bei Frankfurt. Kein einziger der sieben Fälle sei von DFS-Lotsen verursacht worden, sagte Kaden. Sie seien auf Piloten- oder Systemfehler zurückzuführen.
Dass der Luftraum trotz erhöhtem Flugaufkommen immer sicherer werde, führt die DFS auf technische Innovationen zurück, aber auch darauf, dass die Zahl der Militärflüge, etwa gegenüber den 80er Jahren, rapide gesunken sei.

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