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Zwölf Stunden verschüttet: Retter befreien Höhlenforscher

Gerettet: Fast zwölf Stunden lang musste ein 46-Jähriger in einer Höhle im Westerwald ausharren. Er war unter einem Stein eingeklemmt. 100 Retter waren im Einsatz, um ihn zu befreien.

Neun Stunden nachdem ein Forscher in einer Höhle im Westerwald verschüttet worden war, konnten Bergungsexperten ihn am frühen Morgen befreien.
Neun Stunden nachdem ein Forscher in einer Höhle im Westerwald verschüttet worden war, konnten Bergungsexperten ihn am frühen Morgen befreien.
Foto: dpa

Breitscheid-Erdbach/Gießen. Der Höhlenforscher kriecht auf dem Bauch in den engen Durchgang, bleibt mit dem Ellbogen hängen und wird von einem herabstürzenden schweren Steinblock eingeklemmt. Erst fast zwölf Stunden später kann der 46-Jährige das Tropfsteinhöhlen-Labyrinth im Westerwald wieder verlassen - weitgehend unverletzt. "Er ist gesundheitlich in guter Verfassung, wurde aber zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht", teilt Polizeisprecher Willi Schwarz nach der Rettung des Verschütteten in Breitscheid-Erdbach am frühen Montagmorgen mit. Der Bürgermeister der Gemeinde mit rund 5500 Einwohnern, Roland Lay (parteilos), sprach erleichtert von "einem kleinen Wunder".

Spezialisten der Höhlenrettung aus dem fränkischen Bamberg und dem thüringischen Ilmenau waren am späten Sonntagabend an dem Unfallort eingetroffen und hatten den Vater zweier erwachsener Töchter mit Unterstützung von rund 100 Einsatzkräften befreit. Der etwa 100 Kilogramm schwere Steinbrocken hatte den erfahrenen Forscher in Hüfthöhe eingeklemmt, aber nicht verletzt. "Er lag halbschräg abgewinkelt in dem Spalt", berichtet Schwarz.

"Es ging weder vor noch zurück", ergänzt Ingo Dorsten, der zusammen mit zwei anderen Höhlenforschern direkt hinter dem 46-Jährigen in das Höhlensystem einsteigen wollte, um den schmalen Zugang zu einer vor erst rund drei Wochen entdeckten neuen "Halle" zu sichern. Dorsten und sein Kollege erforschen seit vielen Jahren für die Speläologische (höhlenkundliche) Arbeitsgemeinschaft Hessen ehrenamtlich das gut sechs Kilometer lange "Herbstlabyrinth", das als eines der bedeutendsten Tropfsteinhöhlensysteme in Deutschland gilt. Die erst im Mai eröffnete Schauhöhle des Systems hat die strukturschwache Region über Hessen hinaus bekanntgemacht und ihr einen Besucheransturm beschert.

"Das war der erste nennenswerte Unfall im gesamten Gebiet seit 30 Jahren", sagt Dorsten. "In der organisierten Höhlen-Forschung gibt es nur sehr wenige Unfälle." Die Retter konnten zwar mit dem Eingeschlossenen sprechen, kamen aber nicht an ihn heran. "Sie sahen nur seine Füße und Unterschenkel." Der 46-Jährige, der eigentlich als Gärtner in Gießen arbeitet, habe zwar außer einem Helm auch warme Fliesunterbekleidung getragen, drohte aber in der konstant nur neun Grad warmen Höhle völlig auszukühlen, berichten Schwarz und Dorsten. Die Helfer versorgten ihn mit einem Heizstrahler und Wärmflaschen sowie heißem Tee über einen Schlauch. "Man konnte ihm ja keinen Becher reichen", sagt Dorsten.

In stundenlanger Arbeit lösten die Fachleute das Gestein unter dem Eingeklemmten und entfernten es soweit, dass er sich nach oben in einen Höhlenraum befreien konnte. Von dort aus unterstützte er fast zwei Stunden die Rettungskräfte, bis diese ihm den Durchgang wieder frei machen konnten. Dafür wurden drei Steinbrocken, jeder etwa so groß wie eine Weinkiste, vorsichtig zerkleinert.

Der Verschüttete war "ein sehr erfahrener Hase", der schon seit rund zehn Jahren das Labyrinth erforsche, sagt Dorsten. Auch die Einsatzkräfte loben das besonnene Verhalten des 46-Jährigen während der langen Rettungsaktion. Der Stein, den er trotz aller Vorsicht vermutlich mit dem Ellbogen gelöst habe, sei nicht zu sehen gewesen, sagt Dorsten. Wie es mit der Erforschung des westlichen Teils des Höhlensystems weiter geht, war zunächst unklar. "Ob das nochmal betreten wird, ist jetzt völlig offen." (dpa)

Datum:  2 | 11 | 2009
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