Es geht in vorderster Linie nicht ums programmatische Mitdenken. Am Samstag im Titusforum in der Nordweststadt sind die Wahlen des Vorstands die zentrale Aufgabe der Delegierten. Und Wahlen haben beim Parteitag der Frankfurter CDU traditionell so viel Brisanz wie ein belegtes Brötchen. Es gibt nur einen für den Vorsitz, das ist Boris Rhein. Der wird wiedergewählt mit einem erstklassigen Ergebnis von fast 96 Prozent. Rhein, Staatssekretär im Innenministerium, dankt den 309 Delegierten freudig, aber gefasst.
Der launige Versammlungsleiter, Ex-Forschungsminister Heinz Riesenhuber, ruft "auf eine fröhliche Zeit!" Vor zwei Jahren, da waren es "nur" 91,1 Prozent, eine Steigerung also, die Rhein aber jetzt "nicht überbewerten" will.
Kreisvorsitzender: Boris Rhein (296 von 309 gültigen Stimmen, 95,8 Prozent)
Stellvertretender Parteivorsitzende: Kämmerer Uwe Becker (294 Ja-Stimmen, 93 Prozent), Wirtschaftsdezernent Markus Frank (256 Ja-Stimmen, 80 Prozent), der Stadtverordnete Thomas Kirchner 253 Ja-Stimmen, 79,8 Prozent, die ehrenamtliche Stadträtin Erika Pfreundschuh (241 Ja-Stimmen, 76)
Schatzmeister: der ehrenamtliche Stadtrat Lutz Raettig, 280 von 287 gültigen Stimmen (98,6 Prozent)
Schriftführer: der Landtagsabgeordnete Ralf-Norbert Bartelt, 285 Stimmen, 95 Prozent.
Beiratswahlen, zwölf Positionen:
Bernadette Weyland (247 Ja-Stimmen)
Verena David (233)
Michael Prinz zu Löwenstein (220)
Matthias Zimmer (218
Jan-Dominik Schneider (216)
Christof Warnke (213)
Bernd Heidenreich (212)
Joachim Gres (210)
Thomas Rätzke (192)
Stephan Siegler (191)
Jochem Heumann (176)
Barbara Henke (174)
Weitere Bewerber:
Naim Yildirim
André Kröger
Hendrik Sandmann (ox)
Vor seiner Rede an den Parteitag, vor der Wahl hat der Vorsitzende Rhein noch etwas für das Wohlgefühl der Parteifreunde getan. Für 60 Jahre Mitgliedschaft wird beispielsweise Paul Labonté geehrt. Der berichtet von 1949, als der Partei-Mitgliedsbeitrag eine Mark kostete und so vieles anders war. Die vielen älteren Delegierten nicken versonnen.
"Neue Menschen gewinnen"
Wir müssen "die treuen" Anhänger "mitnehmen", sagt Rhein. Auf dem schwierigen Weg hin zu einem Kreisverband, in dem sich auch die "jungen urbanen Schichten" wiederfänden. Auch die mit den "unkonventionellen Lebensentwürfen". "Wir müssen neue Menschen für die CDU gewinnen!" Die "Balance" zwischen den traditionellen Werten und der Erneuerung sei nicht einfach, aber "unumgänglich", sagt Rhein mit beschwörendem Unterton: "Wer das nicht wagt, der kommt nicht mehr heraus aus dem 30 Prozent-Turm!" Ein Ergebnis, das die CDU Frankfurt bei Wahlen kaum mehr deutlich übertroffen hat.
Ein "entschiedenes Sowohl-als auch" müsse die CDU wagen. Das macht wohl vor dem C nicht halt. "Zuwanderer" müssten die Christdemokraten gewinnen, die aufgeklärten türkischen, Aleviten und Kemalisten. Da gibt es wenig Applaus, an den Tischen ist die Vorstellung von säkularen Muslimen schwach vertreten. Auch ein weiterer Vorschlag Rheins findet wenig Widerhall. Damit die beruflich stark eingespannten Mitglieder zeitlich flexible Beteiligungsmöglichkeiten hätten, strebt Rhein nicht nur zahlreiche Internet-Foren, sondern gleich einen "virtuellen Stadtbezirksverband" der CDU an. Viele der Delegierten blicken da ins Leere.
Das ruft Stefan Knoll auf den Plan und ans Rednerpult. Der Unternehmer, Mitbegründer der "Montagsgesellschaft", bietet seine kompetente Mitarbeit an der Internet-CDU an. Das werde man dann prüfen, sagt Boris Rhein. Der gewinnt viel Boden zurück bei den Delegierten, als er das Thema "Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr" zu einem der Topthemen des CDU-Kommunalwahlkampfes 2011 erklärt.
Die Wiederwahl der vier Parteivize - Uwe Becker, Markus Frank, Erika Pfreundschuh, Thomas Kirchner - geht nahezu laut- und wortlos über die Bühne. Belegte Brötchen werden danach massenhaft verzehrt. Das liegt daran, dass sich die Wahl der zwölf Beiratsposten über Stunden hinzieht. Wegen des Frauenquorums von 30 Prozent, was einige in der Haltung bestärkt, dass Neuerungen Skepsis verdient haben.

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