Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

10. Dezember 2010

Wanderausstellung zu Anne Frank: Ganz nah bei Anne

 Von Hannah Eitel
Schüler-Coach bei der Arbeit: Elena Grossmann erklärt die Anne-Frank-Ausstellung in der Darmstädter Schlosskirche.  Foto: Christoph Boeckheler

Die 15-jährige Elena Grossmann führt Schulklassen durch die Ausstellung der Darmstädter Anne-Frank-Tage in der Schlosskirche. Ohne strenges Lehrer-Schüler-Verhältnis kommt Neugierde auf

Drucken per Mail
Darmstadt –  
Wanderausstellung

Mehr als 30 Organisationen haben die Darmstädter Anne-Frank-Tage unterstützt. Die Ausstellung zieht nach Mainz weiter.

Weitere Veranstaltungen finden in Darmstadt statt: am Donnerstag, 16. Dezember, 19.30 Uhr, Vortrag von Astrid Messerschmid: „Geschichtsbeziehungen in Bewegung – Erinnerung in der Migrationsgesellschaft“; Offenes Haus Rheinstraße 31, Darmstadt.
Weitere Veranstaltungen im Jahr 2011.www.annefrank-darmstadt.de


Anne Frank wurde 1929 in Frankfurt geboren. Als jüdische Deutsche floh sie 1934 mit ihrer Familie vor den Nazis in die Niederlande, wo sie sich ab 1942 in einem Hinterhaus versteckte. 1945 starb sie im KZ Bergen-Belsen an Typhus. Ihr Tagebuch wurde als Dokument der Judenverfolgung weltberühmt.

Die Wanderausstellung zu Anne Frank ist vom 12. Januar bis zum 6. Februar 2011 im Mainzer Landtag zu sehen. www.annefrank.de/wanderausstellungen/aktuelle-ausstellungsorte (prite)

Kino? Verboten. Busfahren? Verboten. Elena Grossmann streicht beides von dem Plakat. Schüler lesen „Juden-Gesetze“ aus dem Dritten Reich vor. Sportverein? Verboten. Telefonieren? Verboten. Es ist kaum noch etwas übrig von den Ideen, die die Jugendlichen auf dem Plakat gesammelt haben, von einem „ganz normalen Tag“.

„Anne Frank musste sich damals verstecken, sie konnte nicht aus der Wohnung“, sagt Elena. Die Liste wird noch kürzer. Schminken? „Dafür war kein Geld da.“ Freunde treffen? „Könnt ihr nicht machen.“ „Ich würde verrückt werden“, rufen einige Schüler. Am eigenen Tagesablauf erfahren sie, wie die deutsche Jüdin Anne Frank leiden musste in der Zeit des NS-Regimes.

Geschichten von Anne Frank stehen im Mittelpunkt

„Wie würdet ihr damit umgehen?“, fragen Elena und ihre Schulkameradin Chiara Comes. Die beiden 15-Jährigen führen Schulklassen durch die Ausstellung der Darmstädter Anne-Frank-Tage in der Schlosskirche. Die Klasse vom Schuldorf Bergstraße in Seeheim schüttelt die Köpfe und liest, was von ihrem Tag noch übrig ist: essen, schlafen, lesen. Viel mehr gab es für Anne Frank in ihrem Versteck nicht. Ihre Geschichte steht im Mittelpunkt der Schau, keine trockenen Fakten. „Wir können manche Fragen auch nicht beantworten. Dann sagen wir das ehrlich und stellen die Frage in die Runde“, sagt Elena.

Selbst Schülerin, führt sie andere Jugendliche durch die Ausstellung. Aus der sechsten bis zwölften Klasse kommen die Gruppen. „Wir haben kein strenges Lehrer-Schüler-Verhältnis. Die Leute trauen sich viel mehr, etwas zu fragen.“ Das bestätigt Lehrerin Catarina Sichau. Die Schüler hätten eine ganz andere Ruhe und viel Respekt für ihre jungen „Guides“. So werden Elena und ihre Kollegen genannt.

Während der Führung werden die Jugendlichen immer mutiger. Bilder beschreiben, Fragen stellen, viele Finger schießen in die Höhe, wenn sich die Guides an die Gruppe wenden. „Was passierte, wenn Juden den Davidstern nicht trugen?“ Die Frage beschäftigt die Jugendlichen ebenso wie Annes Gefühle, als sie monatelang ihr Versteck nicht verlassen konnte und nichts sah als die immergleiche Tapete. „Wie im Gefängnis“, findet ein Teilnehmer.

Führung auf Augenhöhe

„Als kleines Kind war die Anne genauso glücklich wie ihr“, erzählt Chiara. „Die Anne“, das klingt wie eine Freundin. „Wir sind ihr sehr nah gekommen. Ich hätte sie gerne kennengelernt, leider wird das nie passieren“, sagt Elena.

An mehreren Tagen haben sie und Chiara mit anderen Schülern gelernt, durch die Ausstellung zu führen. „Ich war aufgeregt und habe gedacht: Schaffe ich das?“, beschreibt Elena ihr erstes Erlebnis als Guide. Jetzt wisse sie, wie sich Lehrer manchmal fühlen, wenn Schüler tuscheln. Inzwischen erklären sie und Chiara ganz souverän, was eine Inflation ist. „Hört mal bitte zu“, ermahnt Elena die Klasse. Und tatsächlich, Stille. Die Führung auf Augenhöhe erfüllt offensichtlich ihren Zweck.

„Ein jüdisches Mädchen, das Tagebuch geschrieben hat“, mehr habe Elena auch nicht gewusst über Anne Frank. Die Fakten seien mit der Zeit von selbst gekommen. Sie fand es interessant, mehr zu erfahren. Durch Anne Frank sehe man gut, was unter Hitler passiert sei. „Das Wichtigste an der Ausstellung ist für mich, Leuten diese Geschichte nahe zu bringen. Viele wissen wenig über die Ermordung der Juden. Ich will nicht, dass so etwas noch einmal passiert.“

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Von Hanau über Offenbach bis Wiesbaden, von Friedberg über den Taunus bis nach Darmstadt: Die Frankfurter Rundschau berichtet mit ihren Redaktionen vor Ort aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

Twitter

Anzeige

Altenhilfe der FR
Altenhilfe

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

ANZEIGE
- Partner