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Woche der Kommunikation: Kein wertfreier Raum

Die Landesmedienanstalt feiert 20. Geburtstag und lässt über die Netz-Gesellschaft diskutieren - mit bekannten Fragestellungen und wenig Möglichkeiten für das Publikum. Von Jürgen Schultheis

Lebendig und  nicht digital: Das Internet kann die persönliche Begegnung nicht ersetzen - auch nicht im Medienzentrum am Westhafen.
Lebendig und nicht digital: Das Internet kann die persönliche Begegnung nicht ersetzen - auch nicht im Medienzentrum am Westhafen.
Foto: DR/Arnold

Das Web 2.0, das Mitmachnetz, in dem jeder Sender auch Empfänger und jeder Produzent immer auch Konsument ist, verändert unser Leben, unsere Verhaltensweisen auf tiefgreifende Weise.

Ob nun Revolution oder Evolution - darüber ist sich die Diskussionsrunde im Westhafenpier am Mittwoch zwar nicht einig - dass sich das Miteinander, aber auch die Politik massiv verändern werden, darin sind sich die Teilnehmerinnen und Teilnehner einig, die unter dem Titel "Die Netz-Gesellschaft - wie die jungen Mediennutzer die (Medien-)Welt verändern" aus Anlass des 20. Geburtstags der Landesmedienanstalt Hessen (LPR) debattieren.

Wer zu den "digital natives" zählt, den Menschen, die im Netz permanent präsent sind, spiegelt Offenheit, Transparenz und Kooperationsbereitschaft wider und unterscheidet kaum noch zwischen Arbeit und Freizeit, sagt Ulrike Reinhard, Mitinitiatorin des Wegangebotes DNAdigital.

Produktiv und innovativ

Dabei sind nicht ausschließlich die Jungen Hauptnutzer und die "Alten" nicht oder selten im Netz. Nach Angaben von Ingrid Paus-Hasebrink vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg sind in Deutschland elf Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 24 Jahren gar nicht und 13 Prozent lediglich Gelegenheitsnutzer des Internet.

Gleichwohl will die Mehrzahl der jungen Menschen "dabei sein, ohne die Möglichkeiten des Internet voll auszunutzen", sagt Paus-Hasebrink. Es seien aber nur wenige, die das Web produktiv und innovativ nutzten. Das gelte vor allem für die Gruppe der 16-Jährigen, die den Weg nutzten, um ihre eigene Position zu finden.

Dass aus Sicherheitsgründen nicht alle Daten in Communities wie Facebook eingestellt werden, daran erinnert Ibrahim Evsan, Mitbegründer von Sevenload. Evsan warnt vor dem Zustand, nicht mehr zu wissen, ob man sich nun auf dem eigenen Desktop bewege oder sich schon im Netz aufhalte: Digitale Supermächte wie Google oder Amazon mit ihrer modernen Technik würden die Daten sammeln, die ins Netz geraten. Daten und Kulturgüter Europas würden auf deren Servern gespeichert, unsere Daten würden gerade amerikanisiert. "Das sind neue Machtstrukturen", sagt Evsan.

Viele Fragen

Um den Unterschied zwischen den USA und Deutschland deutlich zu machen, erinnert Evsan daran, dass allein Facebook 2008 rund 200 Millionen Dollar für neue Hardware ausgegeben habe, während das gesamte deutsche Venture Capital für junge Internetfirmen im gleichen Jahr 245 Millionen Euro betragen habe.

Professor Peter Kruse hatte zuvor die "Selbstaufschaukelungsfähigkeit" des Netzes am Beispiel spontaner Aktionen dargelegt, die über das Netz zu einflussreichen Bewegungen oder bemerkenswerten Aktionen führen. Communities wie Facebook seien im Blick auf die Zahl der Mitglieder inzwischen so groß wie die größten Staaten der Welt, die VZ-Gruppe habe allein in Deutschalnd 15 Millionen Mitglieder.

LPR-Direktor Wolfgang Thaenert stellte vier bislang unbeantwortete Fragen: Wer fördert das vielfältige Medienangebot der Zukunft angesichts eines mächtigen Webs, wie kann Kreatives und Wertvolles im Web 2.0 überleben, wie lassen sich Rechtsradikalismus und Kinderpornographie eindämmen und wer schützt die Nutzer vor der Ausforschung? Der Vorsitzende der Versammlung der LPR, Winfried Engel, betonte, dass das Internet kein rechts- und kein wertfreier Raum sein dürfe.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  5 | 11 | 2009
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