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Wiesbadener Diskurse: Thilo Sarrazin spricht über Integration

Ausgerechnet den durch ausländerfeindliche Tiraden bekannt gewordenen Thilo Sarrazin hat Hessens Integrationsminister zu einer Debatte über Zuwanderung eingeladen. Heute Abend darf sich der Bundesbanker in Wiesbaden wieder zu seinem Lieblingsthema äußern.

Thilo Sarrazin
Thilo Sarrazin
Foto: ddp

Wiesbaden. Dieses Gespräch birgt Sprengstoff: Bundesbankvorstand und früherer Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin diskutiert am Dienstagabend mit dem hessischen Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und dem Journalisten Kenan Kubilay. Das Thema: "Chancen und Grenzen der Integration". Die Einladung Sarrazins zu den im Integrationsministerium stattfindenden "Wiesbadener Diskursen" war bereits im Vorfeld auf heftige Kritik gestoßen.

Vor einigen Tagen stritten Abgeordnete im hessischen Landtag über die pikante Personalie. Man dürfe Sarrazins umstrittenen Äußerungen über Zuwanderer kein Podium geben, erklärten die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke. CDU und FDP verteidigten die Einladung mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit. Die Diskussion mit einem türkischen Journalisten könnte Sarrazin belehren, dass Polemik in der Integration nicht weiterhelfe, sagte Hahn.

Der frühere SPD-Finanzsenator in Berlin hat mehrfach Schlagzeilen gemacht mit abfälligen Äußerungen über Sozialhilfeempfänger und Migranten. Den Türken in Berlin warf er unter anderem vor, sie produzierten "ständig neue kleine Kopftuchmädchen".

"Sie machen die Augen zu, wenn Minderheiten beleidigt werden", warf die Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas dem Minister vor. Die Grünen-Abgeordnete Mürvet Öztürk nannte Sarrazins Äußerungen populistisch und rassistisch. Hahn schade seinem eigenen Anliegen einer besseren Integrationspolitik: "Herr Hahn, Sie haben an Glaubwürdigkeit eingebüßt." Wer sich zum integrationspolitischen Narren mache, erwerbe damit noch kein Anrecht auf eine Einladung ins Ministerium, sagte der SPD-Vertreter Gerhard Merz über Sarrazin.

Sarrazin und seine Provokationen

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Hessen wolle in seiner Integrationspolitik erreichen, dass verschiedene Kulturen als Bereicherung aufgefasst werden, entgegnete der Minister. Dabei dürfe man Konfrontationen nicht aus dem Weg gehen. "Wir versuchen Spannungen aufzugreifen, sie zu versachlichen und Ängsten zu begegnen", erklärte er.

Die Abgeordneten Holger Bellino (CDU) und Christian Mick (FDP) sprangen dem Minister zur Seite. "Das hohe Gut der Pluralität der Meinungen gilt für die CDU uneingeschränkt, auch wenn inhaltlich nicht jede Meinung geteilt wird und oftmals - gerade bei sensiblen Themen - der Ton die Musik macht", sagte Bellino. Auch Personen mit kontroversen Ansichten müssten sich äußern dürfen, erklärte Mick.

Lesen Sie morgen mehr dazu bei fr-online.de. (dpa/fr)

Datum:  9 | 3 | 2010
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