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Sandy - Wirbelsturm trifft New York
Naturkatastrophe in den USA: Wirbelsturm Sandy zieht über die Ostküste.

03. November 2012

New York nach Hurrikan Sandy: Evakuierung, aber keine Prävention

 Von Sebastian Moll
Long Island am 30. Oktober. Foto: Reuters

Das Museum of Modern Art prognostizierte schon vor Jahren die Folgen eines Hurrikans für New York.

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Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ist ein beschäftigter Mann, viel Zeit, ins Museum zu gehen, wird er in seinem vollen Terminkalender nicht finden. Eine Ausstellung am Museum of Modern Art hätte er sich allerdings nicht entgehen lassen sollen.

Vier Jahre ist es her, dass das MoMA gemeinsam mit seinem Ableger PS1 Teams von Landschaftsarchitekten, Ingenieuren und Künstlern beauftragt hatte, Pläne für das New York der Zukunft zu entwickeln. Die Prämisse des Wettbewerbs: Die wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis, dass der Wasserpegel rund um New York in den kommenden 90 Jahren um rund drei Meter steigen wird. Extreme Wetterereignisse wie Hurrikane, die Flutwellen von bis zu sechs Metern Höhe mit sich bringen, werden in den kommenden Jahren immer häufiger werden.

Flutschleusen oder Renaturierung

Die Ergebnisse waren faszinierend, sie reichten vom Bau von Flutschleusen am Eingang der New Yorker Bucht bis zur Renaturierung der Uferabschnitte im unteren Manhattan. Das einzige Problem: Jeder dieser Pläne hätte viel Geld gekostet und vor allem wertvollen Baugrund entlang des Wassers der kommerziellen Nutzung entzogen.

Angesichts der Kosten, die Hurrikan „Sandy“ voraussichtlich für die Stadt New York verursachen wird, wird sich Bürgermeister Bloomberg die Vorschläge nun vielleicht aber doch noch einmal anschauen. Die komplette Flutung überlebensnotwendiger Infrastruktur, darunter das U-Bahn-Netz und die Stromerzeugung, meterhohe Fluten in Wohn- und Geschäftsbezirken, all das ist in New York seit dieser Woche kein fernes Horrorszenario mehr.

Bloomberg, der seit zehn Jahren im Amt ist, kann sich nicht darauf herausreden, von dieser Gefahr nichts gewusst zu haben. Schon 2004 legte die Universität von New York in Long Island einen Plan zum Flutschutz der verwundbaren Stadt vor, die 1 000 Kilometer Uferlinie auf ihrem Gebiet aufweist. Erst vor zwei Jahren fertigte der Staat New York einen Bericht zum Flutschutz der Stadt an, den er dem Bürgermeister vorlegte. Die Vorschläge waren die gleichen wie die, die der MoMA-Wettbewerb bereits gemacht hatte.

Flutschutzplan, aber keine Präventionsmaßnahmen

Die Stadt studierte die Empfehlungen der Wissenschaftler und legte im Jahr 2006 einen Flutschutzplan vor. Dieser wies Evakuierungs- und Aufräumpläne vor, aber praktisch keine Prävention. Bloomberg nahm die Flutgefahr schlicht und einfach nicht ernst. „Es muss immer erst etwas passieren, bevor die Leute bereit sind, Geld auszugeben“, sagte ein ehemaliger Mitarbeiter des Bürgermeisters anonym gegenüber der New York Times.

Nun ist bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren etwas passiert. Die Tatsache, dass der Klimawandel die Existenz von New York bedroht, lässt sich nicht mehr leugnen. „Die zehn höchsten Wasserstände im Battery Park seit 1900 haben sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren ereignet“, sagt Ben Strauss, Direktor der Forschungsgruppe Meeresspiegel an der Universität Princeton.

Bloomberg selbst würgte indes entsprechende Anfragen in dieser Woche mit dem Hinweis ab, er sei jetzt zu sehr mit der aktuellen Situation beschäftigt, um über so etwas nachzudenken. Spätestens, wenn die U-Bahn wieder trocken ist und die Bewohner von Lower Manhattan wieder Strom haben, kann er diesen Fragen nicht mehr ausweichen.

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