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Viel mehr als ein Medienspektakel

Der Ethnologe Matthias Gruber erforscht in Südafrika, wie die WM tatsächlich bei den Menschen ankommt

Echte Vuvuzela. Aber vielleicht unechtes Trikot.
Echte Vuvuzela. Aber vielleicht unechtes Trikot.
Foto: Getty

Die Fußballweltmeisterschaft fasziniert die Forscher. Matthias Gruber, Doktorand des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen" an der Goethe-Uni, ist gleich selbst nach Südafrika gereist, um sich einen Einblick zu verschaffen. Der Ethnologe will aus erster Hand erfahren, wie die WM jenseits offizieller Verlautbarungen von den Menschen wahrgenommen wird. Gruber war bereits 2007 und 2009 zu mehrmonatigen Studien in Südafrika, seit drei Wochen ist er erneut in Johannesburg.

Der 38-jährige Doktorand hat beobachtet, dass die Südafrikaner tatsächlich dem Aufruf der WM-Organisatoren und Regierung folgen, das Trikot ihrer Nationalmannschaft zu tragen und Autos sowie Häuser mit Fahnen zu schmücken. "Das hat zu einem enormen Aufschwung des legalen und illegalen Handels geführt." Verkauft werden dabei auch gefälschte Markenartikel, die "Fong Kongs". Die seien deutlich billiger, so Gruber, und eine Möglichkeit, gegen Waren der FIFA und der großen Konzerne zu protestieren.

Bisher war der Handel damit kein Problem. Mit der WM würden jedoch insbesonders gefälschte Fußballtrikots zur Zielscheibe täglicher Polizeieinsätze. Händler würden abgeführt, Ware vernichtet. Trotz des Risikos gesetzlicher Sanktionen nähmen sie das Katz-und-Maus-Spiel in Kauf, um an der WM finanziell zu partizipieren. Die Händler - meist stammen sie aus Somalia, Äthiopien und dem Kongo - vermuten hinter den Polizeieinsätzen auch Fremdenfeindlichkeit, so Gruber.

Unterschiede zeigten sich auch in den Stadien. Fans aus vielen Teilen der Welt treffen auf Südafrikaner. Gruber will herausfinden, wie die unterschiedlichen kulturellen Identitäten sich unter dem Eindruck der Gemeinsamkeiten, die der Fußball erzeuge, möglicherweise wandeln. So werde etwa über die Vuvuzela-Tröte geklagt, sie gehöre aber dennoch zur Standardausrüstung auch der ausländischen Besucher.

Südafrika hoffe auf eine Stärkung des gemeinsamen Nationalgefühls. Während Rugby meist von Weißen gespielt wird präsentiere sich der Fußball als Ereignis der Bevölkerungsmehrheit. Gruber hat auch Kritik wahrgenommen, wonach die WM nur den Eliten und der Fifa nutze. Westliche Medien nähmen Afrika zudem meist defizitär wahr.

Er hat jedoch erfahren: "Trotz aller Kritik an der Politik und Ökonomie der WM überwiegt die Freude der meisten Menschen." Der Fußball stelle viel mehr dar als ein Medienspektakel. Wie sich die südafrikanische Realität danach neu ordne, werde sich erst in den nächsten Wochen zeigen. (alu)

Datum:  17 | 6 | 2010
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