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Wut aus 30 Jahren: Iraner protestieren in Frankfurt

Hunderte Iraner demonstrieren in Frankfurt für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Heimat. Von Boris Schlepper

Hunderte Iraner demonstrieren am 20. Juni 2009 in Frankfurt für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Heimat.
Hunderte Iraner demonstrieren am 20. Juni 2009 in Frankfurt für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Heimat.
Foto: iran

Gleich mehrere Gruppierungen iranischer Regierungsgegner sind am Samstag in Frankfurt auf die Straße gegangen. 450 Teilnehmer trafen sich zur größten Demonstration vor dem Hessischen Rundfunk an der Bertramswiese.

Aufgerufen hatten die Arbeiter-Sozialistische Aktivisten Frankfurt/Mainz. Am Nachmittag versammelten sich rund 400 iranische Studenten in der Innenstadt und rund 40 Schahanhänger am Konsulat. Sämtliche Demonstrationen verliefen nach Angaben der Polizei friedlich.

Außer den Sozialisten fanden sich vor dem Sender auch Anhänger des Oppositionellen Mir Hossein Mussawi ein. "Freiheit für alle politischen Gefangenen im Iran!" und "Nieder mit der islamischen Republik!" skandierend zogen sie über die Adickesallee zum iranischen Generalkonsulat in der Raimundstraße im Dornbusch.

"Das iranische Regime ist eine Diktatur", sagte die Frankfurter Pädagogin Afsaneh P. Den Menschen würden die einfachsten Rechte vorenthalten. "Sie werden verfolgt, inhaftiert und erschlagen." Von Bekannten in Teheran habe sie von einem Angriff der Sicherheitskräfte auf ein Studentinnenheim gehört. "Da wurden Dutzende verletzt, einige sogar getötet." Dabei hätten die Studentinnen nicht einmal demonstriert.

Auf Tafeln und Plakaten zeigten Demonstranten Fotos von Verletzten, Toten und von Übergriffen der Miliz. Viele Teilnehmer trugen rote Bändchen als sozialistisches Zeichen. Andere hatten grüne Tücher, das Symbol Mussawis. Dass sich an der Demonstration Anhänger verschiedener politischer Richtungen beteiligten, sei kein Problem, sagte Afsaneh P.: "Uns eint der Kampf für die Freiheit der politischen Gefangenen und für Gerechtigkeit im Iran."

Für den in Frankfurt lebenden Exiliraner, der aus Sorge um seine Familie im Iran keinen Namen nennen möchte, ist es offensichtlich, dass die Präsidentenwahl manipuliert wurde. Doch Neuwahlen brächten nichts, "erst muss das Regime gestürzt werden". Das Ende der Regierung in Teheran "ist die einzige Möglichkeit, Freiheit zu erhalten". Der Iran müsse endlich demokratisch werden, "dass die Menschen keine Furcht mehr haben müssen".

Durch Neuwahlen komme höchstens Mussawi an die Macht, den er ablehne, da dieser Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei nach seiner Drohrede an alle Regimekritiker am vergangenen Freitag unterstützt habe. Das sieht Mussawi-Anhänger Babak anders, der mit einem grünen Schal zum Konsulat zieht. Auch er sei gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. "Aber man muss schrittweise in die richtige Richtung gehen." Mussawi habe diesen Weg eingeschlagen.

Dabei kann der Frankfurter die Menschen verstehen, die den Sturz fordern: "Das ist Wut, die in 30 Jahren angesammelt worden ist." Er ist überzeugt, dass im Iran "die Revolution bereits in der Luft liegt". Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Menschen ihre Angst verlören und ausreichend Selbstvertrauen gewännen.

An den Iranische Präsidentschaftswahlen am 12. Juni haben sich in Frankfurt 2224 Iraner beteiligt. 1818 gaben Mussawi ihre Stimme, 290 Ahmadinedschad. Mehdi Karroubi erhielt 88, Mohsen Rezai 18 Stimmen.

Autor:  Boris Schlepper
Datum:  21 | 6 | 2009
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