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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

17. Februar 2014

Verkehrslärm: Entlastung für die Ohren

 Von 
Verkehr produziert Lärm. Manchmal so viel, dass es nervt.  Foto: imago stock&people

Lärm macht krank - das ist wissenschaftlich belegt. Eine Tagung über die gesundheitlichen und finanziellen Folgen des Verkehrslärms soll dem Staat eine rechtliche Handhabe liefern.

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Lärm macht krank. Das ist unstrittig. Verkehrslärm kann auf die Psyche gehen oder das Herz-Kreislauf-System schädigen. Über Fluglärm gibt es Studien, denen zufolge es auch zu einer Beeinträchtigung der geistigen Leistungen von Schulkindern kommt. Doch aktuell seien die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch zu dünn, um dem Staat eine rechtliche Handhabe zu liefern.

Ein gesundheitsrelevantes Problem

„Die öffentliche Hand braucht sichere Erkenntnisse“, sagt der Lärmwirkungsforscher Dirk Schreckenberg, Diplom-Psychologe und Chef eines Fachbüros für Angewandte Psychologie, Umwelt- und Verkehrspsychologie in seinem Eingangsreferat bei der Tagung zum Thema Lärm in Wiesbaden. Veranstalter ist die Journalistenvereinigung für Technisch-Wissenschaftliche Publizistik – kurz Teli. Was Schreckenberg nicht sagt, ist, dass er derzeit an einem solch umfassenden und überwiegend vom Land Hessen finanzierten Forschungsprojekt mitarbeitet: Der Diplom-Psychologe ist einer der Verantwortlichen für die Lärmwirkungsstudie Norah, die das Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach anlässlich der Eröffnung der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen in Auftrag gegeben hat.

Doch nicht nur unter den Flugrouten und im Rhein-Main-Gebiet leiden die Menschen unter Verkehrslärm. Direkt vor der Haustür der Wiesbadener im Mittelrheintal bietet die Deutsche Bahn (DB) besten Anschauungsunterricht. „Das ist ein gesundheitsrelevantes Problem“, sagt René Weinandy vom Umweltbundesamt, der über die Möglichkeiten spricht, Bahnlärm zu reduzieren: Bis zum Jahr 2020 sollen sämtliche Güterwaggons der DB mit sogenannten Flüsterbremsen umgerüstet sein. Doch das reiche nicht, um die Region spürbar zu entlasten. Schallschutz an den Gleisen oder als Wände sei zu bauen, die DB müsse häufiger die Gleise schleifen, denn raue Oberflächen machen Krach. Auch die räumliche Verlegung der Güterbahnstrecke sei eine Alternative oder ein qualifiziertes Nachtfahrverbot. Das sei teuer, doch die Folgen des Lärms etwa für Gesundheit oder Immobilienwerte seien es ebenfalls: „EU-weit werden die Kosten auf 40 Milliarden geschätzt.“

Die Bürger können auch selbst zur Entlastung beitragen. Darauf macht Michael Jäcker-Cüpper, Vorsitzender der AG-Lärm in der Deutschen Gesellschaft für Akustik, aufmerksam: Leise Reifen, bei Kurzstrecken das Auto stehen lassen oder die U-Bahn nutzen – all dies entlaste die Ohren der Bevölkerung. Wer im Internet Ware bestellt, sie am nächsten Tag in den Händen hält oder wieder retour schickt, provoziere nächtlichen Lärm.

An Geschwindigkeitsgrenzen halten

Als weitere Stellschraube bringt Jäcker-Cüpper höhere Steuern und Gebühren für Vielfahrer ins Spiel – oder eine lärmabhängige Maut für Lastwagen. Die Kommunen benötigten finanzielle Unterstützung, um ihre Lärmminderungspläne umzusetzen. Flüsterasphalt und Tempo 30 seien der richtige Weg. Bedingung: „Die Autofahrer müssen sich nur an die Geschwindigkeitsgrenzen halten.“

Als Experte für Fluglärm spricht Ulrich Isermann von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, der unter anderem das Forum Flughafen und Region im Umwelthaus berät. Der beste Lärmschutz sei der an der Quelle, lautet seine Botschaft. Doch angesichts einer Flugzeug-Lebensdauer von 30 Jahren werde es dauern, bis es am Himmel grundsätzlich leiser wird.

Die Referate sind im Internet zu finden unter www.wissenschaftsdebatte.de

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