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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

28. Dezember 2011

Wasserpfeifen-Rauchen: Vergiftung in Shisha-Bar

 Von Jutta Rippegather
Süß und giftig: Tabak aus der Wasserpfeife. (Symbolbild)  Foto: dpa

Wegen Kohlenmonoxid-Alarm muss eine Gaststätte in Griesheim geräumt werden. Die Wirtin landet im Krankenhaus. Ursache der Rauchgasvergiftung waren Shisha-Vorbereitungen.

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Wegen Kohlenmonoxid-Alarm muss eine Gaststätte in Griesheim geräumt werden. Die Wirtin landet im Krankenhaus. Ursache der Rauchgasvergiftung waren Shisha-Vorbereitungen.

Dienstag um 11 Uhr stand es fest: Nicht die Wasserpfeifen hatten die Rauchgasvergiftung in einer Gaststätte im südhessischen Griesheim verursacht – und auch nicht eine defekte Heizung. „Das hing mit der Vorbereitung des Shishas in einem Nebenraum zusammen“, sagte Stadtbrandinspektor Bert Hentzler der Frankfurter Rundschau.

Beim Anheizen der Kohlen, mit denen der Tabak entzündet wird, sei so viel Kohlenmonoxid (CO) freigesetzt worden, dass es der Betreiberin des Lokals und einigen Gästen am Montagabend plötzlich sehr übel geworden war. Die Wirtin wurde zur Beobachtung in eine Klinik eingeliefert.

Zweiter Alarm in diesem Monat

Wasserpfeifen-Rauchen ist gerade bei jungen Leuten beliebt. Und zum zweiten Mal innerhalb dieses Monats mussten in der Rhein-Main-Region Sanitäter ausrücken, weil es Konsumenten davon schlecht wurde.

Shisha

Durch ein mit Wasser gefülltes Gefäß wird der Rauch gezogen und dabei heruntergekühlt. Geraucht wird in Deutschland oft in Gruppen in Shisha-Bars oder zu Hause.

Das Centre for Drug Research an der Frankfurter Goethe-Universität stellte vergangenes Jahr fest: Unter Jugendlichen gibt es, anders als bei Zigaretten, keinen wesentlichen Rückgang beim Wasserpfeifen-Rauchen.

Aromatisierter Tabak ist besonders in Europa beliebt. Es gibt unendlich viele Geschmacksrichtungen, und es werden immer mehr: Apfel, Kirsche, Minze, Orange, Zitrone, Mango, Vanille, Rose, Banane, Cappuccino, Karamell, Lakritze, Kokosnuss, Multifrucht, Traube, Erdbeere, Pfirsich, Melone, Cola.

Die Kohle muss gut durchgeglüht sein, bevor sie auf den Tabak gelegt wird. Bei ihrer Verbrennung entsteht das gesundheitsschädliche Kohlenmonoxid.

Die Gefahr des Wasserpfeifen-Rauchens wird verharmlost, meint Carsten Wolf, Leiter der Jugend- und Suchtberatung am Frankfurter Merianplatz. Es sei ähnlich wie bei Alkopops: Der süße Tabak schmecke auch jungen Leuten. Viele Cannabis-Raucher hätten mit Shishas angefangen.

Knapp 40 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren haben schon Wasserpfeifen gequalmt, ergab eine bundesweite Untersuchung aus dem vergangenen Jahr.

Die Krankenkasse DAK warnte daraufhin vor der Suchtgefahr und Schadstoffen. Über den Rauch des mit Feuchthaltemittel, mit Zucker und Sirup versetzten Tabaks werde mehr Gift aufgenommen als über Zigaretten ohne Filter.

In Wiesbaden führte Mitte Dezember die Weihnachtsfeier eines Shisha-Versand-Shops zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. Zehn Partygäste hatten erhöhte CO-Werte im Blut, sechs mussten zur Untersuchung ins Krankenhaus. Wegen der Kälte hatte der Veranstalter zu vorgerückter Stunde das Tor zu der Halle geschlossen.

Auch in Griesheim hatte das giftige Gas keine Möglichkeit abzuziehen, sagte Stadtbrandinspektor Hentzler. Er hatte den Einsatz am Montag gegen 21.30 Uhr geleitet. „Nachdem wir drei Schritte im Lokal waren, hat das CO-Messgerät bereits ausgeschlagen, nach dem vierten Schritt Alarm gemeldet.“

In dem abgetrennten, orientalisch dekorierten Raum für die Raucher habe zwar dichter Nebel gewabert. Doch dort sei der Kohlenmonoxid-Grenzwert nicht überschritten worden. Wohl aber in dem Nebenraum, in dem die Wirtin die Kohle in Schüsseln anheizte. Nicht nur sie litt am Montagabend unter Kopfschmerzen und Unwohlsein; mehrere der insgesamt 15 Besucher klagten über Übelkeit.

Das Lokal und die Wohnung darüber wurden geräumt. „Alle mit dem Kohlenmonoxid in Kontakt gekommenen Personen wurden vorsorglich vom Notarzt untersucht und konnten vor Ort wieder entlassen werden“, informierte der Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen, Christopher Roth.

Spezielle Vorschriften gibt es nicht

Anschließend habe die Feuerwehr die Räume gelüftet. Das Lokal blieb geschlossen, bis der Schornsteinfeger am Dienstag nach einer Überprüfung die Heizung als Ursache für die Gasvergiftung ausschließen konnte.

Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme: Am 24. November waren in Wiesbaden-Biebrich eine Mutter und ihr ältester Sohn an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, die beiden anderen Söhne schwebten tagelang in Lebensgefahr. Schuld war eine defekte Heizungsanlage.

Spezielle Lüftungsvorschriften für Shisha-Bars gibt es nicht, sagt ein Sprecher des Frankfurter Ordnungsamts. Er verweist auf die Paragrafen des hessischen Nichtraucherschutzgesetzes. Das gestattet das Qualmen in abgetrennten Nebenräumen und in kleinen Lokalen, in denen lediglich „Frikadellen (kalt und warm), Wurst- und Käsebrötchen, Würste (kalt und warm) und vergleichbare einfache Speisen“ serviert werden. Von der Pflicht zu „moderner Lüftungstechnik“ ist lediglich im Zusammenhang mit „Raucherkabinen“ die Rede.

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