Tierischer Sonnenschein - trotzdem strömen am Mittwoch Menschen so zahlreich ins Zoogesellschaftshaus wie Strahlen vom Himmel. Zoodirektor Manfred Niekisch beginnt eine Vortragsreihe, die bis Dezember etwa über Wildkatzen in der Rhön, Darwin in Südamerika, Spottdrosseln auf Galapagos und Tierbeschäftigung im Frankfurter Zoo informiert.
Niekisch fasst nach dem Jubiläumsjahr 2008 nochmal die 150-jährige Zoo-Geschichte zusammen und lässt - natürlich - Bernhard Grzimek nicht aus, der in diesem Jahr 100 geworden wäre. Niekischs Vortrag lassen auch seine Mitarbeiter nicht aus: Im rappelvollen Saal sitzen Borgoriwald-Meister Carsten Knott, Zootierärztin Christina Geiger, Klaus Kallenbach von der Zoopädagogik, weitere Tierpfleger sowie Erdferkelfan und Kurator Thomas Willms. Aber auch Christoph Schenck von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt ist da und Andrea Mittelstät vom Senckenbergmuseum. Frankfurts Zoogesellschaft trifft sich im Zoogesellschaftshaus - so ist das gedacht, so passt das.
Der nächste Vortrag von Zoo und Zoologischer Gesellschaft am Mittwoch, 6. Mai, 18 Uhr, geht um die Wildkatze in der Rhön.
Zuhören kostet nichts.
Niekisch fragt erstmal, ob Grzimek denn nach 100 Jahren noch aktuell sei. Da schmunzeln schon alle, weil: Das ist ja keine Frage. Er zitiert Grzimeks Kameramann für viele Jahre, Alan Root, der bei der Grabrede gesagt habe: "Grzimeks Träume sind nicht mit ihm gestorben, es sind unsere Träume geworden." So sei es auch mit dem Zoo, den Bernhard Grzimek nach dem Krieg wiederaufbaute und bis 1974 führte. Grzimeks Träume für seinen Zoo lebten und leben in den ihm nachfolgenden Zoodirektoren weiter, ebenso wie sein Pioniergeist.
Wohl wahr. Grzimek hatte damals unter anderem erstmals Scheiben statt Gitter für Tiergehege verwendet und das "Frankfurter System" entwickelt, das sich längst weltweit durchgesetzt hat. "Er installierte einen Schieber zwischen Innen- und Außengehege", sagt Niekisch begeistert, "seitdem können die Tiere selbst entscheiden, ob sie raus wollen oder nicht." Die jüngste Pionierarbeit des Frankfurter Zoos war der Umzug der Menschenaffen in den Borgoriwald - auf ihren eigenen Beinen, also ohne Narkose, durch eigens gebaute Käfiggänge zwischen altem und neuem Haus. Grzimek hätte seine helle Freude dran gehabt, lässt sich behaupten.
Und Niekisch, wie sein Publikum, hat seinen Spaß, als er sich - ausgewiesener Amphibienfreund der er ist - an die Froschschenkel-Aktion mit Grzimek erinnert, die sie in ihrer gemeinsamen Zeit beim WWF los traten. "Ich hatte große Aufkleber im Sinn mit dem Spruch: ,Lasst den Fröschen ihre Schenkel'." Grzimek habe gesagt: "Ach was, da machen wir ganz kleine und kleben die in alle Speisekarten." So haben's die beiden gemacht. Der Saal feixt.
Der Zoodirektor stellt noch die Zukunftspläne für den Zoo vor, dann ist es aber Zeit für Fragen aus dem Publikum. Eine geht so: "Kann man denn den Nilpferdfreunden Hoffnung machen, dass ihre Lieblinge in Zukunft besser untergebracht werden?" Niekisch tröstet: "Nicht nur Hoffnung, wir planen eine Afrikaanlage, die groß genug ist, um die Tiere in ihren natürlichen Lebensgemeinschaften zu zeigen, auch die Flusspferde. Das dauert aber noch ein bisschen." Die beengten Zustände im Flusspferdhaus seien ja in der Presse bereits angeprangert worden. Ihm sei das recht, "so entsteht auch Ruck". Doch die Flusspferdunterkunft habe offenbar auch gute Seiten: "Der Präsident der Musikhochschule kam mal auf mich zu und schwärmte sehr von der Anlage, denn: sie habe so eine tolle Akustik."
Ein anderer Zoofreund teilt mit: "Was ich in den Vogelhallen ja vermisse, sind große Papageien." Die zu halten sei indes schwierig, sagt Niekisch, "weil sie viel Platz und viel kaputt machen". Ja und die Affen im Borgoriwald? Wann die denn mal endlich raus dürften. "Das ändert sich leider immer wieder", sagt Niekisch. Eigentlich sei die Anlage fast fertig, "nur der Graben noch nicht, der die Gorillas davon abhalten soll, auch den Rest von Frankfurt zu erkunden". Da hat der Mensch natürlich Verständnis, auch wenn er die Gorillas liebt. Eine gewisse Distanz tut jeder Beziehung gut.

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