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Rhön-Klinikum: Chef geht nach zwei Jahren

Der Rhön-Konzern muss nach einem neuen Geschäftsführer für die Uniklinik Marburg-Gießen suchen. Joseph Rohrer, verlässt das Unternehmen "aus persönlichen Gründen".

Der Neubau des Universitätsklinikum Gießen-Marburg.
Der Neubau des Universitätsklinikum Gießen-Marburg.
Foto: rolf k. wegst

Das privatisierte Universitätsklinikum Gießen-Marburg verliert seinen Chef. Nach nur zwei Jahren legt Joseph Rohrer Ende April den Vorsitz der Geschäftsführung nieder. Dies geht aus einer Rundmail an die Belegschaft hervor, die die Klinik-Pressestelle der FR auf Anfrage schickte. „Aus persönlichen Gründen“, ist dort zu lesen, werde der 55 Jahre alte Schweizer seinen Posten räumen.

„In zeitlich geringerem Umfang“ werde er dem Klinikum weiter zu Verfügung stehen, den noch nicht benannten Nachfolger einarbeiten. Näheres war am Montag nicht zu erfahre.

Rohrer werde kein Interview geben, sagte Kliniksprecher Frank Steibli der FR. Keine Antwort gab er auf die Frage, ob Doris Benz den Posten übernehmen solle oder ebenfalls gehe. Rohrer hatte die österreichische Ärztin und Ökonomin vor zwei Jahren mit nach Mittelhessen gebracht.

Gemeinsam mit ihr war der 55-Jährige angetreten, mit dem ersten privatisierten Uniklinikum Deutschlands eine Erfolgsgeschichte zu schreiben; auch weil der Rhön-Konzern weitere Häuser kaufen will. Doch der Prozess gestaltet sich schwierig: Da sind die Kritiker, denen die Geschäftsführung vor wenigen Wochen Klage androhte, weil sie die Zustände in der Klinik angeprangert hatten.

Dann kam das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach bei der Privatisierung vor fünf Jahren das Land Hessen die Grundrechte der Arbeitnehmer verletzt hatte.

Die Belegschaft ist irritiert

Der Rhön-Konzern gilt als streng hierarchisch aufgebautes Unternehmen, an dessen Spitze Eugen Münch in Manier eines Patriarchen schaltet und waltet. Und auch die wirtschaftliche Situation soll nicht so rosig sein, wie es die Aktiengesellschaft nach außen darstellt. Allein die soeben fertiggestellten dritten Bauabschnitte in Marburg und Gießen kosteten rund 400 Millionen Euro.

Geld, das in Marburg und Gießen nicht verdient werden könne, meint der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies. „Unikliniken arbeiten immer an der Grenze zum Defizit.“ Im Vergleich zu anderen Krankenhäusern seien die Liegezeiten dort kürzer, die Patienten kränker.

Die Belegschaft ist irritiert: Man befinde sich mitten in der Umstrukturierung. Nach den Umzügen in die neuen Gebäude gebe es jede Menge fachliche, personelle und organisatorische Probleme, heißt es.

Ein Analyst der Commerzbank nannte am Montag den Zeitpunkt von Rohrers Abgang „interessant“, da die Modernisierung der beiden Häuser gerade erst abgeschlossen worden sei.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  21 | 3 | 2011
Kommentare:  1
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