Nach dem Scheitern des neuen Museums der Weltkulturen auf dem früheren Degussa-Gelände schwinden die Chancen für den Neubau überhaupt. Zwar appelliert Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) an CDU und Grüne, das Projekt nicht insgesamt zu streichen. "Ich hoffe darauf, dass sich beide Fraktionen der Bedeutung eines solchen Museums für die multikulturelle Stadt Frankfurt bewusst sind", sagt der CDU-Politiker im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.
Aber die Fraktionsvorsitzenden von CDU und Grünen signalisieren wenig später genau das Gegenteil: "Das neue Museum ist nicht das dringendste Problem, das wir in der Stadt haben - es gibt andere Prioritäten", so CDU-Fraktionschef Markus Frank am Rande der Magistratsklausur zum städtischen Haushalt 2009 und zur Investitionsliste bis 2011. Frank fügt hinzu: "Wir haben ja ein Museum der Weltkulturen." Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Olaf Cunitz, plädiert offen für eine "Denkpause" beim Museumsneubau.
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bedauert es am, dass der Bau eines neuen Museums der Weltkulturen auf dem früheren Degussa-Gelände am nördlichen Mainufer nicht zustande gekommen ist. Sie habe den Fraktionen von CDU und Grünen mit der möglichen Errichtung durch das private Unternehmen Deutsche Immobilien Chancen (DIC) "ein Angebot unterbreitet", sagte das Stadtoberhaupt. Sie müsse zur Kenntnis nehmen, dass diese Offerte leider nicht angenommen worden sei.
CDU-Fraktionschef Markus Frank machte dagegen am Rande der Beratungen für den städtischen Etat 2009 deutlich, dass der Museums-Neubau für die CDU keine Priorität genieße. Auch Olaf Cunitz, Fraktionschef der Grünen im Römer, plädierte für eine "Denkpause" bei dem Projekt.
Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und die SPD-Opposition im Römer kämpfen weiter für das neue Museum. Die Sozialdemokraten brachten ein neues Grundstück am nördlichen Mainufer in der Nähe der künftigen Europäischen Zentralbank für die Erweiterung des Museumsufers ins Gespräch.
Semmelroth zeigt sich "außerordentlich traurig" über die "Unbedachtheit", mit der Schwarz-Grün den Museumsbau auf dem Degussa-Gelände verspielt habe: "Es war eine ganz große Chance." Die Kulturstadt Frankfurt brauche eine Bühne für die "Auseinandersetzung sehr unterschiedlicher Kulturen".
Auch die SPD-Opposition im Römer bekennt sich zum Neubau: "Wir wollen das Museum - ein Rückzieher wäre jetzt nicht nachzuvollziehen", sagt Fraktionschef Klaus Oesterling vor Journalisten. Die SPD bringt eine neue Fläche zur Erweiterung des Museumsufers überhaupt ins Spiel: Am nördlichen Mainufer zwischen Deutschherrnbrücke, Eyssenstraße und Honsellstraße liegt ein großes Brachgrundstück, das den städtischen Hafenbetrieben gehört. "Eine sehr attraktive Lage", so Oesterling.
Hier könne das neue Museum der Weltkulturen entstehen - es eigne sich aber auch als Reservefläche für andere Museen. Die SPD beantragt deshalb, für das Grundstück ein Konzept vorzulegen, das auch eine kulturelle Nutzung einschließt. Die Sozialdemokraten stellen sich eine Kombination mit neuen Wohnhäusern vor.
In einem zweiten Antrag fordern die Sozialdemokraten, neben dieser Fläche noch drei weitere für ein neues Museum der Weltkulturen zu prüfen: Einmal den Park hinter den drei heutigen Museumsvillen am südlichen Mainkai. Zum zweiten das Areal des ältesten Bordells Frankfurts, des "Sudfass" am nördlichen Kopf der Flößerbrücke. Und die von Offenbach angebotene Hafenmole.

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