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Zweites Abi

Im Frankfurter Studienkolleg erwerben Ausländer die deutsche Hochschulreife

Nixon. Wie der Präsident", erklärt Nixon Simeon (28) aus Haiti die Schreibweise seines Namens . Er ist schon seit fünf Jahren in Deutschland, und während dieser Zeit nicht einmal in seiner Heimat gewesen: Der Flug nach Hause ist zu teuer. Doch die Hoffnung, eines Tages seine Heimatinsel wieder zu betreten, verlässt ihn nicht. Zuvor will Nixon aber Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurter Goethe-Universität studieren. Nach dem Studium will er hier ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln, um sie danach in Haiti umzusetzen. Nixon schließt nicht aus, dass er später in Haiti in die Politik geht. Auf jeden Fall will er sich bemühen, dank seiner Kenntnisse und Erfahrungen Armut in seinem Heimatland zu bekämpfen. "Es gibt vieles in Haiti zu reformieren. Ich würde zum Beispiel unter anderem das Jugendschutzgesetz ändern", erläutert der Mann.

Der Traum vom BWL-Studium

Nixon Simeon ist einer der großen Gruppe an jungen Leuten aus rund 60 Nationen, die in diesem Sommer Kurse am Studienkolleg belegen. Die Idee des Studienkollegs ist über 45 Jahre alt. Es gibt rund 40 solcher Einrichtungen bundesweit. Das Angebot richtet sich an ausländische Studienbewerber, die kein deutsches Abitur haben. Der zweisemestrige Kurs ermöglicht ihnen den Hochschulzugang in Deutschland. Gymnasiallehrer unterrichten die Bewerber in Deutsch, Mathe, Chemie, Physik und anderen grundlegenden Fächern. "Wir wollen Generalisten ins Studium bringen", erklärt Mattheus Wollert, Direktor des Frankfurter Studienkollegs und selbst Deutschlehrer. Nachdem die Absolventen eine fachgebundene Hochschulreife in der Tasche haben, können sie sich an jeder deutschen Hochschule einschreiben.

Giang Dao (21) aus Vietnam hat das fest vor. Die junge Frau ist zurzeit im zweiten, so genannten "F-Semester" (für Fortgeschrittene) beim Studienkolleg. Ihre Feststellungsprüfung steht kurz bevor. Giang ist optimistisch: Sie hatte durchgehend gute Noten und ist sicher, dass sie den Abschluss schafft. Danach will sie Wirtschaftsrecht an der Frankfurter Fachhochschule studieren. "Unsere Absolventen haben keine Probleme in der Alltagssprache", sagt Gabriele Döring-Suchan, Literatur- und Deutschlehrerin am Kolleg. " Sie sind so gut vorbereitet, dass sie in den ersten Semestern den Uni-Seminaren ohne Verständnisprobleme folgen können", so Döring-Suchan. "Die Motivation und Disziplin sind bei den ausländischen Jugendlichen ganz hervorragend. Wir haben gar keine Probleme mit den Kollegiaten", lobt die Lehrerin. Ellen Determann, Deutsch- und Biolehrerin, früher an einem Gymnasium und jetzt am Studienkolleg, bestätigt diese Einschätzung: "Die Jugend hier ist offen und neugierig. Ich habe kein Heimweh nach meinem ehemaligen Gymnasium."

Auch die künftigen Studierenden sind größtenteils zufinden. Sie beschreiben ihre Betreuer durch die Bank als aufmerksam, hilfsbereit und nett. "Wir haben guten Kontakt zu den Lehrern, sie kommen einem entgegen", freut sich Antonio Anic (19). Der Kroate besuchte als Kind drei Jahre lang eine Grundschule bei Hanau. Seine Familie war vor dem Bürgerkrieg geflüchtet. Dann verloren sie ihren Aufenthaltsstatus, und mussten zurück nach Kroatien. Bei Antonio hinterließ Frankfurt und seine Umgebung unvergessliche Eindrücke.

Er möchte nun unbedingt Jura studieren. Am Main.

Autor:  SVETLANA SAVINYKH
Datum:  26 | 8 | 2008
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