Der Unternehmer Reinfried Pohl drückt seine Verbundenheit gerne in Zahlen aus. Als etwa der Wegzug der Deutschen Börse nach Eschborn die Stadt Frankfurt vor einiger Zeit in tiefe Selbstzweifel stürzte, da bekannte sich der Chef der Deutschen Vermögensberatung demonstrativ zum Standort und ließ vor dem Firmensitz für eine sechsstellige Summe den Gehweg sanieren und Fahrradständer aufstellen. Das könnte Marburg nun auch. Pohl ist der Stadt sehr verbunden.
Kurz nach Weihnachten hat er das in vier Millionen Euro ausgedrückt. Die zunächst ausdrücklich anonyme Spende war in der vergangenen Woche bekannt geworden, ganz Marburg freute sich, auch wenn die ersten es wohl schon geahnt haben werden: Am Freitagabend bekannte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD)im Stadtparlament überraschend, dass es sich beim anonymen Spender um Pohl handelte. Seither hat die Stadt ihre eigene kleine Wulff-Debatte über die Einflussnahme von Unternehmern auf Politiker.
Vaupel muss die Brisanz des Unterfangens geahnt haben, immerhin klärte er die Abwicklung der Spende mit dem reichen Gönner auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung um einen Bundespräsidenten im Geflecht von Politik, Wirtschaft und eben solchen Gönnern. Die Opposition im Marburger Parlament, aber auch die mitregierenden Grünen fühlen sich übergangen, es geht nun um Bedingungen, an die die Spende geknüpft sein könnte und vor allem darum, ob Pohl mit ihr und Vaupels Segen ganz gezielt einen von ihm gewünschten Aufzug hinauf zum Landgrafenschloss vorantreibt. Die Grünen jedenfalls stimmten für einen Antrag auf dringliche Aufklärung. Seither knirscht es in der Koalition.
Mit der DVAG zum Milliardär
Pohl, 83, wird das alles mit der Gelassenheit desjenigen ertragen, der in solchen Fragen über größte Erfahrung verfügt: er kennt sich aus im Geflecht. Seine 1976 gegründete Deutsche Vermögensberatung (DVAG) geriet bald in den Ruch unlauterer Praktiken von Drückerkolonnen, doch mit ihr wurde Pohl zum Milliardär. Als Randfigur im CDU-Spendenskandal musste er sich des Vorwurfs erwehren, mit sechstelligen Spenden an die Partei ein Gesetz gegen den überteuerten Abschluss von Lebensversicherungen an der Haustür verhindert zu haben. Ein vom damals SPD-dominierten Bundesrat vorgelegter Entwurf scheiterte 1998 an den Stimmen von der CDU im Bundestag.
Als Altkanzler und DVAG-Aufsichtsrat Helmut Kohl 2001 von der Marburger Universität trotz Spendenskandals einen von Pohl gespendeten Preis erhalten sollte, witterten viele, der Unternehmer habe das mit weiteren Spenden an die Hochschule erkauft. Pohl ist erklärter Kohl-Freund, seine CDU-Mitgliedschaft lässt er wegen des Umgangs mit dem Altkanzler ruhen. Aber auch die FDP profitierte 2010 von Pohl-Spenden, just in dem Moment, da die Koalition um eine Verschärfung des Anlegerschutzes rang.
Ungeachtet dessen ist Pohl vom Marburger OB Vaupel zum Ehrenbürger und vom einstigen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) zum Ehrenprofessor ernannt worden. Kritik, er habe das mit Spenden erkauft, gab es immer. Am Ende verhallte sie immer.

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