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Wetzlar: Buderus baut Stellen ab

Neuer Ärger bei Buderus in Wetzlar: 30 bis 40 Stellen könnten wegfallen, fürchtet die Gewerkschaft. Geschäftsleitung und Betriebsrat verhandeln jetzt über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. Von Martin Brust

Neuer Ärger bei Buderus in Wetzlar: 30 bis 40 Stellen könnten wegfallen, fürchtet die Gewerkschaft.
Neuer Ärger bei Buderus in Wetzlar: 30 bis 40 Stellen könnten wegfallen, fürchtet die Gewerkschaft.
Foto: ddp

Neuer Ärger bei der Buderus Spezialguss GmbH (BSG) in Wetzlar. Nach Angaben von Ferdinand Hareter von der IG Metall Mittelhessen wurden auf einer Betriebsversammlung vorige Woche Pläne zum Personalabbau vorgestellt. 30 bis 40 Stellen könnten wegfallen, fürchtet die Gewerkschaft. Die Geschäftsleitung hat Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen und will diese möglichst noch im Juni abschließen.

Er habe auf der Versammlung keine Zahlen zur Personalentwicklung genannt, sagte Guido Lücker, Vorstandsmitglied der BSG-Mutter DIHAG, der FR. Ziel der Verhandlungen sei die Fortführung des Standortes und eine Perspektive für die Beschäftigten.

Tradition in Eisen

Schon im 17. Jahrhundert erbaute die Familie Buderus nahe Hirzenhain (Wetterau) die ersten Hochöfen.

1731 übernahm Johann Wilhelm Buderus I. die 1707 gegründete Friedrichshütte bei Laubach von Friedrich Ernst Graf zu Solms-Laubach. Das Jahr gilt als Gründungsjahr der Firma Buderus.

Nach Familienstreitigkeiten existierten ab 1870 zwei Firmen mit dem Namen.

Seit 1896 ist kein Mitglied der Familie mehr in der Firmenleitung. (ust)

Konzern-Mutter muss helfen

Bereits Ende Mai hatte BSG einseitig die tarifvertraglich geregelte Einmalzahlung ausgesetzt. Die wirtschaftliche Situation sei "äußerst angespannt", die Nachfrage eingebrochen, sagte Lücker damals. Seit September ist das Unternehmen in Kurzarbeit. Auf der Betriebsversammlung vorige Woche soll Lücker gesagt haben, dass BSG im Dezember sowie im März und April zahlungsunfähig gewesen wäre, wenn DIHAG nicht ausgeholfen hätte.Für Hareter gibt es klare Schuldige: "Das Unternehmen wurde von einem unfähigen Management heruntergewirtschaftet." Probleme mit Qualität oder Termintreue hätten nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun. BSG gehört seit 2008 zur Deutschen Gießerei- und Industrie-Holding AG (DIHAG) und stellt Teile für Gas- und Dampfturbinen, Windkraftanlagen, Motoren und den Maschinenbau her.Im Zuge der Trennung der BSG von ihrer Ex-Schwester BGW sprach die IG Metall Ende 2009 von einem "Rosenkrieg" auf dem Rücken der Beschäftigten. Im Rahmen eines Dienstleistungsvertrages hatte BGW Verwaltungsarbeiten für BSG übernommen - Buchhaltung, Controlling, IT und ähnliches. Den hatte BSG gekündigt, was zu betriebsbedingten Kündigungen für die zuständigen BGW-Mitarbeiter führte. Diese wurden später wieder zurückgenommen.

BGW und BSG sind Überbleibsel eines alten hessischen Traditionskonzerns: Die Buderus Gießerei Wetzlar (BGW) hat nun ihren Namen in Duktus geändert. Unter dieser Marke werden alle Aktivitäten zusammengeführt - neben der Gussrohrproduktion in Wetzlar die Tiroler Röhren- und Metallwerke in Österreich, die Vertriebstöchter sowie die in Luxemburg ansässige Konzernmutter. In der gesamten Gruppe arbeiten über 500 Menschen, der Umsatz wird mit 200 Millionen Euro angegeben. Duktus stellt Gussrohre für die Wasserwirtschaft sowie Rammpfähle für den Tiefbau her. In Wetzlar werden seit 1901 Röhren produziert.

Im Gegensatz zur BSG scheint es bei Duktus rund zu laufen. Jedenfalls wurden zu Jahresbeginn in Wetzlar 860000 Euro in neue Maschinen investiert, im österreichischen Werk seit Sommer 2008 sogar sechs Millionen Euro. 2003 wurde die alte Buderus AG von der Robert Bosch AG übernommen, die Zerlegung begann. Bosch war nur an der Heiztechnik interessiert und verkaufte nach und nach den Rest des Unternehmens. BGW samt Gießerei ging im Jahr 2005 an Finanzinvestoren.

40 Leute wurden damals gekündigt, die neuen Eigentümer genehmigten sich hohe Ausschüttungen. Das Eigenkapital schmolz ebenso dahin wie der Ruf der Investoren. Denn die bedienten sich des vollen Programms der Renditejäger - vom Sale&Lease-Back bis zum Grundstücksverkauf.

Verkauft und aufgeteilt

Mit BSG und BGW ist das Spektrum der Überbleibsel des alten Buderus-Konzern aber längst nicht vollständig: Den Edelstahlbereich in Wetzlar verkaufte Bosch ebenfalls 2005 an die österreichische Böhler-Uddeholm AG - nach eigenen Angaben der weltgrößte Werkzeugstahl-Hersteller. Dieser teilt Buderus Edelstahl 2006 in drei Unternehmen auf: Buderus Edelstahl ist im Werkzeugbau und Baustahlbereich tätig, Buderus Edelstahl Band liefert Bandstahl, Buderus Edelstahl Schmiedetechnik stellt Gesenkschmiedeteile her - etwa Teile für Nutzfahrzeuge, Bau- und Landmaschinen, den Offshorebereich, Bergbau sowie den Maschinenbau. Seit 2008 gehört Böhler-Uddeholm zum österreichischen Konzern Voestalpine. Die drei Edelstahlgesellschaften haben zusammen rund 1500 Mitarbeiter und waren 2009 teilweise in Kurzarbeit. Bei der Schmiedetechnik gab es auch Entlassungen, in anderen Teilen wurde Personal ohne Kündigungen abgebaut.

Autor:  Martin Brust
Datum:  8 | 6 | 2010
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