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Wohnviertel - Problemquartier: Eingezäunte Wiese

Heruntergekommene Siedlungen sind häufig Gründe, weshalb Konflikte aufbrechen, sich Gewalt entlädt. Zum sozialen Konfliktmanagement gehört deshalb auch die Verschönerungskur. Von Jutta Ochs

Ein Haus in der Engelsruhe. Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG baut in dem Viertel 235 neue Sozialwohnungen.
Ein Haus in der "Engelsruhe". Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG baut in dem Viertel 235 neue Sozialwohnungen.
Foto: dpa

Da ist eine riesige Grünfläche in der Engelsruhe zwischen Teutonen- und Markomannenweg. Sie überzieht den Cimbernweg, der sich erst 200 Meter weiter als Asphaltstraße fortsetzen darf. Eine mit viel Holz errichtete Kindertagesstätte steht idyllisch direkt an dieser Wiese - für die Kinder aber ist sie verbotene Zone. Das Areal gehört dem Bund und der behält sie den Bewohnern seiner Wohnungen vor. Das signalisiert er mit Zaun und Warnschildern: "Privateigentum."

Es ist noch längst nicht alles heil und schön im Unterliederbacher Viertel mit seinen 3500 Bewohnern. Und eine in die Jahre gekommene Punkerin reagiert an der Bushaltestelle gereizt, wenn man sie fragt nach ihrem Wohlbefinden im Quartier, das sich im Programm "Soziale Stadt" gerade erneuert. "Reden Sie doch nicht immer davon. Uns geht es gut!"

Mit diesem Programm, das sowohl der Bund als auch die Stadt auflegen und fördern, sollen Bezirke, die zu kippen drohen, in denen Verwahrlosung und latente und offene Gewalt Einzug gehalten haben, wieder ins gesellschaftliche Lot gebracht werden. Durch Quartiersmanager, durch Treffpunkte, durch gemeinsame Arbeit von Kirche und Vereinen und immer auch durch bauliche Verschönerung.

In der Engelsruhe ist schon optisch vieles gelungen. Architektonisch anspruchsvoller Wohnungsbau ist dort gewachsen und breitet sich mehr und mehr aus. Doch gibt es Bewohner, die das Etikett soziale Stadt als Stigma empfinden. "Wir sind doch kein Getto!"

Begleitet von gemischten Gefühlen gibt und gab es diese Programme unter anderem im Gallus ebenso wie in Fechenheim, Im Mainfeld in Niederrad, Im Heisenrath in Goldstein, Am Bügel in Bonames, der Atzelberg in Seckbach ist eine weitere Station.

Unheiliger Dreiklang

Meist ist es ein unheiliger Dreiklang, der bestimmte Quartiere der Stadt zuvor zu Problemviertel verkommen ließ: Unattraktive Mietwohnungsbauten aus den 60er und 70ern, die zunehmend verwahrlosten. Das Fehlen jeglicher sozialer Einrichtungen. Ein großer Teil der Bewohnerschaft resigniert vor seinen eigenen Problemen. Randalierende Jugendliche verschaffen sich Aufmerksamkeit. Ein alt eingesessener Teil fühlt sich bedroht, gemeinsame Interessen gibt es nicht mehr. Wer kann, der verlässt die Gegend, und destabilisiert die Destabilisierten.

Für die Sünden des Wohnungsbaus der 70er Jahre sowie kriminelle Energie war die Hochhaussiedlung Im Heisenrath in Goldstein vor rund zehn Jahren ein besonders drastisches Beispiel. Fünf dieser Wohntürme im Eigentum der ABG Frankfurt Holding sind mittlerweile saniert. Das einstige "Krisenhaus", die Nummer 1, erscheint jetzt, gehalten in zarten Blautönen, beinahe elegant.

Der neue helle Eingang mit Conciergeloge könnte auch zu einem Hotel gehören. Die noch höheren Türme in der Nachbarschaft sind mit gelber und roter Farbe markiert, die Eingänge mit farblich passenden Mosaiksteinen verkleidet. Außenanlagen und Spielplätze sind neu gestaltet.

Eine Sanierung hat die andere mitgezogen

Wie sehr die Siedlung gewonnen hat, zeigt der Kontrast. Die schmutzig-graue Hausnummer zehn, die einer anderen Wohnungsgesellschaft gehört, ist noch nicht saniert. Sie steht aber an. Eine Sanierung hat die andere mitgezogen. ABG-Chef Frank Junker sagt unumwunden. "Der Heisenrath war ein klassischer sozialer Brennpunkt." Seit der Sanierung hätte die Gewalt gegen Sachen, fast ganz aufgehört. Die "soziale Kontrolle", die die Concierges in den Hochhaus-Eingängen ausübten, zeigten deutlich Wirkung aufs gedeihliche Miteinander.

Ein Gemeinschaftsgefühl der Mieter sei neu entstanden, gemeinsam würden die Anlagen geschützt. "Es ist nicht der Lerchesberg, aber keiner schämt sich hier zu wohnen", sagt Junker.

Eine unrühmliche jüngere Vergangenheit hat die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim. Zwischen grauen Betonmauern, verkümmerten Ladenzeilen und vermülltem Immergrün ist es zu so vielen Übergriffen gekommen, dass die Polizei der Lage nicht mehr Herr wurde. Hier hat die ABG Wachdienste mit Hunden Streife laufen lassen müssen, mittlerweile ist es wesentlich ruhiger, aber noch nicht gut.

Die Zukunft sieht besser aus. Das Quartier soll zu einer viel beachteten "Modellsiedlung" werden. Mit dem Büro Speer und Partner wird an einem Konzept gearbeitet, wie aus dieser Bausünde ein modernes, lebenswertes und geliebtes Viertel werden könnte.

Autor:  JUTTA OCHS
Datum:  25 | 11 | 2008
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