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Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

05. November 2012

Nach Hurrikan "Sandy": Erdbeben erschüttert US-Ostküste

 Von Sebastian Moll
Ein Kind sucht in Queens nach Brauchbarem in Kleiderspenden. Foto: REUTERS

Nach dem verheerenden Wirbelsturm Sandy erschüttert ein kleines Erdbeben die krisengeplagte Ostküste der USA. Die Zahl der Toten steigt auf über 100 Opfer. Noch immer sind mehr als 1,5 Millionen Haushalte ohne Strom, Wasser und Benzin werden knapp.

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Während die Menschen an der Ostküste der USA noch immer mit den Folgen von Wirbelsturm "Sandy" kämpfen, hat ein Erdbeben einen Teil der betroffenen Gebiete erschüttert worden. Das Beben der Stärke zwei sei in fünf Kilometer Tiefe ausgebrochen, teilte das Nationale Erdbeben-Zentrum der USA mit. Das Epizentrum habe nahe der Stadt Ringwood in New Jersey, etwa 60 Kilometer von New York entfernt, gelegen. Über Verletzte oder Schäden wurde zunächst nichts bekannt.

Unterdessen war die Zahl der Toten als Folge des Wirbelsturms „Sandy“ am Montag auf 110 gestiegen. Allein 47 Todesopfer seien in New York zu beklagen, berichtete der Nachrichtensender CNN. Sechs Tage nach dem Monstersturm seien an der Ostküste zudem noch mehr als 1,5 Millionen Haushalte ohne Strom, hieß es unter Berufung auf die Energieversorger. Allein in New Jersey seien rund 900.000 Häuser ohne Elektrizität, in New York etwa eine halbe Million.

Zudem wächst die Angst vor einem neuen Sturm, der sich der Ostküste nähern und vor allem eine weitere Kältewelle mit sich bringen soll. Bereits jetzt sinken die Temperaturen nachts teilweise bis auf den Gefrierpunkt, wegen Ölknappheit gibt es keine Heizung. Bürgermeister Bloomberg ließ 25.000 Decken in der ganzen Stadt verteilen. Bloomberg schätzte, dass für 30.000 bis 40.000 New Yorker neue Unterkünfte gefunden werden müssten, da in ihren Vierteln die Stromversorgung noch lange nicht wieder hergestellt werden sein dürfte. „Wir haben nicht sehr viele leer stehende Häuser in dieser Stadt“, sagte Bloomberg. „Wir werden niemanden auf der Straße schlafen lassen. Aber es ist eine Herausforderung und wir arbeiten daran.“ Die Situation werde sich „nicht in Monaten und auch nicht in einem Jahr“ vollständig normalisieren, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Craig Fugate, auch wenn am Montag einige U-Bahn-Linien und fast alle Schulen wieder geöffnet wurden.

Bloomberg bekommt den Frust ab

Bloomberg hatte zuvor den ganzen Frust der Einwohner abbekommen - bei seinem Ausflug nach Far Rockaway, einer Landzunge im Atlantik am äußersten Ende von New York. Bloomberg wollte den Bewohnern von Rockaway, deren Siedlungen von Hurrikan „Sandy“ komplett verwüstet wurden, zeigen, dass er sie nicht vergessen hat. Doch die Geste kam zu spät. Sobald Bloomberg sich zwischen den Trümmern der Rockaways zeigte, gingen zornige Anwohner auf den Bürgermeister los. „Wir haben immer noch keinen Strom. Es ist unmöglich, Wasser zu bekommen. In den Hochhäusern sind alte Menschen völlig isoliert. Wann bekommen wir Hilfe, Herr Bürgermeister?“, schlug ihm die angestaute Frustration der Opfer entgegen.

Die Rockaways sind ein Symbol dafür geworden, wie hart Hurrikan „Sandy“ die Region getroffen hat und wie viel es noch zu tun gibt. Während im unteren Manhattan in der Nacht zum Sonnabend der Strom wieder anging und das Leben langsam zur Normalität zurückfand, herrschte in vielen Außenbezirken noch immer Ausnahmezustand. Behördenangaben zufolge waren noch 871.000 Menschen ohne Strom. Weil viele Heizungen elektrisch betrieben werden, saßen Tausende in kalten Wohnungen.

Benzin ist rationiert

Wie in den Rockaways hatte „Sandy“ in Staten Island, in Meer-nahen Gegenden von Queens und Long Island sowie in New Jersey massive Verwüstungen angerichtet. An der gesamten US-Ostküste waren am Wochenende noch etwa 2,5 Millionen Menschen ohne Strom, wie das US-Energieministerium mitteilte, allein im am schwersten betroffenen Bundesstaat New Jersey waren es 1,2 Millionen. Zehntausende suchen Schutz in den Notunterkünften des Roten Kreuzes, die jetzt schon hoffnungslos überfüllt sind. Es mangelt an Freiwilligen, um die Obdachlosen zu betreuen. Auch die Nahrungsmittelversorgung wird langsam prekär, obwohl die Nationalgarde begonnen hat, Mahlzeiten auszuteilen.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist der Benzinmangel. In New Jersey warteten die Menschen bis zu acht Stunden darauf, ihre Fahrzeuge aufzutanken. Am Sonnabend ordnete der Gouverneur von New Jersey die Rationierung an. In New York hatte zum Sonntag die Bundesregierung Tanklastzüge bereitgestellt, um die Versorgung der Noteinsatzfahrzeuge sicherzustellen.

Wahl per Fax oder E-Mail

Bei diesen Sorgen droht in der am dichtesten besiedelten Region der USA die bevorstehende Wahl am Dienstag in Vergessenheit zu geraten. „Ich habe im Moment andere Sorgen“, sagte etwa ein Mann in Staten Island, dessen Heim zerstört wurde, der New York Times. Trotzdem muss am Dienstag gewählt werden, die Wahl zu verschieben wäre juristisch äußerst kompliziert.

In den Katastrophengebieten werden deshalb nun beheizte Zelte aufgestellt, in denen gewählt werden kann. Der Gouverneur von New Jersey ermöglicht es den Wählern, per E-Mail oder Fax zu wählen. In New York haben in allen Stadtteilen Büros geöffnet, in denen Wähler vor Ort ihre Stimme per Briefwahl abgeben können. Gewöhnlich darf nur in jenem Bezirk gewählt werden, in dem man auch registriert ist.

Die Superstars Jon Bon Jovi, Billy Joel, Christina Aguilera, Sting und Bruce Springsteen hatten für die Opfer des Hurrikans ein einstündiges Benefizkonzert ausgerufen und damit mehr als 23 Millionen Dollar eingenommen. Das sei ein Rekordwert, teilte das Amerikanische Rote Kreuz mit. Das Geld werde sofort den Bedürftigen zu Gute kommen. Allerdings: Der geschätzte Gesamtschaden ist mit 20 Milliarden Dollar fast 1000 Mal so hoch.

Haiti ruft Notstand aus

Während alle Augen auf die USA gerichtet sind, hat Haiti, das andere „Sandy“-Opfer, den Notstand ausgerufen. Das ärmste Land Amerikas wird vom Hunger bedroht, nachdem die Regenfälle des Wirbelsturms in weiten Teilen des Landes die Ernten zerstört haben. Der Schaden wird auf mehr als 104 Millionen Dollar geschätzt. Mindestens 60 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden obdachlos. (mit dpa)

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