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Rhön-Klinikum
Bundesweit einmalig war die Privatisierung des Uniklinikums Marburg-Gießen Anfang 2006. Die Rhön-Klinikum AG erwarb für 112 Millionen Euro einen Geschäftsanteil von 95 Prozent.

13. September 2012

Rhön-Universitätsklinik Gießen-Marburg: Abbau auch bei Ärzten

 Von Jutta Rippegather
 Foto: Andreas Arnold

Jetzt soll es also auch die Ärzte treffen: Rund 30 Arztstellen sollen an den beiden Standorten eingespart werden, erfuhr jetzt Franz-Josef Schmitz, Gynäkologe und Vorsitzender des Personalrats in Marburg. Gleichzeitig müsse sich auch die „Produktivität im ärztlichen Bereich“ steigern, habe die Klinikleitung zudem mitgeteilt

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Mehr Leistung mit weniger Personal: So will die Rhön-Universitätsklinik Gießen-Marburg aus den roten Zahlen kommen. Der Abbau hat längst begonnen, macht auch nicht an Pflegekräften oder Ärzten halt. Dabei hieß es stets, es würden nur Personalstellen „in patientenfernen Bereichen“ gestrichen.

Doch tatsächlich seien überall Fristverträge nicht verlängert, ausgeschiedene Kollegen nicht ersetzt worden, sagt die Marburger Betriebsratsvorsitzende Bettina Böttcher: 113 Mitarbeiter hätten den Konzern seit Jahresanfang verlassen, rund 200 weitere hätten sich bislang entschieden, ihr Recht auf Rückkehr in den Landesdienst wahrzunehmen, obwohl die offizielle Meldefrist erst zum Jahresende ausläuft. Das von Rhön offiziell ausgegebene Ziel, 236 Vollzeitkräfte weniger, sei damit schon überschritten.

Doch es sieht so aus, als sollten es doppelt so viele werden. In einem Radiointerview hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Martin Menger, jüngst gesagt, mit 9200 Mitarbeitern wäre die Uniklinik aus der Verlustzone. Also mit 500 weniger als noch zum Jahresanfang. Exakt diese Zahl steht in einem „streng vertraulichen Bericht“ vom 21. Februar, der vor drei Monaten bekanntwurde. Außerdem fordert die Uniklinik vom Land jährlich 16 Millionen Euro Instandhaltungskosten. „Fragen einer möglichen Investitionsförderung werden vom Land geprüft“, teilt das hessische Wissenschaftsministerium dazu mit.

Die Klinikleitung hingegen ist derzeit nicht bereit, Anfragen der Frankfurter Rundschau zu beantworten. Antworten gebe es frühestens im nächsten Monat, nachdem die Unternehmensberater von McKinsey ihre Ergebnisse präsentiert hätten, heißt es von der Pressestelle. Und: „Wir halten es für unverantwortlich, dass Patienten, Mitarbeiter und die Region auf diese Weise verunsichert werden und werden bis zur Veröffentlichung im Oktober keine weiteren Stellungnahmen abgeben.“ Dabei gehen unter den Betroffenen längst Zukunftsängste um. Und es werden Weichen gestellt, obwohl die McKinsey-Leute sich noch nicht geäußert haben. Rund 30 Arztstellen sollen an den beiden Standorten eingespart werden, erfuhr jetzt Franz-Josef Schmitz, Gynäkologe und Vorsitzender des Personalrats in Marburg.

Die „Produktivität im ärztlichen Bereich“ müsse sich steigern, habe die Klinikleitung zudem mitgeteilt. Doch ein weiteres „Auspressen wie eine Zitrone“ sei nicht mehr möglich. Selbst personell besser ausgestattete Abteilungen hätten in jüngster Zeit schlechtere Leistungen erbracht. „Die Leute sind fertig, und der Geschäftsführung mangelt es an Kommunikationsfähigkeit.“ Das gilt auch für den Standort Gießen, wie der dort zuständige Betriebsratsvorsitzender Klaus Hanschur klarstellt. „Die Belastungen und die Stimmung sind identisch.“ Hanschur und seine Kollegen sind derzeit damit konfrontiert, dass 30 bis 50 Stellen in der Pflege eingespart werden sollen. Dass die privatisierte Uniklinik in diesem Jahr in die roten Zahlen rutschte, sei absehbar gewesen, sagt der Betriebsratsvorsitzende. „Seit diesem Jahr schlagen Zins und Abschreibung in die Bilanz.“

Die Mitarbeitervertretung hat ebenfalls Sachverständige beauftragt, die sie beraten.

Und auch Wiesbaden hat externen Sachverstand eingekauft – von der Firma KPMG. „Das Land hält eine Personalreduzierung nur für vertretbar, wenn sie aus ärztlicher Sicht verantwortet werden kann“, teilt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums mit.

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