Die Zahl der Apotheken in Hessen nimmt ab. Alleine in den ersten vier Monaten machten 20 dicht. Von Gesundschrumpfen oder einem Sterben mag Peter Homann, Vorsitzender des hessischen Apothekerverbands, dennoch nicht reden. Mit Sicherheit fühle sich die Bevölkerung besser versorgt, wenn es mehr Apotheken gebe – dann wären auch die Wege zum Notdienst kürzer. Doch mancher Betrieb rechne sich einfach nicht mehr. „Der geht in die Insolvenz oder ist nicht zu verkaufen, wenn der Inhaber aus Altersgründen aufhören muss.“
Die Zeiten, als Apotheken Goldgruben waren, sind vorbei, machte Geschäftsführer Jürgen Schneider am Dienstag in Frankfurt deutlich. „Die Zukunft ist nicht mehr rosig.“ Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der verkauften Packungen um knapp drei Prozent gesunken. „Da der Verdienst in erster Linie an die Zahl der abgegebenen Packungen gekoppelt ist, ist dies gleichbedeutend mit einer Einkommensreduzierung.“ Also stieg der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr nicht so stark wie gewohnt, sondern lediglich um 50 Millionen Euro auf knapp 3 Milliarden.
Der Trend zu Umsatzeinbußen könnte sich fortsetzen, befürchtet Verbandschef Homann. Er fordert den Bundes-Gesetzgeber auf, die zum 1. Januar in Kraft getretene Erhöhung des Apothekenabschlags auf ein Jahr zu begrenzen. Statt 1,75 Euro müssen die Apotheken jetzt pro verschreibungspflichtigem Medikament 2,05 Euro an AOK, Barmer und Co zahlen. Der deutsche Apothekerverband geht von einem Einnahmeverlust von fast fünf Prozent aus.
Neue Einnahmequellen gesucht
Angesicht der schlechten Entwicklung suchen die Pharmazeuten neue Einnahmequellen. Eine könnte das „Zukunftskonzept“ sein, das die Apotheker und die Kassenärztliche Vereinigung auf Bundesebene erarbeitet haben. Dabei geht es darum, die Medikamenteneinnahme mehrfach-kranker Patienten so zu überwachen, dass es zu keinen Wechselwirkungen kommt, die oft im Krankenhaus enden. Dazu bilden je ein Apotheker und ein Hausarzt gegen Honorar ein Team, das sich gegenseitig informiert – mit Einverständnis des Patienten. Die Krankenkassen hätten bislang wenig Interesse an dem Modell gezeigt, bedauert Homann. „Sie haben es sich noch nicht mal angeschaut.“
Hessens Apotheker spüren aber nicht nur den von der Bundesregierung verordneten Sparzwang. Bis auf Bremen gibt es kein Bundesland, in dem die Ärzte weniger Medikamente verordnen. „Das liegt an der rigiden Politik der Kassenärztlichen Vereinigung“, erläutert Schneider. Doch Hessen holt laut einer Mitteilung der Techniker Krankenkasse auf. Vergangenes Jahr hätten die niedergelassenen Ärzte Arznei im Wert von mehr als 2,4 Milliarden Euro verschrieben. Die Steigerung liege mit neun Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 6 Prozent.

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