Wiesbaden. Er hat es wieder getan. Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin, bekannt für seine umstrittenen Aussagen zur Integration von Zugewanderten, nahm auch am Dienstagabend bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion im hessischen Justizministerium kein Blatt vor den Mund. Er wich keinen Schritt von seinen früheren Aussagen ab, im Gegenteil er verteidigte sie - und legte noch eine Schippe drauf. Überdies bekam er Rückendeckung von Hessens Justiz- und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), der allein Sarrazins Wortwahl monierte.
Die vielen meist positiven Reaktionen und Zuschriften von Bürgern hätten ihn bestätigt, dass seine Aussagen den Nerv getroffen hätten, sagte Sarrazin. Er sprach von einer "Not und einen Druck im Volke"; er sieht sich als jemand "der ein Thema so ausgesprochen hat, wie andere es nicht aussprechen". Auch Hahn sagte, dass es keine "Denkverbote" geben dürfe. "Es darf nicht sein, dass es schon als diskriminierend angesehen wird, wenn man über Tatsachen redet", sagte Hahn.
Sarrazin, früherer Berliner Finanzsenator und SPD-Mitglied, hatte in einem Zeitungsinterview vielen Migranten einen mangelnden Integrationswillen attestiert. Eine große Zahl an Arabern und Türken in Berlin, so Sarrazin, habe "keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel" und produziere ständig "neue kleine Kopftuchmädchen".
Ähnlich der Tenor am Dienstagabend in Wiesbaden. Es könne nicht angehen, so Sarrazin, dass übermäßig viele Migranten Arbeitslosengeld empfingen. Anders als etwa in den USA oder in Kanada bekämen sie in Deutschland aufgrund ihrer "bloßen reinen Existenz" Geld. Daraufhin entrollte eine Handvoll Sarrazin-Gegner buhend ein Transparent. Ohne Gegenwehr ließen sie sich von Ordnern aus dem Saal geleiten.
Vor dem Ministeriumsgebäude in Wiesbaden protestierten rund 25 Demonstranten, darunter Mitglieder der Linken-Landtagsfraktion und des Wiesbadener Bündnis gegen Rechts. Sie hielten Banner mit Aufschriften wie: "Rassisten ausladen!". Der Landtag hatte sich in der vergangenen Woche über den Gesprächsgast gestritten. Die Opposition aus SPD, Grüne und Linke hatten gefordert, Sarrazin kein Podium zu geben.
Als zweiter Gast zum Auftakt der Diskussionsreihe "Wiesbadener Diskurse" war der türkischstämmige hessische Journalist und Unternehmer Kenan Kubilay geladen. Kubilay ist Mitglied der Integrationskonferenz des Landes Hessen. Er hielt gegen Sarrazins Aussagen. "Solche Sätze sind Beschimpfungen", sagte er.
Er räumte ein, dass es Defizite beim Integrationswillen gebe. "Die Wunde ist uns allen bekannt, jetzt aber noch einmal Salz und Pfeffer in die Wunde zu geben", nütze niemandem. Er unterstrich, dass türkische Unternehmen für die deutsche Wirtschaftskraft inzwischen unverzichtbar seien.

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