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Wölfersheims Bürgermeister Kötter: "Bei mir bekommt die NPD keinen Platz"

In Wölfersheim ist die NPD mittlerweile auf dem Rückzug. Im FR-Interview erklärt Bürgermeister Rouven Kötter, wie sich Kommunen gegen Rechtsextreme wehren können.

Tritt der NPD entgegen: Wölfersheims Bürgermeister Rouven Kötter.
Tritt der NPD entgegen: Wölfersheims Bürgermeister Rouven Kötter.
Foto: Kraus/FR

Herr Bürgermeister Kötter, was haben Sie am Tag der NPD-Demonstration in Friedberg gemacht?

Ich wäre gerne hingegangen, doch leider konnte ich dieses Mal nicht dabei sein. Aber ich habe mich gefreut, dass es gelungen ist, die Demonstranten daran zu hindern, die Kaiserstraße zu überschreiten. Es war eine ungleich größere Menge von Menschen, die für Toleranz eingetreten ist und sich der NPD entgegenstellt hat. Und ich denke, das ist ein Erfolg für Friedberg und ein Erfolg für die ganze Wetterau.

Zur Person

Rouven Kötter (30) machte in Bad Nauheim Abitur. Danach leistete er seinen Zivildienst in einer Wölfersheimer Kindertagesstätte und wurde zunächst Bankkaufmann. Nach der Ausbildung absolvierte er parallel zu seiner Arbeit ein Studium zum Diplom-Betriebswirt an der FH Gießen-Friedberg. Drei Monate seines Studiums verbrachte Kötter bei einer Organisation in Brüssel. Anschließend wurde er Referent für Wirtschaftsförderung bei der Gemeinde Wölfersheim. Im Mai 2008 setzte er sich im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber mit fast 70 Prozent der Stimmen durch und ist seitdem Chef im Wölfersheimer Rathaus.

Der Journalist Hans Rubinich führte das Gespräch mit Rouven Kötter gemeinsam mit Jens Escher und Lena Nachtigall. Sie sind Oberstufenschüler am Burggymnasium in Friedberg. Sie wollten den Bürgermeister zu den Aktivitäten der NPD befragen, da sich die Rechtsextremen vor dem Burggymnasium versammelten.

Ursprünglich sollte es durch die Kaiserstraße gehen, die größte Geschäftsstraße Friedbergs. Musste das sein?

Definitiv nicht. Man muss sich ja auch über den wirtschaftlichen Schaden im Klaren sein, den die NPD angerichtet hat, da das gesamte öffentliche Leben in Friedberg am Samstag lahmgelegt war.

Die Kirchen haben die Demonstration sehr stark unterstützt.

Es ist sehr wichtig, dass die Kirchen sich da positionieren. Denn gerade die Botschaft des Rechtsradikalismus, andere auszugrenzen, das widerstrebt dem christlichen Grundgedanken der Nächstenliebe doch völlig.

In Wölfersheim ist die NPD mittlerweile auf dem Rückzug. So plante sie, ihren Bundesparteitag hier abzuhalten. Warum kam es anders?

Die NPD hatte ihren Bundesparteitag bei uns angemeldet. Aber wir haben es geschafft, das zu verhindern. In Wölfersheim ist kein Platz für Rassismus. Wir wollen die NPD hier nicht. Ich habe das dieser menschenverachtenden Partei auch im Parlament direkt gesagt. Solange ich von den Gerichten nicht zu irgendetwas gezwungen werde, bekommt die NPD von mir keinen Meter Platz.

Mit drei Abgeordneten ist die NPD im Stadtparlament vertreten. Wie sieht ihre Arbeit aus?

Die NPD zeigt keinerlei Reaktion im Parlament. Sie stellen keine Anträge, sie bringen keine Initiativen ein. Sie geben ein jämmerliches Bild im Parlament ab. Bei meinem Amtsantritt habe ich allen Parteien die Zusammenarbeit angeboten. Die NPD habe ich da ausdrücklich ausgenommen.

Ihnen ist es gelungen, einen rechtsradikalen Tätowierladen in Wölfersheim zu schließen. Wie?

