kalaydo.de Anzeigen

Waffenhandel in Frankfurt: Revolver vom Ordnungsamt

Der Frankfurter Helmut-Günther Döringer gab kürzlich seine Waffen beim Ordnungsamt ab. Entsetzt stellte er jedoch fest, dass seine drei Kleinkaliber womöglich gar nicht vernichtet werden. Von Georg Leppert


Foto: dpa

Die Appelle waren eindeutig. Ob von Politikern, Behörden- oder Kirchenvertretern: Immer wieder hörten private Waffenbesitzer nach dem Amoklauf von Winnenden im März, sie sollten sich doch von ihren Gewehren, Pistolen und Revolvern trennen. Auch der Frankfurter Helmut-Günther Döringer gab kürzlich seine Waffen beim Ordnungsamt ab. Entsetzt stellte er kurze Zeit später jedoch fest, dass seine drei Kleinkaliber womöglich gar nicht vernichtet werden. Denn die Stadt Frankfurt betreibt einen Handel mit abgegebenen Waffen.

Döringer ist darüber zutiefst empört. Ihm sei es nach Winnenden darum gegangen, dass es weniger Waffen in den Händen von Privatleuten gibt. Deshalb habe er sein kleines Arsenal im Keller - bestehend aus einer Luftdruck- und einer Gaspistole sowie einem Schreckschussrevolver - ausgeräumt. Wenn die Waffen nun aber womöglich verkauft werden, sei das "moralisch absolut verwerflich", sagt der 63-Jährige.

Waffengesetz

Nach dem Amoklauf von Winnenden am 11. März hat der Gesetzgeber das Waffenrecht verschärft. Besitzern von Waffen drohen unangemeldete Kontrollen. Die Behörden haben nun die Möglichkeit, eingezogene oder abgegebene Waffen zu "verwerten oder zu vernichten". Bislang war von "einziehen und verwerten" die Rede.

Die bisherige Formulierung ließ Städten und Gemeinden Raum für Interpretationen. Während die Stadt Frankfurt meint, sie habe bislang jede wertvolle oder gut erhaltene Waffen verkaufen müssen, wurde etwa in Ulm nie mit Pistolen oder Gewehren gehandelt. Nach der Neuregelung soll eine Verwaltungsvorschrift in Baden-Württemberg bestimmen, dass eingezogene Waffen "grundsätzlich vernichtet" werden.

Wesentlich unaufgeregter sieht Dore Struckmeier-Schubert die Angelegenheit. Die Sprecherin im Ordnungsdezernat von Stadtrat Volker Stein (FDP) bestätigt, dass einzelne Waffen verkauft würden: "Etwa zwei bis fünf Prozent der Stücke, die wir bekommen." Bis zum Amoklauf von Winnenden hatten pro Monat knapp 30 Bürger ihre Waffen in der Behörde abgegeben, danach verdoppelte sich die Zahl. Die Stadt habe durchaus das Recht, mit den Waffen zu handeln, sagt Struckmeier-Schubert und verweist auf das Waffengesetz. Dort heißt es, die Behörde könne abgegebene Exemplare "verwerten oder vernichten". Mehr noch: Bis zur Neufassung des Gesetzes vor einigen Wochen habe die Stadt gut erhaltene oder wertvolle Waffen sogar anbieten müssen. Eine Vernichtung sei nur zulässig gewesen, wenn ein Verkauf nicht möglich gewesen sei.

Praxis wird nicht geändert

Vor allem hochwertige Pistolen, Revolver und Gewehre verkauft die Stadt. In erster Linie an Waffenhändler, aber auch an sonstige Personen, "die berechtigt sind, eine Waffe zu führen", wie Struckmeier-Schubert betont. Sehr alte Waffen bietet die Behörde auch Sammlern oder Museen an. Rund 2000 Euro kommen pro Jahr als Verkaufserlös zusammen. Das Geld fließt in die Stadtkasse. Laut Struckmeier-Schubert wird damit ein Teil der Kosten gedeckt, die für die Vernichtung der nicht mehr verwertbaren Waffen anfallen. Das sind 10000 Euro im Jahr.

Auch wenn die Neufassung des Waffengesetzes der Stadt die Möglichkeit bietet, alle abgegeben Stücke zu vernichten, will das Ordnungsamt nicht von dem bislang praktizierten Verfahren abrücken, wie Struckmeier-Schubert erklärt. Das gelte auch für die Waffen, die nach der neuen Amnestie-Regelung abgegeben werden. Besitzer von illegalen Waffen gehen straffrei aus, wenn sie sich bis Ende des Jahres von den Stücken trennen. Bislang liegen bei der Ordnungsbehörde drei Waffen, die die Vorbesitzer nicht hätten haben dürfen. Laut Struckmeier-Schubert eignen sie sich aber allesamt nicht zum Verkauf.

Ähnlich wie das Frankfurter Ordnungsamt war die Stadt Crailsheim in Baden-Württemberg bis vor wenigen Wochen mit abgegebenen Waffen umgegangen. Nach dem Amoklauf von Winnenden hatten die Behörden noch mindestens fünf Luftgewehre verkauft. Nachdem der Fall bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte, hat der Gemeinderat mittlerweile beschlossen: In Crailsheim wird nicht mehr mit Waffen gehandelt.

Autor:  Georg Leppert
Datum:  14 | 8 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
Fasching in Mainz 
Rednerschule: Karl Oertl bringt Fastnachtern bei, wie man eine Büttenrede hält. In der Bütt: Patrick Fiederer
Fassenacht in Frankfurt 

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Top Stellenangebote
Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag
Meistgeklickt
BKA-Gebäude (Archivbild),
Zwickauer Neonazi-Trio 
Die Internetgemeinde ist zornig - denn hinter dem Urheberrechtsabkommen ACTA - das offiziell gegen Piraterie helfen soll - vermuten sie einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und Zensur.
Protest gegen Urheberrechtsabkommen ACTA 
        

Darf er mal ran? Friend im Zwiegespräch mit Trainer Veh.
Abschlusstraining der Eintracht 
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.