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"Energieeffiziente Stadt" : Wolfhagen will eigenen Strom

Das nordhessische Städtchen Wolfhagen will beim Thema erneuerbare Energien bundesweit an die Spitze vorstoßen. Umweltministerin Lucia Puttrich lobt das Energiekonzept als „zukunftsweisend“.

        

Ein geplanter Windpark wird von Umweltschützern bekämpft.
Ein geplanter Windpark wird von Umweltschützern bekämpft.
Foto: Rolf Oeser

Wolfhagen, ein Fachwerkort mit 13000 Einwohnern westlich von Kassel, möchte in fünf Jahren den gesamten Strombedarf seiner Bürger und Gewerbebetriebe selbst decken – mit grünem Strom, der an Ort und Stelle erzeugt wird. Bis zum Jahr 2030 soll die Stadt eine ausgeglichene CO2-Bilanz vorlegen, Gebäudeheizung und Verkehr eingeschlossen.

Das Vorhaben findet bereits höchste Anerkennung. Von einem „zukunftsweisenden Projekt“ sprach Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) anlässlich eines Besuchs. „Der Ausbau erneuerbarer Energien kann nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen – Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kommunen“, sagte Puttrich.

Energie der Zukunft
Ein altes Windrad aus Metall dreht sich vor wolkenverhangenem Himmel im Wind. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Woher soll der Strom kommen - aus Atomkraft oder Solarstrom aus der Wüste? Windenergie von der Nordsee? Oder Gas aus Russland? Nachlesen und Mitreden

Das Bundesforschungsministerium kürte Wolfhagen jüngst zu einem der fünf Preisträger im Wettbewerb „Energieeffiziente Stadt“. Außerdem siegten Delitzsch (Sachsen), Essen, Magdeburg und Stuttgart.

In den nächsten fünf Jahren können die Nordhessen vom Bund bis zu eine Million Euro beantragen, um zusammen mit wissenschaftlichen Partnern wie dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik die Ansätze weiter voranzutreiben und in der Praxis zu erproben. So will man etwa die Rolle ausloten, die Elektroautos künftig im ländlichen Raum spielen könnten. Neue Techniken zur Wärmedämmung und energetischen Sanierung von historischen Gebäuden sollen entwickelt werden.

Der Weg zur klimaneutralen Kommune könne nur über das Einsparen von Energie führen, so Bürgermeister Reinhard Schaake. „Es geht darum, das alte Fachwerk so zu gestalten, dass es Freude macht, darin zu wohnen und es bezahlbar bleibt.“ Weil das nur funktionieren kann, wenn die Bevölkerung mitzieht, sind Bürgerbeteiligung und Information eine wichtige Säule des Wolfhagener Konzepts: „Es fängt in den Köpfen an“, sagt der parteilose Rathauschef. „Unser Motto ist: Energie sparen, Geld sparen und dabei besser leben.“

Am weitesten gediehen sind die Pläne für das erste Ziel: Die Stromversorgung soll komplett auf erneuerbare Energien, gewonnen aus eigenen Solar-, Windkraft- und Biomasseanlagen, umgestellt werden. Das lokale Stromnetz haben die Stadtwerke Wolfhagen bereits 2006 dem Energiekonzern Eon abgekauft. Schon heute kämen 15 Prozent des Stroms aus Sonnenenergie, verkündet Schaake stolz. Im Bundesdurchschnitt war es 2009 gerade einmal ein Prozent.

Herzstück des Energiekonzepts ist ein „Bürgerwindpark“ – finanziert über Anteile, die von Einwohnern erworben werden können. Fünf Windräder, jeweils 180 Meter hoch, sollen ausreichen, zwei Drittel des örtlichen Strombedarfs zu decken.

Diese zentrale Idee wird freilich von unerwarteter Seite abgelehnt: Ausgerechnet Umweltschützer machen gegen das Konzept mobil. Eine Bürgerinitiative will die Riesenwindräder, die mitten im Wald auf einem Berg errichtet werden sollen, unbedingt verhindern und kritisiert das Vorhaben als „ökologisch verschleiertes Profitdenken“ und „eine der größten Landschaftsverschandelungen und Naturzerstörungen der letzten Jahrzehnte im Wolfhager Land“.

Auch der Naturschutzbund (Nabu) Hessen spricht von einer Fehlplanung: „Es kann nicht sein, dass Windkraftanlagen vermehrt in Gebieten aufgestellt werden, die für den Schutz von Schwarzstorch, Rotmilan und Fledermäusen von großer Bedeutung sind“, sagt Landesgeschäftsführer Hartmut Mai. Die biologische Vielfalt dürfe dem zweifellos unverzichtbaren Ausbau erneuerbarer Energien nicht geopfert werden.( dapd)

Datum:  17 | 10 | 2010
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