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24. November 2014

Wiesbaden: Vom Cybermobbing überfordert

 Von 
Die Zahl der Mobbingopfer in digitalen Netzwerken nimmer immer mehr zu.  Foto: dpa

Der Experte Peter Sommerhalter warnt vor den Folgen von Cybermobbing. Schwarz-Grün setzt auf Schulen und Eltern, die FDP ist für eine Pflichtausbildung.

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Immer mehr Kinder und Jugendliche werden Opfer von Mobbing in den digitalen Netzwerken. Sie werden von Mitschülern in der Umkleidekabine fotografiert oder bei einer Prügelei gefilmt – und anschließend landen die Bilder im Internet. Das Thema sei „jedem wichtig, aber kaum jemandem dringend“, beklagte der Cybermobbing-Experte Peter Sommerhalter am Montag in Wiesbaden. Viele Lehrer und Eltern seien aber überfordert.

Die schwarz-grüne Landesregierung will es trotzdem weiterhin den Schulen überlassen, wie sie Kinder und Jugendliche im Umgang mit neuen Medien und Mobbing im Internet schulen. „Wir vertrauen auf die Schule vor Ort“, sagte Stefan Löwer, der Sprecher von Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU).

Mobbing im Netz

Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler ist schon einmal Opfer von Beleidigungen oder Bloßstellungen in digitalen Netzwerken geworden. Das hat das bundesweite „Bündnis gegen Cybermobbing“ ermittelt.

Mehr als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen haben solche Übergriffe im Netz bei Freunden und Bekannten miterlebt. (pit)

„Wir nehmen das Thema Mobbing und Cybermobbing in den Schulen sehr ernst“, betonte der Lorz-Sprecher. Das Ministerium stelle Schulen einen „Anti-Mobbing-Koffer“ zur Verfügung, der Material für eine Projektwoche zu diesem Thema enthalte. Außerdem stelle das Land eine Broschüre zur Mobbing-Vorbeugung und zu möglichem Eingreifen zur Verfügung, die vom „Netzwerk gegen Gewalt“ erarbeitet worden sei.

Die FDP forderte, die Auseinandersetzung mit dem Thema zum Pflichtstoff in der Aus- und Fortbildung von Lehrern zu machen. „Wir brauchen Verbindlichkeit, was Schulungen angeht“, sagte der FDP-Sozialpolitiker René Rock in der Pressekonferenz, zu der seine Fraktion auch den Fachmann Sommertaler eingeladen hatte. Das Thema gehöre auf die landespolitische Agenda.

Die SPD stimmte zu. Die Forderung nach mehr Verbindlichkeit beim Thema Cybermobbing in der Lehrerausbildung sei berechtigt, urteilte die SPD-Bildungspolitikerin Kerstin Geis. „Hessen ist gut aufgestellt in der Prävention gegen Cybermobbing“, entgegnete CDU-Innenpolitiker Alexander Bauer. Er wies darauf hin, dass hundert Berater für den Jugendmedienschutz für Schulen ausgebildet würden. Zu allererst seien die Eltern gefragt, ihre Kinder für den Umgang mit neuen Medien zu sensibilisieren.

Auch aus Sicht der Grünen geht es nicht nur um Schulen. Die Aus- und Weiterbildung von Pädagogen sei wichtig, nötig sei aber zudem „die Fachkompetenz außerschulischer Organisationen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich. „Cybermobbing hört nach der Schule nicht auf, es verfolgt Jugendliche überall hin“, fügte er hinzu.

Auch Grundschüler betroffen

Diese Erfahrung bestätigte Peter Sommerhalter, der als Medienberater für das bundesweite „Bündnis gegen Cybermobbing“ an Schulen geht. Früher sei im schlimmsten Fall ein Schulwechsel nötig geworden, wenn Kinder gemobbt worden seien, sagte er.
Heute schütze auch eine neue Schule nicht davor, durch peinliche Bilder oder Videos im Internet bloßgestellt zu werden. Schon Grundschüler machten diese Erfahrung. Am stärksten betroffen seien die Jahrgänge fünf bis neun, fügte Sommerhalter hinzu.

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