Beim IT-Dienstleister EDS wird der Ton schärfer. Nach vier Warnstreiks droht der Unternehmensgruppe mit 4200 Beschäftigten in Deutschland der unbefristete Arbeitskampf. Die Vorstände von IG Metall und Verdi haben jetzt beschlossen, die Urabstimmung einzuleiten. Die Mitglieder der beiden Gewerkschaften sollen Ende Mai per Votum ihre Kampfbereitschaft beweisen.
Das Signal, dass man den Druck erhöhen müsse, sei aus der Belegschaft gekommen, sagt IG-Metall-Sprecher Jörg Köther der FR. Die Gewerkschaften seien deshalb sehr zuversichtlich, die notwendige Mehrheit für einen Streik zu bekommen. Zu lange schon schwele der Konflikt, zu starr habe sich die Geschäftsführung von EDS bisher gezeigt. "Die Leute sind entschlossen", sagt Köther. "Die sind bereit, eine Schippe draufzulegen und den Streik als letztes Mittel einzusetzen."
Deutscher Hauptsitzdes IT-Dienstleisters ist Düsseldorf, wichtigster Standort Rüsselsheim. In der Opel-Stadt sitzt die Verwaltung, dort steht ein Rechenzentrum, von dort aus sorgen 1500 Beschäftigte dafür, dass die Computer von Industriebetrieben, Banken und Kommunen laufen. Für den Autobauer Opel etwa betreut EDS Produktionssteuerung und Software für Entwicklung.
Vor dem Arbeitskampfmüssen die Mitglieder der Gewerkschaften IG Metall und Verdi abstimmen. Mindestens drei Viertel von ihnen müssen für die Arbeitsniederlegung votieren. Die Urabstimmung findet an allen Standorten vom 26. bis zum 29. Mai statt.
Seit Anfang des Jahres 2008 streiten die Gewerkschafter mit den Managern. Zuerst ging es lediglich um Geld, heute geht es ums Eingemachte. Laut Betriebsrat steht allein am größten EDS-Standort Rüsselsheim jeder dritte von derzeit 1500 Arbeitsplätzen auf der Kippe.
Der US-Mutterkonzern Electronic Data Systems war im August vergangenen Jahres für 13 Milliarden US-Dollar vom Computerriesen Hewlett-Packard (HP) übernommen worden. Keine drei Wochen danach wurde aus Kalifornien ein drastischer Stellenabbau angekündigt: Danach sollten in den nächsten drei Jahren weltweit rund 24 600 Arbeitsplätze in dem fusionierten Konzern gestrichen werden - das träfe mehr als sieben Prozent der Gesamtbelegschaft. In Deutschland wären bei HP rund 350 und bei EDS etwa 1150 Arbeitnehmer betroffen.
Wie man mit Streik erfolgreich Druck macht, zeigt das Beispiel Federal Mogul. Nachdem das Management den Abbau von mehr als 430 Stellen angekündigt hatte, legten die Mitarbeiter den Wiesbadener Betrieb lahm, die Bänder standen still, der Materialfluss zu den Autobauern drohte zu versiegen. Nach vier Streiktagen knickte das Management ein - und suchte den Kompromiss. Nun sollen die geplanten Kündigungen mit Kurzarbeit, Qualifizierungsmaßnahmen und Ausstiegsregelungen verhindert werden.
Bei EDS aber dürften die Bataillone anders aufgestellt sein als bei Federal Mogul. Denn bei klassischen Metallbetrieben ist die Belegschaft deutlich stärker organisiert, ist die Kampfbereitschaft deutlich ausgeprägter als bei Dienstleistern. Das weiß auch Köther. Die Kultur der Auseinandersetzung sei eine andere, sagt er. Kollektive Aktionen im Tarifstreit seien nicht selbstverständlich. Umso bemerkenswerter sei es deshalb, dass die Belegschaft bei EDS nun zum Streik bereit sei.
Es gebe keinen wirtschaftlichen Grund, bei EDS Personal abzubauen, hatte die IG Metall immer wieder moniert. Gesellschaft und Mutterkonzern schrieben schwarze Zahlen. Während die Wirtschaft mit allen sozialen Konsequenzen immer tiefer in die Krise rutsche, versuche das HP/EDS-Management "Nutzen für sich aus der gegenwärtigen Situation zu ziehen". Trotz Profite halte der Konzern am geplanten Abbau von Arbeitsplätzen fest, friere Gehälter und soziale Leistungen ein, kritisiert die Gewerkschaft.

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