So einen ekligen Fund gab es im Rheingau zuletzt vor 30 Jahren, sagt der Präsident des Rheingauer Weinbauerverbands, Klaus-Peter Keßler: 90.000 Liter Wein in Fässern und Tanks haben Mitarbeiter des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt und des hessischen Landeslabors sichergestellt, außerdem 40.000 Liter bereits in Flaschen abgefüllten Rebensafts. Was sich in den Gefäßen befand, verschwand unter einer widerlichen Schicht.
"Die Holzfässer und Flaschenlager waren teilweise bis zur Unkenntlichkeit mit Schimmel überwachsen", sagt RP-Sprecher Dieter Ohl. Und fügt hinzu, dass es sich nicht etwa um den Kellertuch-Pilz gehandelt habe, der für ausgleichendes Klima in Weinkellern sorgt.
Von "verschiedenen Schwarz- beziehungsweise Blauschimmelarten, die auch Potenzial zur Gesundheitsgefährdung besitzen", ist die Rede. Und nicht nur davon: Im Kelterhaus und auf der Weinpresse in der Scheune klebte noch der Schmutz der vergangenen Ernte. "Die dortigen Fässer waren völlig verklebt und mit toten Fruchtfliegen überzogen."
Winzer gilt als Sonderling
Weinbauernverbandschef Kessler sagt dazu: "In jedem Beruf gibt es schwarze Schafe, und nun haben wir wieder mal eins im Rheingau." Und auch RP-Sprecher Ohl betont, dass der Gammelwein-Besitzer nicht der klassische Winzer aus dem Rheingau sei. Der Mann gelte schon lange als "Sonderling", habe vor zehn Jahren seinen Ausschank auf dem Hof geschlossen und danach angeblich seine Flächen verpachtet.
Ob er wieder in die Produktion eingestiegen ist, werde jetzt ermittelt. Bislang gehen die Kontrolleure davon aus, dass der Mann, dessen Aufenthaltsort unbekannt ist, schon seit Jahren nicht mehr verkauft hat. Deshalb will Ohl weder den Namen des Mannes nennen, noch den Ort des Geschehens. "Eine aktuelle Gefährdung für Verbraucher sehen wir nicht."
Dass Rheingauer Winzer panschten oder ihr Weinbuch nicht ordentlich führten, kam in der Vergangenheit immer wieder mal vor. Doch dieser Fall, sagt Ohl, übersteigt alles bisher Dagewesene. Jahrelang habe der Mann die Prüfer an der Nase herumgeführt, sie immer wieder hingehalten, bis sie mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss anrückten. Er habe mehrfach Kontrollen verweigert, offensichtlich auch falsche Daten an das Eltviller Weinbauamt gemeldet.
Weine waren nicht gekennzeichnet
Kein Wunder, dass er die Prüfer nicht im Haus haben wollte: Der überwiegende Teil der Weine war nicht gekennzeichnet, meldet das RP. "Die in einem Raum vorgefundenen Etikettenvorräte sollten mutmaßlich dazu dienen, auf die noch unbeschrifteten Flaschen nachträglich aufgebracht zu werden." Das obligatorische Weinbuch, das Herkunft und Rückverfolgbarkeit aller produzierten Weine ermöglicht, war unauffindbar.
Dem Winzer droht ein Strafverfahren wegen Betrugs. Vorwurf: Er hat Weine als Qualitätsweine unter Angaben amtlicher Prüfnummer in Verkehr gebracht, die er nie beantragt hat. Die 130 000 Liter werden vernichtet. Weinbauernverbands-Präsident Keßler ist zuversichtlich, dass seine Zunft durch den Ekel-Fund nicht nachhaltig beschädigt ist. "Ein guter Weinkenner weiß um die Qualität unserer Produkte."

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