Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

30. Oktober 2012

Hurrikan-Fakten: Was "Sandy" so tückisch macht

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Sandy erreicht die USA - zu sehen auf einem Satellitenbild. Foto: dpa

"Sandy" ist ein Wirbelsturm der Kategorie 1, der niedrigsten Hurrikan-Stufe. Dennoch ist die Furcht groß, dass sie verheerende Schäden hinterlassen wird. Wir erklären, was "Sandy" so gefährlich macht, wie Wirbelstürme entstehen - und ob sie auch in Europa auftreten könnten.

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„Katrina“ war die Schlimmste. Im August 2005 wütete der Hurrikan zeitweise mit der höchsten Stärke 5 in den US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama und tötete mehr als 1800 Menschen. New Orleans wurde weitgehend zerstört. Etwa 1,3 Millionen Menschen entlang der US-Golfküste verloren ihr Hab und Gut.

Noch frisch ist die Erinnerung an Hurrikan „Irene“, der im August 2011 die Ostküste der USA heimsuchte. Mehrere Bundesstaaten erklären vorsorglich den Notstand. Wie heute stoppte New York auch damals U-Bahnen sowie den Schiffs- und den Flugverkehr. Der Sturm, der in North Carolina mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern auf Land traf, war weniger verheerend als erwartet. Dennoch gab es große Schäden. Millionen waren ohne Strom. Mindestens 45 Menschen starben. "Irene" hatte Hurrikan-Stärke 1 - ebenso wie "Sandy".

In dem nun erneut bedrohten Gebiet an der US-Ostküste leben rund 50 Millionen Menschen. Allein die Metropolregion New York zählt nach offiziellen Schätzungen von 2011 etwa 19 Millionen Einwohner. Größere Ballungsräume sind außerdem Philadelphia mit knapp sechs Millionen Einwohnern und die Region um die US-Hauptstadt Washington mit etwa 5,7 Millionen Einwohnern. Diese drei Gebiete zählen auch zu den wichtigsten Standorten der amerikanischen Wirtschaft und Politik. Viele Unternehmen aus der Elektro-, Textil und der chemischen Industrie sind im Staat New York angesiedelt. In der Metropole selbst haben auch große Medienunternehmen, der Pharma-Riese Pfizer und der bedeutendste Aktienmarkt der Welt, der New York Stock Exchange (NYSE), ihren Sitz. Philadelphia hat den größten Süßwasserhafen der Welt, in dem Waren wie Stahl, Textilien, Papier oder Rohöl umgeschlagen werden. Washington ist dagegen das politische Zentrum der Vereinigten Staaten. Das Weiße Haus, das Pentagon und der Internationale Währungsfonds (IWF) sind hier angesiedelt.

Gefährlich ist "Sandy" aber nicht nur, weil der Sturm ein sensibles Gebiet bedroht. Von Westen her nähert sich gleichzeitig ein Wintersturm, der in einigen Regionen bis zu einem Meter Schnee bringen könnte. Eine arktische Kaltfront aus Kanada lässt die Temperaturen unter den Gefrierpunkt abstürzen. Die drei Wettersysteme könnten sich zum "Frankensturm" vereinen, wie Meteorologen die Naturkatastrophe in Anspielung auf das Frankenstein-Monster getauft haben.

Zutaten: Warmes Wasser, hohe Luftfeuchtigkeit, tropisches Tief

Prognose: Sandys Weg nach Norden.
Prognose: Sandys Weg nach Norden.

Es ist kein Zufall, dass Hurrikane im Nordatlantik und in der Karibik meist zwischen Juli und Oktober auftreten, denn warme Meere sind die Voraussetzung für ihre Entstehung. Wenn das Wasser mindestens 26,6 Grad warm ist, die Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre hoch ist und ein tropisches Tief dazu kommt, sind dies die Zutaten für einen schweren Wirbelsturm.

Er entsteht durch das Aufströmen der warmen Luft über dem Meer in die deutlich kältere Atmosphäre. In der Folge beschleunigt sich spiralförmig der Austausch der Luftmassen. Es bilden sich Wolken und Gewitter. Erreichen die Winde des Wirbelsturms 120 Stundenkilometer, spricht man von einem Hurrikan. Seine Stärke wird auf der fünf-stufigen Saffir-Simpson-Skala gemessen. Im Zentrum, dem Auge des Sturms, ist es nahezu still.

Kategorie 1
Kategorie 2
Kategorie 3
Kategorie 4
Kategorie 5

Der Ingenieur Herbert Saffir und der damalige Direktor des National Hurricane Centers (NHC), Bob Simpson, haben 1971 eine noch heute gültige Hurrikan-Skala entworfen. Danach werden Hurrikans in Kategorien zwischen 1 und 5 eingestuft.

Kategorie 1: ab 119 Stundenkilometer: Leichte Schäden an Bäumen, Verkehrsschildern und schlecht verankerten Gebäuden.

Ab 154 Stundenkilometer: Kleinere Bäume werden entwurzelt und Schilder umgerissen. Auch Hausdächer, Fenster und Türen können beschädigt werden.

Ab 178 Stundenkilometer: Leichte Bauwerke in Küstennähe werden zerstört. Die Windböen drücken Fenster ein und decken Dächer ab. Wasser- und Stromversorgung sind unterbrochen.

Ab 209 Stundenkilometer: Extreme Schäden an Gebäuden. Leichtere Bauwerke werden komplett zerstört oder weggeweht und an der Küste durch Wind und Wellen schwer beschädigt. Große Gebiete sind für längere Zeit unbewohnbar.

Ab 252 Stundenkilometer: Die Zerstörungen sind katastrophal, auch bei massiv gebauten Häusern und Industrieanlagen. Dächer werden massenweise abgedeckt, Türen und Fenster zertrümmert. Bäume knicken wie Streichhölzer um. Schwere Überschwemmungen drohen.

Der Name leitet sich aus dem indianischen Wort „Hunraken“ (Sturmgott) ab. Hurrikane können einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern erreichen. Ihre potenzielle Zerstörungskraft wird auf das Zehnfache der Atombombe auf Hiroshima geschätzt. Erst wenn ein Hurrikan auf Land oder kältere Wasseroberflächen trifft, löst er sich auf.

Vor Stürmen wie „Sandy“ müssen die Menschen in Europa keine Angst haben. Es sei praktisch unmöglich, dass ein derartiger Wirbelsturm etwa Deutschland erreiche, sagte am Montag Wolfgang Seifert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hamburg. Wie der Experte erklärte, entstehen Hurrikane nur dort, wo die Wassertemperaturen über 27 Grad beträgt - also im subtropischen Atlantik - und ziehen dann meistens in die Golfregion.

Bevor sie in Europa aufschlagen könnten, müssten die Riesenstürme über den Atlantik ziehen - dabei würde sie das kältere Wasser abschwächen. „Hurrikane im klassischen Sinn gibt es hier nicht“, sagte Seifert. Allerdings könne es zu sehr heftigen Unwettern kommen. (mit dpa/rtr/dapd)

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