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Verlängerung der Tramlinie 18: Vorösterliches Gesäusele der FDP

Vor fünf Tagen wetterten die Frankfurter Liberalen noch gegen den Vorschlag, die Straßenbahnlinie 18 bis Oberrad zu verlängern. Nun nennen sie die Idee immerhin "sinnvoll". Von Jürgen Schultheis

Fixpunkt für Tramträume: Oberrad.
Fixpunkt für Tramträume: Oberrad.
Foto: Christoph Boeckheler

Vor ein paar Tagen hat Annette Rinn ein bisschen auf den Putz gehauen. Die FDP-Fraktionschefin im Römer attestierte "in vorösterlicher Zeit" der CDU und ihrem Verkehrsexperten Helmut Heuser, einen "eindrucksvollen verkehrspolitischen Eiertanz" aufzuführen. Rinn kommentierte den Vorschlag der CDU, die neue Straßenbahnlinie 18, die vom Frankfurter Bogen bis zum Zoo fahren wird, bis nach Oberrad und an die Stadtgrenze Offenbach zu erweitern. Einerseits lehne die CDU und Heuser die Anbindung Oberrads an die S-Bahn ab, andererseits befürworte sie neben den Linien 15 und 16 eine dritte Straßenbahnlinie auf der Strecke.

Dass Oberrad besser angeschlossen werden muss, hätten die Liberalen schon erkannt, als Heuser noch "mit Schaum vor dem Mund und mit verbalen Ausfällen" das Gegenteil behauptet habe, sagt Rinns Kollege Yanki Pürsün. So klang die Replik vor fünf Tagen.

Nun gibt sich die FPD moderater: Die Verlängerung der 18 sei eine "sinnvolle, wenn auch lediglich kurz- bis mittelfristige Maßnahme, um Oberrad direkt an die City anzubinden". Am Ziel, eine S-Bahnstation einzurichten, hält die FDP dennoch fest.

Seit Jahren streiten FDP und Projektgruppe S-Bahnstation für den Halt im Stadtteil. Die Befürworter weisen dabei auf die Probleme der Straßenbahnlinien hin, die durch Falsch- und Kurzparker vor allem im Bereich eines Supermarktes entstehen. Straßenbahnen könnten dann nicht weiterfahren, was Staus und zum Teil drastische Verzögerungen für Fahrgäste zur Folge hätte. Im Mai vergangenen Jahres hatte die Projektgruppe daraufhin gewiesen, dass 12000 Oberräder eine bessere Anbindung ihres Stadtteils wollten.

Nicht alle Interessengruppen teilen allerdings die Einschätzung von FDP und Projektgruppe. Vor zwei Jahren hatten sich die Initiative Frankfurt22 und die Oberräder Interessengemeinschaft Neue Wasserhofstraße über die Verkehrspolitik im Stadtteil verständigt: Beide Gruppen halten die Linie 16 im Stadtteil für unverzichtbar, fordern aber die Verlängerung der Linie ins Stadtzentrum Offenbach und eine Abzweigung entlang der A661 bis zum S-Bahnhalt Kaiserlei.

Einen S-Bahnhalt lehnt Frankfurt22 als Geldverschwendung ab, die IG Neue Wasserhofstraße sieht die Möglichkeit, mehr Pendler auf die Schiene zu bringen. SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling lehnt für seine Fraktion einen S-Bahnhalt Oberrad ebenfalls ab. Die Trasse der S-Bahn, die einst in einer Variante durch die Gärten des Stadtteils geführt werden sollte, damit näher an der Bebauung gelegen, aber eben auch die Gärten zerstört hätte, diese Variante sei nicht verwirklicht worden. Heute liegt die Trasse für Oesterling zu weit von der Bebauung entfernt. Der SPD-Chef plädiert für die Tram, deren Erhalt er beim Bau eines S-Bahnhaltes nicht auf Dauer gesichert sieht.

Sollte sich Frankfurt für einen neuen Halt entscheiden, würde der RMV zunächst untersuchen, welche Potenziale für den ÖPNV erschlossen werden könnten und ob es sinnvoll sei, Parallelverkehre zu finanzieren.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  11 | 3 | 2010
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