Die wegen wirtschaftlicher Verflechtungen und hoher Millionen-Zuschüsse aus Steuermitteln in der Kritik stehende Privat-Uni European Business School (EBS) kommt nicht zur Ruhe. Jüngster Vorwurf: Die Elite-Einrichtung in Wiesbaden, die mit dem Slogan warb „Wir sind Uni“, ist noch lange keine Universität, sondern besitzt auf unbestimmte Zeit weiter den Status einer Hochschule.
Der Wissenschaftsrat in Köln, ein Gremium von Bund und Ländern, der Anträge von Hochschulen auf einen Universitäts-Status prüft, bestätigte der Frankfurter Rundschau, dass der EBS-Antrag nach einer Vorprüfung zunächst einmal zurückgewiesen wurde, weil noch Unterlagen fehlten. Nach Informationen des Wiesbadener Kuriers geht es konkret um die Beschreibung der geplanten rechtswissenschaftlichen Fakultät. Diese sei nicht detailliert genug und müsse in dem Antrag noch ergänzt werden.
Die European Business School (EBS) bezeichnet sich an vielen Stellen schon als Universität, obwohl sie den Status noch gar nicht hat. Auf der eigenen Homepage nennt sie sich: „Universität für Wirtschaft und Recht“ und „die erste Wirtschaftsuniversität in Deutschland“.
Eine Universität ist im Gegensatz zu den praxisbezogenen Hochschulen stärker an Forschung orientiert. Sie besitzt auch einen breiteren Fächerkanon.
Ein Studium an der Elite-Hochschule EBS kostet um die 6000 Euro pro Semester. Sie hat zurzeit rund 1200 Studierende und 85 Professoren. (frs)
Das hessische Wissenschaftsministerium habe die EBS darüber am 22. Dezember informiert. Das Ministerium wollte dies auf Anfrage der FR nicht betätigen. Die EBS will den Antrag nun am 15. Februar neu stellen. In der Regel dauert ein Verfahren bis zum Abschluss etwa ein Jahr, sagte ein Sprecher des Wissenschaftsrats. Das bedeutet: Wenn im September die neue Jura-Fakultät Law School öffnet, werden die ersten Studierenden eine Hochschule und keine Universität betreten.
Zudem prüft die Staatsanwaltschaft Wiesbaden derzeit, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen den EBS-Präsidenten Christopher Jahns einleiten soll. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse der Frankfurter Rundschau. Grund: In Medienberichten wurde Jahns vorgeworfen, nicht genau zwischen der Hochschule und seinen eigenen geschäftlichen Aktivitäten zu trennen. Jahns sitzt neben seiner Tätigkeit als EBS-Präsident im Verwaltungsrat der Schweizer Beratungsfirma Brain Net und ihrer Tochtergesellschaften.
15,4 Millionen für Tiefgarage
Zuletzt war die EBS in die Schlagzeilen geraten, weil die Frankfurter Rundschau publik gemacht hatte, dass das Land Hessen die Tiefgarage unter dem Gebäude der künftigen Jura-Fakultät mit 15,4 Millionen Euro aus Steuermitteln bezuschusst. Die Förderung aus öffentlicher Hand summiert sich damit auf rund 60 Millionen Euro. Dafür gab es Kritik von SPD, Grünen und Linken im hessischen Landtag. Die Oppositionsfraktionen sehen darin eine unverhältnismäßig hohe Förderung, zumal den staatlichen Hochschulen in Hessen im aktuellen Hochschulpakt 30 Millionen Euro gekürzt werden.
Auf Verwunderung bei der Landtags-Opposition stieß am Mittwoch das Bekanntwerden, dass die EBS noch einen langen Weg bis zum Erlangen des Uni-Status vor sich hat. Die Grünen kritisierten, dass die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörrmann (CDU) weder die Öffentlichkeit informiert noch als Rechtsaufsicht eingegriffen habe. Und das, „obwohl sich die EBS an mehreren Stellen schon als Universität bezeichnet und den Zusatz ,in Gründung’ geflissentlich weglässt“, sagte Grünen-Sprecherin Sarah Sorge. Gerade weil die hohen Subventionen an die EBS unter starker öffentlicher Kritik stünden, seien Landesregierung und EBS „gut beraten, mit Titeln und Finanzverflechtungen transparent und korrekt umzugehen“.
Die Landtagsfraktion der Linken fordert die CDU/FDP-Landesregierung auf, die Förderung der EBS endgültig einzustellen. „Wenn die FDP den freien Markt preise und Subventionen verdamme, gelte das offenbar nicht für private Unis wie die EBS“, sagte sagte Janine Wissler (Linke).
„Wir fragen uns, was als nächstes ans Tageslicht kommt und ob die Ansiedlung der Hochschule für teures Geld wirklich so gut für die Stadt ist, wie uns das CDU, FDP und leider auch die Grünen weismachen wollen“, sagte Sven Gerich von der Wiesbadener SPD-Stadtverordnetenfraktion.

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