Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

03. November 2012

Krise in New York: Sandy stürzt New York in Ölkrise

Auch in Matawan, New Jersey, gibt es lange Schlangen. Foto: AFP

Die Probleme in New York reißen nicht ab: Nach dem Wirbelsturm Sandy wird das Heizöl knapp - und das kurz vor einem befürchteten Kälteeinbruch im Großraum von New York. Derweil sammeln Stars wie Jon Bon Jovi, Christina Aguilera und Bruce Springsteen Spenden für die Menschen in den betroffenen Gebieten.

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New York –  

Wer im Nordosten der USA den Wirbelsturm „Sandy“ glücklich überstanden hat und noch ein Dach über dem Kopf besitzt, könnte bald schon vor einem neuen Problem stehen: Das Heizöl ist knapp, und die weit verbreiteten Stromausfälle bedeuten für viele Bewohner eisige Wohnungen.

Ein Kälteeinbruch im Großraum New York wird voraussichtlich Anfang nächster Woche die Temperaturen auf zwei bis drei Grad Celsius sinken lassen. Viele Tausende Amerikaner in den besonders vom Sturm heimgesuchten Bundesstaaten New York, New Jersey oder Connecticut müssen dann voraussichtlich ohne Heizung auskommen.

In einigen Regionen von New York mussten die Heizölhändler die Lieferungen am Freitag bereits rationieren. Wann sie wieder Nachschub erhalten, ist unklar. 5,8 Millionen Haushalte sind im Nordosten vom Heizöl abhängig. Es ist der weltweit größte Heizölmarkt.

Hinzu kommt, dass fast 3,5 Millionen Haushalte und Geschäfte an der Ostküste am Freitag noch ohne Strom waren. Die Stromversorgung wird sich wohl im Lauf der nächsten Woche verbessern. Wer aber seine Wohnung mit Öl heizen muss, hat noch längst nicht ausgesorgt.

US-Regierung gibt Reserven frei

Die US-Regierung versucht, die Öl-Knappheit zu mildern, indem sie strategische Reserven freigibt. Doch das wird kaum ausreichen. Öl-Terminals, wo normalerweise die Tanker entladen werden, können nicht arbeiten, weil sie keinen Strom haben. Und in mindestens zwei wichtigen Raffinerien in New Jersey ruht die Arbeit wegen Überflutung. Zu allem Überfluss kommen Transporte wegen Schäden an Straßen und Brücken nicht zu den Wohnhäusern durch.

Und so berichten viele Heizöl-Händler, die normalerweise die New Yorker beliefern, ihnen sei das Brennmaterial bereits ausgegangen. „Das war das letzte“, sagt Nick DeMaria, ein Manager in einem Öllager in Brooklyn. „Ich habe eine ganze Reihe Tanklastwagen da unten stehen, und die bekommen kein Öl. Wenn es jetzt kalt wird, müssen die Leute aber heizen können.“

Vincent Savino, der Chef einer anderen Firma, die in New York City 2000 Häuser beliefert, sagt: „Es ist kein Heizöl zu bekommen. Ich weiß nicht, wie viel wir hier noch haben. Vielleicht noch für einen oder zwei Tage.“

Und der Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Meteorologen rechnen für New York City in den kommenden Tagen mit Temperaturen, die unter dem Durchschnittswert für Anfang November liegen.

Tankstellen haben kein Benzin mehr

Den New Yorkern geht nun auch noch das Benzin aus. "No Gas!" ("Kein Benzin!") stand an immer mehr Tankstellen, an anderen bildeten sich lange Schlangen.

Deshalb hat Präsident Barack Obama jetzt Benzinlieferungen in die Katastrophengebiete angeordnet. Das Verteidigungsministerium wurde angewiesen, gut 80 Millionen Liter an bleifreiem Benzin und Diesel aufzukaufen und auszuliefern, wie aus einer Mitteilung der US-Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA) vom Freitagabend (Ortszeit) hervorgeht.

In New York wird allmählich die Versorgung mit Heizöl knapp.
In New York wird allmählich die Versorgung mit Heizöl knapp.
Foto: dapd

Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, ordnete dem Sender CNN zufolge mittlerweile eine Benzinrationierung an. Sie solle am Samstagmittag (Ortszeit) in Kraft treten und orientiere sich an den geraden oder ungeraden Endziffern auf den Autonummernschildern.

Einige U-Bahnen in New York fahren unterdessen bereits wieder, aber nicht nach Süd-Manhattan und nicht zwischen den Stadtteilen. Wer von Manhattan nach Brooklyn oder Queens will, muss in den Bus umsteigen, der über eine der Brücken fährt. Doch auch die nach einem abgespeckten Fahrplan fahrenden Busse sind hoffnungslos überfüllt, an manchen Haltestellen warteten Hunderte Menschen. Geringer Trost: Die Nutzung des Nahverkehrs ist nach wie vor kostenlos.

Die Zahl der Toten nach dem Wirbelsturm Sandy ist nach Angaben des US-Senders CNN auf 106 gestiegen. Allein in der Stadt New York seien mindestens 41 Menschen ums Leben gekommen. Und die Suche nach Vermissten geht weiter.

Nach Schätzungen der Bundesbehörden verursachte Sandy im Osten der USA einen Gesamtschaden von 20 Milliarden Dollar. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat ging sogar von einem volkswirtschaftlichen Schaden zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar aus.

Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, bezifferte in einem Brief an Präsident Barack Obama die Schäden für die Millionenmetropole am Hudson auf insgesamt sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro).

Stars sammeln Geld

Derweil haben Stars wie Jon Bon Jovi, Christina Aguilera und Bruce Springsteen Spenden für die Menschen in den betroffenen Gebieten an der US-Ostküste gesammelt.

Bei einem einstündigen TV-Benefizkonzert baten zahlreiche Prominente, die größtenteils selbst aus der betroffenen Region stammen, um Geld für die Opfer von Sandy. (dpa/reuters)

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