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Energieversorger HSE: Zweites Eigentor

Der südhessische Energieversorger HSE hat sich ein Logo verpassen lassen, das es schon gibt. Doch wie sich nun zeigt, wird auch der neue Slogan schon genutzt.

Der Auftritt der HSE ist weniger exklusiv als beabsichtigt – wer löst den Knoten?
Der Auftritt der HSE ist weniger exklusiv als beabsichtigt – wer löst den Knoten?
Foto: HSE

"Das Wort Logo“, sagt Dieter Weirich und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, „ist hier inzwischen semantisch negativ besetzt“. Frei übersetzt: Den Begriff kann man in der Konzernzentrale des südhessischen Energieversorgers HSE, dessen Sprecher Weirich ist, offensichtlich nicht mehr hören.

Das ist nicht überraschend. Schließlich musste die HSE in den vergangenen Wochen viel dazu sagen. Denn der Energieversorger hatte sich, wie die FR aufdeckte, für eine erkleckliche Summe ein Logo verpassen lassen, das es genau so bereits gibt. Zahlreiche Zeitungen, auch aus dem Ausland, hatten sich auf den FR-Bericht hin ebenfalls des Themas angenommen und über die „Logo-Panne“ berichtet.

Rückblick: Der Energieversorger, der zu den größten Anbietern von Ökostrom in Deutschland zählt, schmückt Geschäftsberichte, Firmenfahrzeuge, Briefe und Arbeitskleidung der Mitarbeiter seit kurzem mit dem neuen Logo: Die Buchstaben HSE, eingefasst in einen stilisierten roten Kreis. Dazu der Slogan „Das Ganze sehen“. Die international tätige Werbeagentur Jung von Matt hat Logo und Slogan entwickelt, 400.000 Euro habe der neue Auftritt laut HSE gekostet. 80.000 Euro wurden allein für das Logo veranschlagt. Dumm nur, dass die Hennigsdorfer Stahl Engineering GmbH nahe Berlin ein frappierend ähnliches Logo bereits seit 20 Jahren nutzt.

Hatte die HSE im Gespräch mit der FR zunächst abgewiegelt und davon gesprochen, „dass es immer wieder vorkommen kann, dass Logos sich ähneln“, zeigt sich der Energieversorger inzwischen konsequent: „Wir arbeiten in Zukunft nicht mehr mit der Werbeagentur zusammen“, betont Weirich. Außerdem zahle die HSE, die mehrheitlich der Stadt Darmstadt gehört, für das Pannen-Logo „nur noch die Hälfte“ – also 40.000 Euro. Die Agentur habe sich entschuldigt, zudem hätten sie „ihr erstes Eigentor“ – so nennt Weirich das doppelte Logo – selbst entdeckt. Bei nachträglichen Recherchen, als der Energielieferant bereits alles abgenickt hatte.

Doch damit nicht genug: Auf das „erste Eigentor“ folgte ein zweites. Denn nicht nur das Logo gibt es bereits. Auch der Slogan „Das Ganze sehen“ wird schon verwendet. Ein Unternehmen für Hausmeistertätigkeiten aus Saarbrücken nutzt diesen Werbespruch ebenso wie zahlreiche andere Firmen in verschiedenen Zusammenhängen. Herauszufinden über Internet-Suchmaschinen – mit einem Mausklick.

Konzern will Kurs halten

Diese Tatsache allerdings sieht Weirich recht entspannt: „Auf die Idee, das Ganze zu sehen, kommt man relativ schnell.“ Natürlich wäre es der HSE lieber, „wenn das Facility-Unternehmen den Spruch nicht hätte“. Dennoch: Man werde Logo und Spruch beibehalten. „Wir kommen dem Stahlbauunternehmen sowieso nicht in die Quere, da wir in einer völlig anderen Branche tätig sind.“ Außerdem koste es zu viel Geld, wenn sich der Energieversorger jetzt wieder einen neuen Auftritt zulegen würde.

Ein Rechtsstreit mit Jung von Matt oder der Hennigsdorfer Stahl Engineering GmbH sei nicht angestrebt. „Wir haben unser Logo schützen lassen, bei uns geht alles einen juristisch sauberen Weg“, betont Weirich. Bei der Stahlbaufirma, die ihr Logo nicht hat schützen lassen, wollte sich auf FR-Nachfrage erneut niemand äußern. Auch Jung von Matt äußert sich trotz mehrmaliger Nachfragen nicht. Für Dieter Weirich und die HSE ist das Thema jetzt „abgeschlossen“.

Autor:  Sonja Jordans
Datum:  2 | 9 | 2010
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