Kurz nach meiner Wahl 2008 machte bei uns so ein Laden auf. Sie verkauften T-Shirts mit Parolen gegen Farbige und Andersdenkende und riefen damit zu Gewalt und Brutalität auf. Unser Anliegen war es, so schnell wie möglich diesen Laden loszuwerden. Wir wollen das Image des braunen Netzes abstreifen und zwar endgültig. Ich habe Kontakt zur Vermieterin aufgenommen, um das Mietverhältnis vorzeitig aufzulösen. Das haben wir leider nicht erreicht. Aber wir haben erreicht, dass die Vermieterin fristgerecht zum nächstmöglichen Termin gekündigt hat. Und nun sind sie raus. Leider haben sie in unserer Nachbarschaft ein neues Domizil gefunden. Gleichzeitig haben wir in Zeitungen die Bürger aufgeklärt, was das für Menschen sind und welche Botschaften sie verbreiten. Das hat dazu geführt, dass die Betreiber hier keinen Laden mehr aufmachen konnten. Auch wer nur indirekt Hilfe für Rassismus leistet, macht sich die Hände blutig.

Die NPD könnte aber woanders ihre Zelte aufschlagen.

Leider. Wir haben sehr engen Austausch zu allen Gemeinden im Wetteraukreis. Da werden Hinweise ausgetauscht, wenn wir wissen, es sollen irgendwo rechte Feiern abgehalten werden. Der Austausch ist sehr wichtig, denn so kann man gegenseitig beratschlagen, wie man gegen die NPD erfolgreich agiert. Es gibt dabei kein allgemeingültiges Erfolgsrezept - wichtig ist jedoch, dass die demokratischen Kräfte eng zusammenarbeiten und gemeinsam Flagge gegen Rassismus zeigen.

Eine Kneipe spielt da nicht mit?

Ja, leider haben wir in unserem Ortsteil Wohnbach eine Gaststätte, die von der NPD auch für überregionale Treffen genutzt wird. Und das ist besonders schade, denn hier wäre es möglich, dass der Wirt ihr die Tür zumacht. Aber leider ist es nicht so. Ich hoffe, dass sich das ändert. Ich habe als Bürgermeister da leider keine Handhabe, außer an die Vernunft des Wirtes zu appellieren.

Haben Sie Angst vor Drohungen?

Wir haben vor ein paar Jahren in Wölfersheim Plakate aufgehängt: "NPD wählen - heißt Gewalt wählen". Das war zu der Zeit als das Verbotsverfahren gerade lief. Und ich bin davon überzeugt, dass die NPD eine gefährliche Partei ist. Vorne steht vielleicht der Biedermann, aber die Leute, die er hinter sich und seiner Ideologie versammelt, das sind gefährliche Menschen und vor denen kann man durchaus Angst haben.

Sie drängen die NPD aus Wölfersheim. Doch im Parlament ist sie noch vertreten. 2011 stehen die nächsten Kommunalwahlen an. Was haben Sie vor?

Eines meiner großen Wahlziele wird sein, die NPD aus dem Parlament rauszubekommen. Wenn uns das gelingt, werden wir ein schönes Fest in Wölfersheim feiern.

Die NPD hat angekündigt, am 24. Dezember wieder nach Friedberg zu kommen. Was raten Sie Ihrem Kollegen Keller?

Michael Keller ist ein erfahrener und guter Bürgermeister, der sich klar gegen die NPD gestellt hat und damit viel für das Image von Friedberg als tolerante Kreisstadt geleistet hat. Vielleicht wäre es beim dritten Mal jedoch eine Möglichkeit, diese Demo bewusst zu ignorieren. Und zu sagen: Wir lassen alle die Rollläden runter. Und auch die Geschäfte machen das. Wir hängen nur Transparente an die Wände. Sonst ist alles zu und menschenleer. Eine Geisterstadt, durch die dann die NPD laufen könnte. Ich hoffe jedoch, dass die NPD ihre Ankündigung nicht wahr macht. Die Polizisten möchten an Weihnachten wohl auch lieber mit der Familie zusammen sein anstatt eine Demonstration von Rassisten zu begleiten.

Interview: Jens Escher, Lena Nachtigall und Hans Rubinich

Datum:  25 | 11 | 2009
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