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Zivildienst in Afrika: Ein Jahr in Nairobi - nicht ohne Eintracht-Sehnsucht

Jakob Heuke möchte ein Stück die Welt verbessern. Dafür reist der Zivildienstleistende aus Frankfurt nun nach Kenia und arbeitet dort in einer Grundschule, die dringend Geld braucht. Von Lia Venn

Jakob Heuke aus Frankfurt leistet seinen Zivildienst dank dem Programm Weltwärts in Kenia (Afrika).
Jakob Heuke aus Frankfurt leistet seinen Zivildienst dank dem Programm "Weltwärts" in Kenia (Afrika).
Foto: Privat

Jakob Heuke möchte die Welt verbessern. Aber darüber redet er nicht, sondern hat den Rucksack gepackt - und ab nach Kenia. Ein Land, dem die Frankfurter Rundschau durch das "Nahaufnahme"-Projekt des Goethe-Instituts ja verbunden ist.

Jakob Heuke möchte die Welt verbessern und hat nach seinem Abitur an der Elisabethenschule entschieden, seinen Zivildienst in Afrika, nahe der kenianischen Hauptstadt Nairobi, zu absolvieren. Der frühere Schulsprecher ist über "Weltwärts", den neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nach Kenia gekommen, organisiert vom Verein für internationalen und interkulturellen Austausch.

Spendenadresse:

VIA e.V., Kontonummer 57050627, Bankleitzahl 24050110, Sparkasse Lüneburg, Betreff: "Spende Kenia"; (Für eine Spendenquittung sollte die Adresse im Überweisungskommentar stehen.)

Mehr über das Kenia-Projekt

"Ich wollte erfahren, was ich in meiner Zukunft machen möchte, wollte Entwicklungszusammenarbeit kennenlernen und etwas von meiner Kindheit zurückgeben", begründet Heuke das. "Mal was machen nach dem langen Reden." Ein Jahr Afrika, das geht nicht ohne Sehnsucht nach Zuhause. "Viele Dinge fehlen mir auch. Die Eintracht, Sicherheit im Dunkeln, Strom und vor allem meine Freundin", schreibt der 19-Jährige in einer E-Mail.

In Kenia arbeitet Jakob Heuke in einem Waisenhaus und einer Grundschule, die zurzeit auschließlich von Freiwilligen geleitet und finanziert wird. Angestoßen wurde das Projekt ursprünglich von einer Großfamilie aus dem nairobischen Slum Kibera. "Wir kümmern uns in dem Projekt seit September 2009 um bisher 15 Kinder, das ist alles noch in der Aufbauphase." Drei feste Freiwillige und zwei Kenianer unterrichten die Kinder und geben Nachhilfe. "Uns fehlt hier vor allem ein Sozialarbeiter", schreibt Jakob Heuke. Die Kinder sind zwischen sechs und 15 Jahren jung, sind fast ausschließlich Massai, die vor Zwangsheirat oder Beschneidung oder aus dem Slums in Nairobi geflohen sind und sonst nicht zur Schule gehen könnten. Obwohl einige der Eltern an HIV gestorben sind und auch einige Kinder vergewaltigt wurden, sind "wie durch ein Wunder" alle Kinder HIV-negativ, wie der Frankfurter aus Afrika berichtet.

Bislang arbeiten nur allein Freiwillige in dem Großprojekt

Jakob Heuke möchte die Welt verbessern und braucht dafür Hilfe. "Die Finanzierung hier läuft momentan fast ausschließlich über Freiwillige." Die Muttergesellschaft IADP (International Association of Development Professionals, Kenya) habe kaum Geld, es sei für die Kinder aber dringend nötig, einen Sozialarbeiter zu finden. "Wir haben immer noch keinen Sozialarbeiter, wohl aber Vergewaltigungsopfer, die mehr als nur Lern- und Freizeitbetreuung brauchen", schreibt Heuke dringlich und hofft auf Spenden aus Deutschland.

Dann beschreibt er das Schicksal von Ephy Atieno. Die Neunjährige besucht die zweite Klasse und lacht viel, sie kommt aus einem Slum, die Eltern sind tot. Der Stiefvater schlug sie, vergewaltigte sie, die Übergriffe hörten erst auf, als auch er an Aids starb.

Obwohl sie äußerlich sehr fröhlich sei, fehle eine kenianische ausgebildete Fachkraft, mit der Kinder wie Ephy ihre Vergangenheit aufarbeiten können. "Sie macht noch regelmäßig ins Bett. Ihre Hoffnung ist, später Arzt zu werden." Jakob Heuke möchte die Welt verbessern. Allein schafft er das nicht.

Autor:  Lia Venn
Datum:  18 | 3 | 2010
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