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Werbung: Plakatieren verboten

Die Werbeflächen der Stadt erregen ungewohnt - und etwas unzeitgemäß - viel Aufsehen. Von Stefan Behr

Wir haben alles gesehen. Wir haben den geflügelwurstpreisenden Kerner gesehen. Wir waren Zeugen der Zusammentreffen der ekligen Ferrero-Küsschen-Blase. Wie Colonel Kurtz in "Apocalypse Now" können wir sagen: "Wir haben das Grauen gesehen, das Grauen." Insofern dürfte uns werbemäßig nichts mehr aus der Ruhe bringen.

Tut´s ja auch nicht. Und wenn jetzt in im Nordend auf einigen Plakaten, mit denen das Volkstheater Frankfurt für seine Komödie "Altweibersommer" wirbt, ein Zusatzaufkleber "Frauenfeindliche Werbung" prangt, dann darf man sich schon wundern.

Zum einen, warum jemand etwas gegen das Foto einer Schaufensterpuppe haben könnte, die einen Büstenhalter trägt, mit welchem die Großmutter auch schon den Großvater verführt haben könnte, und zwar vor dem Krieg. Zum anderen, warum es weder ein Bekennerschreiben noch einen einzigen Hinweis im Internet gibt, durch das ansonsten der müdeste Pups wie ein wilder Sturmwind fegt. Und zuletzt über die Tatsache, dass das Volkstheater auf diese Weise ja nichts als Zusatz-Publicity bekommt. Es sei ihm gegönnt. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Und ebensowenig dürfte es Frankfurt erschüttern, wenn demnächst die evangelische Kirche auf Bus und Bahn für den vermeintlich schnellsten Weg zur Glückseligkeit wirbt. Das aber möchte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) nicht, die in religiösen Dingen strikt neutral bleiben will.

Das Credo stammt noch aus dem Frühsommer dieses Jahres, als in mehreren europäischen Städten Busse mit dem Atheisten-Logo "Es gibt vermutlich keinen Gott" fuhren - eine Vermutung im übrigen, die auch viele ausländische Gäste am Frankfurter Flughafen und sonstwo in der Stadt äußern, wenn sie versuchen, am VGF-Automaten ein für Frankfurt gültiges Ticket zu ziehen.

Die Diskussion, ob nach einer Wittenberger Kirchentür nun auch noch die Frankfurter Busse als Plakatfläche für die evangelische Kirche herhalten müssen, beschäftigt jetzt auch noch den Römer, und man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass es bei dieser Diskussion eigentlich um eine ganz andere Religion geht.

Nein, so schnell regen sich die Frankfurter nicht auf. Nicht über Religiöses oder Freizügiges in der Werbung. Da sind sie nun wirklich Schlimmeres gewohnt. Die Frankfurter regen sich über ganz andere Sachen auf, und zwar völlig zu Recht. Und da könnte die Werbung, die ja sonst nur lästig ist, wirklich mal gutes tun.

Über die Bus-Banderole "Wer immer glaubt, altehrwürdige Fußballstadien mit Namen wie Commerzbank-Arena oder Sparda Bank Hessen-Stadion in den Kot ziehen zu müssen, der soll mit diesem Bus bitte schnell dahinfahren, wo der Pfeffer wächst und so schnell nicht wiederkommen" würde sich jede politische Diskussion erübrigen. Wäre auch mal ein guter Stoff fürs Volkstheater.

Autor:  Stefan Behr
Datum:  8 | 12 | 2009
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