Knapp tausend Nägel stecken in der spröden Wand des Aids-Memorials auf dem historischen Peterskirchhof. Sie sollen an Menschen erinnern, die an Aids gestorben sind. Einige Nägel stehen auch für Drogenabhängige, die von der Aids-Hilfe betreut wurden, und die ihrer Sucht erlagen, erläutert Michael Bohl von der Aids-Hilfe Frankfurt. "Wir wollen da keinen Unterschied machen."
An jedem Welt-Aids-Tag werden drei weitere, symbolische Nägel in die Wand geschlagen und die Namen der Verstorbenen vorgelesen. In diesem Jahr sind es 59 Tote. Mit Fackeln, Rosen und Kerzen werden sich die Teilnehmer nach der traditionellen Gedenkveranstaltung in der Paulskirche in Bewegung setzen und zum Memorial marschieren. Dieser Trauermarsch wird den Welt-Aids-Tag am heutigen Dienstag offiziell beenden. Tagsüber werden Schüler die "Jugendkulturkirche sankt peter" beleben. Sie treten an, um aus Frankfurt ein Meer aus roten Schleifen zu machen. Von der Berta-Jourdan-Schule bis zur Wöhlerschule machen zusammen fünfzehn Schulen beim Spendensammeln und Schleifenverteilen mit.
Es können sich aber auch ganz spontan erwachsene Helfer in der Peterskirche an der Stephanstraße einfinden. Den Personalausweis sollte man allerdings dabei haben. Zwischen 10 und 17 Uhr ist die Kirche geöffnet. Um die Mittagszeit wird Fernsehkoch Mirko Reeh die Teilnehmer bekochen, denn "Gutes tun macht hungrig", schreibt die Aids-Hilfe in einer Einladung.
Die Aids-Hilfe selbst versucht an diesem Tag wieder möglichst viele Aids-Bärchen für sechs Euro an den Mann und die Frau zu bringen. In diesem Jahr geht es um den "Liebhabär", der mit einem selbst gebauten Bett an der Konstablerwache auf sich aufmerksam macht.
Das Stadtgesundheitsamt in der Breiten Gasse 28 bietet am Welt-Aids-Tag kostenlos und anonym Aids-Tests an. Von acht bis 18 Uhr können sich die Besucher dort individuell beraten lassen. Auch die Aids-Aufklärung in der Großen Seestraße 31 hat die Schnelltests, die ein erstes Ergebnis nach 15 Minuten liefern, im Angebot. Hier ist der Test allerdings nicht kostenlos. Interessierte Paare zahlen den Preis für einen Test (25 Euro) und bekommen den zweiten Test kostenlos. Selbstverständlich können sich nicht nur Paare, sondern auch einzelne Personen testen lassen. Eine professionelle Beratung gehört in jedem Fall dazu.
Von 11 bis 19 Uhr tun sich Aids-Hilfe und Stadtgesundheitsamt an der Hauptwache zusammen, um den Bürgern und Bürgerinnen Rede und Antwort zu stehen. Auch die Caritas, die Stiftung Waldmühle und das Franziskushaus sind dabei.
Richtig feierlich wird es ab 18 Uhr in der Paulskirche zugehen. "Die Würde ist angetastet", heißt die circa eineinhalbstündige Veranstaltung. In den Redebeiträgen wird es darum gehen, dass es für HIV-Infizierte noch immer keine Normalität im Alltag gibt, dass die, die sich zu dieser Krankheit bekennen, noch immer gesellschaftliche Ächtung befürchten müssen. So wird unter anderem der Medienrechtsanwalt Felix Damm über den "Fall Nadja B." sprechen, Michele Meyer aus der Schweiz wird berichten, wie sie um ihre Kinder kämpfen musste.

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