Cory Booker, 43 und Bürgermeister der 277.000-Einwohner-Stadt Newark im US-Bundesstaat New Jersey, ist ein Mann, der anpackt. Das hat er im April bewiesen, als er eine Nachbarin aus ihrem brennenden Haus rettete – obwohl seine Bodyguards ihn davon abhalten wollten. Und das stellt der Politiker, der Mitglied der Demokaten ist, gerade wieder unter Beweis, für alle zu sehen in seinem Twitter-Account.
„Ich bin alleinerziehende Mutter eines zweijährigen Kindes, lebe alleine, habe keinen Strom und keine Lebensmittel, mein Handyakku steht bei 56%, ich brauche Hilfe“, schreibt eine Twitter-Nutzerin an Cory Booker. Kaum eine halbe Stunde später kommt die Antwort des twitternden Bürgermeisters: „Ich kann helfen. Schreib mir, wo du bist und schick mir deine Telefonnummer“.
Tote, Stromausfälle, Brände und Überschwemmungen: Monstersturm „Sandy“ hat entlang der US-Ostküste ein Chaos von historischem Ausmaß hinterlassen. Die Zahl der Todesopfer stieg am Dienstag auf mindestens 39, mehr als 8,2 Millionen Menschen waren ohne Strom. Fluggesellschaften mussten über 15.000 Flüge streichen. Und vielerorts war das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung immer noch ungewiss.
Foto: dapdEin anderer Einwohner Newarks schreibt: “Jeder um uns herum hat Strom. Das ist frustrierend, wir wissen nicht was los ist. Unser Haus ist voller Menschen und wir haben hier ein Neugeborenes“. Innerhalb von Minuten antwortet Booker: „Kann ich heute Abend mit Vorräten vorbeikommen und mit euch sprechen?“. Nach einem Besuch schreibt er: "Es war gut, dich und deine Nachbarn zu treffen. Es tut mir leid, dass ihr keinen Strom habt, aber ich hoffe, die Lebensmittel, Windeln etc. helfen".
Das kommt auch bei anderen gut an: "Sie sind ein Segen für die Bürger von Newark! Machen Sie so weiter". Und "Ehrlich, @CoryBooker ist der beste Bürgermeister, den ich je erlebt habe. Ich bin neidisch auf die Einwohner von Newark" sind nur zwei der vielen Tweets, die den Bürgermeister in höchsten Tönen loben.
In seinem Amt scheint Booker in gewisser Weise eine Ausnahmeerscheinung zu sein. Er ist Sprössling erster schwarzer Führungskräfte bei IBM und bewegte sich als Student offenbar nur in der amerikanischen Elite - studierte in Stanford, Yale und Oxford. Doch dabei hat er die Bodenhaftung offensichtlich nicht verloren. Als Stadtrat protestierte er sogar mit einem mehrtätigen Hungerstreik in einem Zelt, weil die Verantwortlichen von Newark seiner Meinung nach nichts gegen den Drogenhandel auf der Straße unternommen hatten.
Nach "Sandy" hockt Booker nun ebenso wenig in seinem Büro, sondern hilft den Betroffenen direkt an der Haustür. Booker ist auch in Washington kein Unbekannter: Er ließ Barack Obama abblitzen, als der Präsident ihm eine Behörde angeboten hatte. Booker sollte das Amt für Städteentwicklung übernehmen. Er winkte ab mit der Begründung, er fühle sich seiner Stadt zu sehr verbunden.
Trotz der angespannten Situation kommt auch Humor in Bookers Tweets nicht zur kurz: Eine Userin schreibt Booker: "Meine Mutter ist Kaffee-süchtig und macht mich wahnsinnig - was soll ich tun? Dunkin Donuts ist geschlossen". Der Bürgermeister antwortet ihr: "Ich kann den Schmerz deiner Mutter nachvollziehen. Umarme sie."
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