Norbert Baron hat eine Vision: "Ich möchte die Isolation von Gehörlosen im Alltag sprengen". Denn die Kommunikation von hörenden und gehörlosen Menschen im 21. Jahrhundert ist längst nicht so unkompliziert, wie man annehmen mag.
Baron spricht aus eigener Erfahrung, sein Sohn Jan Erik ist von Geburt an gehörlos. Inzwischen studiert der Junior an der Uni Hamburg Gehörlosen-Pädagogik und Sport. Seine eigenen Vorlesungen bestreitet er mit zwei Dolmetschern. Sie übersetzen das gesprochene Wort des Professors für ihn in Gebärdensprache. Wenn es nach seinem Vater geht, wird das bald der Vergangenheit angehören. Baron beweist, dass eigene Nöte und Erfahrungen der beste Antrieb für Innovationen sind.
Baron möchte Barrieren abbauen. Dafür gründete er im vergangenen Jahr seine Firma IT Solutions for Deaf (kurz: ITSOFD) und entwickelte das Konzept für ein kompaktes Mobilfunkgerät mit zusätzlichen Komponenten aus Minikamera, Videobrille und Kopfhörer. Seine Erfindung ließ er patentieren und nannte sie PMLT. Das Kürzel steht für Personal Mobile Language Translator - zu Deutsch: persönlicher mobiler Sprachen-Übersetzer.
Einfaches Prinzip
Das Prinzip ist einfach: Die sprechende Person wird über den Kopfhörer mit einem Dolmetscherzentrum verbunden. Dort wird das gesprochene Wort in Gebärdensprache übersetzt und an den gehörlosen Gesprächspartner zurückgesandt, der über die Videobrille oder einen tragbaren Bildschirm die Gebärden des Dolmetschers verfolgt. Für diese Idee erhielt das Ein-Mann-Unternehmen aus Weiterstadt den Innovationspreis Mittelstand 2008 von T-Mobile.
Der erste Platz ist mit einem Preisgeld von 7500 Euro dotiert. Baron freut sich über die Anerkennung. Doch der Gewinn sei "nur ein Tropfen auf den heißen Stein", damit könne er "nur teilweise die Investitionen aus dem vergangen Jahr begleichen". Der studierte Informatiker arbeitet hauptberuflich bei dem Telekommunikationsdienstleister Danet in Weiterstadt. Seine eigene Firma betreibt er nebenbei, finanziert über Privatkredite.
Von dem Preis erhofft sich Baron vor allem gute Kontakte für weitere Forschungsvorhaben und die Entwicklung eines marktreifen Produkts. Für beides ist Kapital notwendig, das er alleine nicht aufbringen kann. Bislang existiert nur das Konzept für das übersetzende Mobilfunkgerät. Für eine erste Simulation auf der Computerfachmesse Cebit im März musste er die Videobrille wegen der hohen Anschaffungskosten noch ausleihen. Doch pünktlich zur Messe im nächsten Frühjahr soll der Prototyp fertig sein. Deshalb stehen nun Gespräche mit Handyherstellern an, die als Partner Entwicklung und Produktion übernehmen könnten. Vertreiben möchte er das Produkt jedoch selbst: "Im Verkauf könnte der PMLT sich an der gehobenen Preisgrenze der jetzigen Mobiles bewegen", meint Baron. Wenn sein Plan aufgeht, könnte sein Sohn bald auf Dolmetscher in den Vorlesungen verzichten. Er müsste dazu nur die Minikamera seines Mobilfunkgerätes auf den Professor richten und der Gebärdensprache aus dem Dolmetscherzentrum auf seinem Bildschirm verfolgen.
Baron und sein Sohn haben noch weitere Ideen zur Verbesserung der Lebensqualität von Gehörlosen. An Bahnhöfen und Flughäfen könnte ein System eingeführt werden, das Lautsprecherdurchsagen für taube Menschen über Mobilfunkgeräte verständlich macht. Möglicherweise mit einer ganz einfachen SMS. Doch das ist Zukunftsmusik - jetzt ist ein erster Schritt getan und die Wirtschaft wurde aufmerksam.

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