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Rhön-Klinikum
Bundesweit einmalig war die Privatisierung des Uniklinikums Marburg-Gießen Anfang 2006. Die Rhön-Klinikum AG erwarb für 112 Millionen Euro einen Geschäftsanteil von 95 Prozent.

04. September 2015

Gießen/Marburg: Personal bei Rhön stöhnt

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Seit der Privatisierung ist die Uniklinik Gießen/Marburg immer wieder in den Schlagzeilen.  Foto: dpa

Führungskräfte der Rhön-Universitätsklinik schlagen Alarm. In einem Brandbrief bitten sie den Konzern darum, von den Plänen eines weiteren Stellenabbaus Abstand zu nehmen. Sie sehen die Sicherheit der Patienten gefährdet.

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Wieder schlagen führende Kräfte der privatisierten Rhön-Universitätsklinik wegen Personalmangels Alarm. Diesmal sind es 43 Vertreter von Stations- und Funktionsleitungen, die in einem Brandbrief an die Geschäftsleitung vor den Folgen warnen. „Wir erkennen zunehmend mehr Gefährdungssituationen für die uns anvertrauten Patienten“, heißt es in dem Schreiben an die Geschäftsführung, das der Frankfurter Rundschau vorliegt. „Wir tragen große Sorgen, dass durch die kontinuierliche Arbeitsverdichtung für das Pflegepersonal, vor allem für unsere Patienten, aber auch für unsere Mitarbeiter, ein gesundheitlicher Schaden entstehen könnte.“

In dem Brief bitten die Unterzeichner, von den Plänen eines weiteren Stellenabbaus Abstand zu nehmen und in jenen Bereichen und Stationen nachzubessern, in denen die Stellensituation „bereits besorgniserregend“ sei. Die Geschäftsführung trage nicht nur die wirtschaftliche Verantwortung, worauf sie immer wieder hinweise. Sondern auch die für die Patientensicherheit.

Das Schreiben setzt die Reihe von Brandbriefen fort, die seit der Privatisierung vor knapp zehn Jahren an Geschäftsleitung und Politik gingen. Im April 2011 etwa warnten neun Assistenzärzte vor einer „Gefährdung der Patientensicherheit“. Durch Personalmangel sei eine adäquate Versorgung der Schwerkranken in der neuen interdisziplinären Notaufnahme nicht gewährleistet.

Geschäftsleitung ist unbesorgt

Im März 2012 stellte die Konferenz der Universitäts-Klinikdirektoren in Gießen und Marburg das Geschäftsmodell des Rhön-Konzerns infrage, brachte eine Rückkehr in Landesbesitz ins Gespräch. Seit 2012 muss die Uniklinik ihre sämtlichen Investitionen selbst finanzieren, warnen sie darin. Dazu gehört auch die Verpflichtung, 30 Millionen Euro pro Jahr in Forschung und Lehre zu investieren. Die dafür insgesamt erforderlichen rund 40 Millionen Euro pro Jahr seien „nicht im Rahmen eines geordneten Betriebs einer Universitätsklinik zu erwirtschaften“, stellten sie fest.

Wie stets versucht auch jetzt die Geschäftsleitung, die Bedenken der Belegschaft zu zerstreuen. In mehreren Bereichen sei Personal aufgebaut worden, versichert Pressesprecher Frank Steibli. Es gebe zwar „einige vakante Stellen, insbesondere im Intensivbereich“. Die würden aber zum kommenden 1. Oktober besetzt mit 20 Kranken- und Kinderkrankenpflegern, die derzeit noch in Ausbildung seien. Zusätzliche Verstärkung komme von Poolmitarbeitern des DRK. Von Februar bis Ende August habe es 158 sogenannte Überlastungsanzeigen gegeben. Das ist der Fall, wenn Mitarbeiter ihre Arbeit nicht schaffen. Kein Grund, sich aufzuregen, meint Steibli: „Die Tendenz ist – auch im Vergleich zu anderen deutschen Uniklinika – sinkend.“

Unterdessen fordern die Beschäftigten in Marburg in einer Resolution eine „Standortsicherung“ und „vertretbare Arbeitsbedingungen“. Sie erneuern ihre Forderung an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), „aktiv“ mitzuwirken an der Sicherstellung von Patientenversorgung, Lehre und Forschung. Bouffier solle das Thema „zur Chefsache“ machen. Eine Anfrage an die Staatskanzlei blieb am Freitag unbeantwortet.

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