kalaydo.de Anzeigen

Zurück aus Harvard

Die Volkswirtin Nicola Fuchs-Schündeln ist von der Elite-Uni an den Main gewechselt

Schätzt die Internationalität: Nicola Fuchs-Schündeln.
Schätzt die Internationalität: Nicola Fuchs-Schündeln.
Foto: Christoph Boeckheler

Von ihrem Büro aus blickt sie auf die große Rasenfläche des Campus Westend, das elegante Wasserbecken und die ersten grünen Blätter an den alten Bäumen direkt vor ihrem Fenster. Ihr Arbeitszimmer im House of Finance ist vom Feinsten: Technik und Möblierung, alles neuester Stand. "Vom Büro her habe ich mich echt verbessert", lacht sie. An ihrer alten Universität funktionierte im Winter die Heizung nicht immer und zuweilen zog es durch die Fenster. Und ihre alte Hochschule war nicht irgendeine, das war immerhin die amerikanische Eliteuni Harvard. Die hat die Volkswirtin Nicola Fuchs-Schündeln verlassen für einen Ruf an die Frankfurter Goethe-Universität. Seit Sommer 2009 lehrt und forscht die Professorin für Makroökonomie und Entwicklung am Exzellenzschwerpunkt "Herausbildung normativer Ordnungen".

Von Harvard an den Main? Meist ist der Weg andersherum. Die Frage nach dem Warum hat die 37-jährige Mutter dreier Kinder oft gehört. "Harvard war schön. Ich wollte da auch nicht unbedingt weg. Doch an den deutschen Unis tut sich sehr viel. Da ist Schwung und Bewegung. Daran wollte ich teilhaben und mitwirken". Fünf Jahre lang lehrte die gebürtige Essenerin an der amerikanischen Elite-Schmiede. Harvard wollte sie behalten, ihre Vorgesetzten loben sie als eine "außergewöhnlich schlaue Volkswirtin", die wie kaum eine andere mit Zahlen kreativ Fragen beantworten könne. In Deutschland buhlten gleich vier Universitäten um ihre Gunst: Köln, Kiel, Berlin und Frankfurt. Die Goethe-Uni machte das Rennen. So viel Aufmerksamkeit sei schmeichelhaft, als "Star" fühlt sie sich nicht. "Es gibt viele gute Ökonomen in Deutschland", sagt sie. Die Internationalität, sagt Fuchs-Schündeln, habe sie an amerikanischen Unis faziniert. Und die gebe es auch in Frankfurt. "Das und die gute Doktoranden-Ausbildung waren ein Grund für mein Kommen". Eigentlich hat die Goethe-Universität gleich zwei Forscher bekommen. Nicola Fuchs-Schündeln gibt es stets im Doppelpack. Ihr Mann Matthias Schündeln ist auch Volkswirt und lehrt in Frankfurt jetzt Entwicklungsökonomie. "Wir bewerben uns immer nur zusammen", sagt die 37-Jährige. Beim Studium in Köln lernten sich die beiden kennen. In Yale/USA haben beide promoviert, gemeinsam waren sie auch in Havard. Zehn Jahre hat das Paar in Amerika gelebt. In Harvard sei es schwerer sich als Ausländer in politische Debatten einzubringen.

"In seinem Heimatland hat man da mehr Möglichkeiten und wird auch mehr wahrgenommen Ich habe mich in den USA immer wohlgefühlt, aber eher wie eine Besucherin", sagt sie. Vielleicht liege das einfach an der Prägung, die sie als Kind erfahren habe. Genau damit beschäftigt sich die Ökonomin auch in ihrer Forschung - welche Rolle etwa die Prägung von Menschen bei der Herausbildung ökonomischer Präferenzen spielt. So hat sie etwa vergleichend in den USA und Europa die Einstellung der Menschen zum Sozialstaat untersucht. Zum Beispiel der Aufbau eines Gesundheitssystem: Teile der US-Amerikaner begreifen diesen Eingriff des Staates schon als "Sozialismus", während "amerikanische Verhältnisse bei uns als das Schreckgespenst gelten", sagt Fuchs-Schündeln.

Woher kommt das und welchen Einfluss hat das politische oder wirtschaftliche System auf Leben und Einstellung der Menschen? Die Volkswirtin hat sich die Ost- und die Westdeutschen anhand von Daten regelmäßiger Haushaltsbefragungen genauer angesehen. Nach wie vor, sagt sie, forderten etwa ältere Ostdeutsche mehr Fürsorge und die Übernahme von Aufgaben durch den Staat. Fuchs-Schündeln spricht vom "bleibenden Effekt des Kommunismus". Bei Jüngeren lasse dieser zusehends nach. Kein wirklich überraschendes Ergebnis, "doch es hätte genausogut sein können, dass gerade durch diese lange Prägung die Menschen die Einflussnahme des Staates heute ablehnen." Begonnen hat sie auch ein Forschungsprojekt über das Arbeitsangebotsverhalten von Frauen weltweit sowie in Ost- und Westdeutschland. In den USA oder auch in Skandinavien etwa arbeiten viel mehr Mütter als hierzulande, und das auch Vollzeit. Fuchs-Schündeln will anhand von sozialen und ökonomischen Daten die Gründe erkunden.

"Liegt es an der gesellschaftlichen Prägung, an fehlenden Betreuungsplätzen oder schlicht am Steuersystem?", fragt sie. Für ihre eigenen Kinder, sechs, drei und ein Jahr alt, hat die Professorin unterdessen auch Schul- und Betreuungsplätze gefunden. Die Familie lebt in Preungesheim. Den Umzug von Harvard an den Main haben sie bisher nicht bereut.

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  27 | 4 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 31 Staus mit einer Gesamtlänge von 92km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".