Bei dem Festakt in Darmstadt wies er am Mittwoch auf den Beitrag Polens zur Erlangung der deutschen Einheit hin. Im Beisein des polnischen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski sagte Wulff, jetzt sei es die gemeinsame Aufgabe von Polen und Deutschen, die Mission des Zusammenwachsen Europas auch nach Osten fortzuführen.
Wulff kündigte an, er werde zum 40. Jahrestag des historischen Kniefalls von Willy Brandt vor dem Ghetto-Denkmal in Warschau in die polnische Hauptstadt reisen. Er werde am 7. Dezember gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten dieses „besondere Ereignis“ würdigen. „Die Vollendung der Aussöhnung mit Polen bleibt eine historische Aufgabe, der ich mich persönlich verpflichtet sehe“, hob Wulff hervor.
In Darmstadt wurde im März 1980 als Gemeinschaftsgründung der Stadt, der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie des Bundes das Deutsche Polen-Institut ins Leben gerufen. Das Institut ist Forschungs-, Informations- und Veranstaltungszentrum. Zuständig ist es für polnische Kultur, Politik und Gesellschaft sowie die deutsch-polnischen Beziehungen, die sich mit der europäischen Integration entwickeln.
Das Institut soll zur Vertiefung der gegenseitigen Kenntnisse des kulturellen, geistigen und gesellschaftlichen Lebens von Polen und Deutschen beitragen. Zu den konkreten Aufgaben zählt etwa die Vernetzung der Forschung zu Polen an den verschiedenen Fachbereichen der deutschen Hochschulen. Im vergangenen Jahr brachte das Institut aber auch das erste Lehrwerk für Polnisch als Fremdsprache an der Oberstufe deutscher Schulen heraus.
In Zusammenarbeit mit der Universität Bremen gibt es seit einigen Jahren die Polen-Analysen heraus.
An der Spitze des Instituts steht seit 1999 der Politik- und Sozialwissenschaftler Dieter Bingen. Er folgte dem Gründungsdirektor Karl Dedecius, der als bester Übersetzer polnischer Literatur in Deutschland gilt und in Kooperation des Instituts mit dem Suhrkamp-Verlag eine 50 Bände umfassende „Polnische Bibliothek“ herausbrachte.
Zurzeit ist das Institut noch in zwei Villen auf der Darmstädter Mathildenhöhe untergebracht. Es soll aber wegen dort recht beengten Verhältnisse in absehbarer Zeit in größere Räumlichkeiten am Residenzschloss im Bereich der TU Darmstadt umziehen. (dapd)
Der SPD-Politiker Willy Brandt hatte am 7. Dezember 1970 als Bundeskanzler vor dem Ehrenmal der Helden des Aufstands im Warschauer Ghetto einen Kranz niedergelegt, danach kniete er schweigend nieder. Die überraschende Geste wurde international als Bitte der Vergebung für die deutschen Kriegsverbrechen gewertet. Sie bildete den Auftakt für die auf Entspannung ausgerichtete Ostpolitik.
Wichtige Rolle in der EU
Wulff hatte Polen nach seinem Amtsantritt als Bundespräsident als eines der ersten Länder besucht. In Darmstadt kündigte der Bundespräsident für das kommende Jahr mehrere deutsch-polnische Treffen an. Er habe sich eine Menge vorgenommen für die deutsch-polnischen Beziehungen, weil diese auch auf europäischer Ebene eine große Rolle spielen würden, sagte Wulff. Polen übernimmt im zweiten Halbjahr 2011 die rotierende EU-Ratspräsidentschaft.
Wulff würdigte vor den 1.000 Gästen des Festakts in Darmstadt die Verdienste des Deutschen Polen-Instituts beim Zusammenwachsen beider Völker. Besonders lobte er das vor einiger Zeit herausgegebene Lehrwerk für Polnisch an der Oberstufe deutscher Gymnasien.
Er plädierte für mehr Unterricht mit Polnisch als Fremdsprache in Deutschland. Zugleich empfahl Wulff in seinem schriftlich verbreiteten Redemanuskript gemeinsame deutsch-polnische Kindergärten im Grenzgebiet beider Länder.
An der Feier in Darmstadt nahmen auch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Cornelia Pieper, und der polnische Deutschland-Beauftragte Wladyslaw Bartoszewski teil. (dpa/afp/dapd)

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