Der Brandbrief der acht Oberärzte des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin ist eindeutig: Die Arbeitsbedingungen im Universitätsklinikum Gießen-Marburg haben sich derart verschlechtert, dass dem Rhön-Konzern die Ärzte weglaufen. Auf das Budget mag sich das positiv auswirken: Junge Nachwuchskräfte sind billiger als erfahrene "alte Hasen".
Doch die Folgen für die Patientenversorgung sind verheerend: Eine zum Zweck des Geldverdienens ausgebaute Intensivstation für Frühchen mit schweren Fehlbildungen braucht unbedingt ausreichend kompetentes medizinisches Personal. Anfänger brauchen ältere Kollegen, die sie anleiten, ihnen als Vorbild im Umgang mit den Patienten dienen.
Ärzte müssen sich fort- und weiterbilden, um die hochmoderne Medizin praktizieren zu können, mit der die Rhön-Chefs werben. Auch dafür bleibt offenbar keine Zeit.
Das Schreiben der Oberärzte belegt Schwarz auf Weiß, was niedergelassene Ärzte, Ex-Mitarbeiter, Pfleger und Patienten seit Monaten der FR berichten: Die Qualität der Patientenversorgung hat sich verschlechtert, weil der Rhön-Konzern am Personal spart. Jetzt muss das Land eingreifen.