Die CDU war am schnellsten. Am Mittwochmorgen um fünf nach sechs teilte ihr Generalsekretär Peter Beuth mit, die jüngste Hessentrend-Umfrage des Hessischen Rundfunks sei eine „Bestätigung der erfolgreichen Arbeit der CDU-geführten Landesregierung“. Ministerpräsident und CDU-Landeschef Volker Bouffier genieße das Vertrauen der Wähler, ließ er wissen: „In Hessen gibt es keine Wechselstimmung.“
Diese Sicht dürfte außerhalb der Union kaum jemand teilen. Zwar würde die CDU, wenn am Sonntag gewählt würde, im Vergleich zur bislang letzten Umfrage vom Januar um drei Punkte auf 36 Prozent der Stimmen zulegen und wäre wieder stärkste Kraft. Weil aber ihr Koalitionspartner FDP mit vier Prozent (plus eins) nicht im Landtag vertreten wäre, hätten SPD (31 Prozent wie im Januar) und Grüne (18 Prozent, minus drei Punkte) eine komfortable Regierungsmehrheit. Die Linke würde es mit fünf Prozent (plus eins) knapp ins Landesparlament schaffen, die Piratenpartei (drei Prozent, minus eins) nicht.
Auch bei der Frage, welche Partei die nächste Landesregierung führen sollte, sind die Hessen klar positioniert: 48 Prozent SPD, 40 Prozent CDU. Am liebsten wäre ihnen eine rot-grüne Koalition, die 52 Prozent der Befragten „sehr gut“ oder „gut“ für Hessen fänden. 48 Prozent würden eine große Koalition aus SPD und CDU begrüßen, das aktuelle Modell aus CDU und FDP dagegen nur 27 Prozent – selbst Schwarz-Grün schneidet da mit 36 Prozent deutlich besser ab.
Allerdings hat die Wechselstimmung seit der Januar-Umfrage in der Tat ein wenig nachgelassen. Im Januar gab nur jeder dritte Befragte an, „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit der Arbeit der Landesregierung zu sein, inzwischen ist dieser Anteil auf 44 Prozent gewachsen. Im Ländervergleich schneidet die CDU/FDP-Koalition damit aber immer noch schlecht ab. Nur in Thüringen und in Berlin ist die Zufriedenheit mit der jeweiligen Landesregierung noch niedriger.
Am besten steht der Ministerpräsident da. Würden Volker Bouffier und SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel in einer Direktwahl gegeneinander antreten, würden 44 Prozent sich für den Amtsinhaber entscheiden, das sind sechs Punkte mehr als im Januar. „TSG“ legt um fünf Punkte auf 40 Prozent zu, elf Prozent der Hessen (minus acht) wollen „keinen von beiden“.
Die Grünen freuen sich, dass sie das beste Ergebnis in ihrer Geschichte bekommen würden, wenn am zweiten Advent Wahl wäre: 2009 hatten sie 14 Prozent eingefahren. Allerdings lagen sie zwischenzeitlich bei Umfragen auch schon über 20 Prozent.
Die SPD sprach von einem „Signal in die richtige Richtung“. Die FDP räumte angesichts der 16,2 Prozent bei der Landtagswahl 2009 ein, es gebe noch „ein großes Potenzial zur weiteren Verbesserung“. Die Linke hofft weiter auf den Einzug in den Landtag: Die Wähler würden schon noch erkennen, dass nur sie „konsequent für einen Politikwechsel steht“.
Zuversichtlich bleiben auch die Piraten: Drei Prozent würden immerhin eine Versechsfachung des vorherigen Wahlergebnisses bedeuten, sagen sie.
Für das brennendste Problem der hessischen Politik halten die mit Abstand meisten Wähler (36 Prozent) „Bildung/Schule/ Ausbildung“. Zugleich sprechen sie in diesem Gebiet der SPD mit 39 Prozent die größte Kompetenz zu. Zugleich finden aber 54 Prozent, Schüler sollten möglichst früh nach ihren Leistungen aufgeteilt werden, während 43 Prozent wie die SPD für längeren gemeinsamen Unterricht sind.
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