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03. August 2012

Waldgesetz Hessen: Mountainbiker bekommen Gegenwind

Mountainbiken im Wald - in Hessen umstritten.  Foto: dpa

Der Wald ist Erholungsort für alle - aber sollen sich auch alle darin frei bewegen dürfen? „Natürlich“, sagen Reiter und Mountainbiker. Zehn Verbände meinen dagegen: „Nein, keineswegs“. Der Streit ums neue Waldgesetz geht damit weiter.

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Der Wald ist Erholungsort für alle - aber sollen sich auch alle darin frei bewegen dürfen? „Natürlich“, sagen Reiter und Mountainbiker. Zehn Verbände meinen dagegen: „Nein, keineswegs“. Der Streit ums neue Waldgesetz geht damit weiter.

Im Streit um das neue Waldgesetz in Hessen bekommen die Mountainbiker Gegenwind. „Wir wollen nicht überall freie Fahrt für Mountainbiker“, sagte BUND-Naturschutzreferent Thomas Norgall. Sein Verband gehört zu insgesamt zehn Vereinigungen, die in einer Resolution Rücksicht in den Waldgebieten fordern. „Auch künftig muss der Wald ein überwiegend ruhiger, störungsarmer Ort bleiben. Seine flächendeckende Beunruhigung muss vermieden werden“, heißt es in dem Schreiben an die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU). Das Papier wurde am Freitag in Frankfurt veröffentlicht.

Zu den Unterstützern der Resolution gehören neben dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Wanderverband, der Waldbesitzer- und der Landesjagdverband sowie die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt. Hintergrund ist der Protest der Mountainbiker gegen das geplante neue hessische Waldgesetz, in dem sie eine Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit im Wald sehen. Künftig sollen sie die Waldeigentümer um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie abseits von breiten Wegen durch den Forst fahren wollen.
Das Papier zeige, dass es mehrere Sichtweisen gebe, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Er verwies auf die Anhörung aller beteiligten Interessengruppen, die noch bis zum 22. August Gelegenheit zur Stellungnahme hätten. Die Positionen würden für die endgültige Gesetzesfassung berücksichtigt. „Das Gesetz soll allen Belangen gerecht werden.“

Hessens Wald

42 Prozent des Landes bestehen aus Wald. Damit ist Hessen eines der waldreichsten Bundesländer.

60000 private Waldbesitzer gibt es in Hessen. Ihnen gehören rund 25 Prozent des Forstes. Beim Streit über den Gesetzentwurf geht es vor allem darum, was sie künftig verbieten dürfen.

40 Prozent des Waldes befinden sich in Landeseigentum. 35 Prozent gehören den Kommunen. Der Landesbetrieb Hessen-Forst pflegt den Landes-Wald, einen Großteil der kommunalen Wälder und die Hälfte der privaten Wälder.

Die Verbände sehen einen wachsenden Konflikt zwischen Mountainbikern und allen Formen der stillen Erholung. Deshalb seien verbindliche Regelungen nötig, um das Biken zu begrenzen. „Dabei muss der Grundsatz gelten, dass der Stärkere auf den Schwächeren Rücksicht nimmt“, heißt es in der Resolution. Traditionelle Fußpfade und schmale, speziell angelegte Wanderwege sollten nach Auffassung der Verbände ausschließlich zu Fuß begangen werden. Die Anlage spezieller Strecken für den Mountainbike-Sport könne eine Lösung sein.

Vorschläge der Biker nicht beachtet

Die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) fürchtet dagegen eine deutliche Verschlechterung ihrer Freiheiten. Kreuz und quer durch den Wald fahren wollen sie nach eigenem Bekunden nicht. Allerdings seien nun bestimmte Strecken ausgeschlossen. „Wir brauchen regionale Lenkung, und wir verschließen uns Lösungen nicht“, sagt DIMB-Vorsitzender Thomas Kleinjohann. Bisher offiziell ausgewiesene Mountainbike-Strecken seien aber wie im Odenwald völlig ungeeignet. Vorschläge der Biker seien nicht beachtet worden.

Die Initiative wehrt sich mit einer Online-Petition gegen den Gesetzesentwurf und spricht in ihrem Aufruf von einem „umfassenden Bikeverbot“. Bislang haben rund 40 900 Menschen virtuell unterschrieben, darunter etwa die Hälfte aus Hessen. Bis zum 22. August, wenn die Anhörung der Verbände endet, wollen die Biker ihre Petition die Unterschriften übergeben.

Wie die Radsportler protestieren auch die Freizeitreiter gegen Beschränkungen, die künfig auch für sie gelten sollen. „Die Gelände- und Wanderreiter tun niemanden weh und stören auch das Wild nicht“, sagte Albert Schwan vom deutschen Freizeitreiter-Verband VFD. Er nannte das Gesetz „haarsträubend“.

Nach dem neuen Gesetz, das im Herbst in den Landtag kommen soll, ist das Radfahren und das Reiten wie bisher nur auf Waldwegen erlaubt, auf denen auch ein kleines Auto wie zum Beispiel ein Smart fahren kann. Im neuen Waldgesetz heißt es detailliert: „Feste Waldwege sind befestigte oder naturfeste Wege, die von nichtgeländegängigen, zweispurigen Kraftfahrzeugen ganzjährig befahren werden können.“ (dpa)

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